Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Palästina im Lichte der dneuen Ausgrabungen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 154 (sequence 3)
- Language
- German
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— 154 — künstlerischer Kultur infolge der religiösen j Vorschriften urid historischer Schicksale, j Delitzsch hat auf die Zusammenhänge \ hingewiesen zwischen der babylonischen Schöpfungsgeschichte, der Sintflutsage und der biblischen Erzählung. Wichtiger aber als diese Reminiszenzen ist die Entschiedenheit, mit welcher die altisraelitische Religion mit dem Dämonen- und Teufelsglauben aufräumte. Der Dämonenglaube ist weit verbreitet gewesen und war gewiß auch den hebräischen Nomadenstämmen nicht fremd. Es bleibt ein Ruhm der israelitischen Religion, daß sie weder dem heimischen noch dem benachbarten babylonischen Dämonenglauben auch nur ein Mindestmaß von Berechtigung einräumte. Die israelitische Religion wreiß nichts von einem Teufel oder Satan, das heißt Feind oder Widersacher. Erst in der nachexilischen Zeit begegnen wir plötzlich im Buche Hiob (Kapitel 1, 2) einer niederen Gottheit, die in nahem Verkehr mit Jahve erscheint und mit dessen Zulassung auf der Erde umherschweift, um dem Menschen, insbesonders dem Frommen nachzustellen, und ihn mit Unglück aller Art, vornehmlich mit Krankheit zu verfolgen, zu „versuchen". Es ist der babylonische Teufel, der „feindliche Gott", der in Verbindung mit einer Legion von Dämonen dem Menschen mit allerlei Unheil nachstellt, ein uralter Glaube, dessen Wiederaufflackern in Palästina trotz der Ablehnung durch die Religion sich durch die im 8- und T.Jahrhundert in großer Menge nach Galiläa und Samaria verpflanzten Bewohner babylonischer Städte erklärt. Auf diese Weise erklärt es sich, nach Delitzsch, warum gerade in der Vorstellungswelt Jesu von Nazareth und seiner galiläischen Schüler der Dämonen- und Teufelsglaube solche Bedeutung gewann. Der ganze Vorstellungskreis von unsauberen Geistern, die womöglich gleich sieben an der Zahl in den Menschen fahren, ihn mit Blindheit, Krämpfen und sonstigen Krankheiten schlagen, und mit „Gottes Geist" (Matth. 12,28) ausgetrieben werden; 'der Glaube, daß in den Stummgeborenen ein stummer Dämon wohne (Luk. 11, 14), die Vorstellung von einem dem Menschen „feindlichen", übernatürlichen Wesen xav'ecpyY\v oder „Teufel", das ist spezifisch babylonischer Aberglaube und der jüdischen Religion in ihrer philosophischen Hohe fremd. Fremd ist aber auch den palästinensischen Juden — darauf sei hier nur kurz hingewiesen — der babylonische Despotismus. In ihrer freien Verfassung zur Zeit der Richter stellen sie das erste Bild einer ausgebreiteten politischen Freiheit auf, das in Babylon nicht seinesgleichen hat, und es ist kein Zufall, daß alle Freiheitsbewegungen im finsteren Mittelalter von der Bibel ihren Ursprung nahmen. Endlich haben uns die Ausgrabungen den Wert der Legende, als die p rimitive F orm der Geschichtsschreibung überhaupt kennen gelehrt. Zwischen dem blinden Buchstabenglauben und der absoluten Ablehnung zeigen sie uns den Mittelweg, wie die Legende wirkliche Ereignisse in mythischer oder poetischer Weise festhält. So hat David M. Beddoe die Mumie Menephtas des biblischen Pharao gefunden. Durch nichts unterschied sie sich von den Mumien anderer Bürger: kein Pomp, keine Pracht; nur ein kleiner Zettel am Kopfende des Kastens verriet, daß es die Reste Menephtas, des Königs des oberen und unteren Ägyptens waren. Man fand einen länglich gewölbten, großen Schädel, eine kühn gebogene Habichtsnase und ein langes scharf geschnittenes Kinn; ein korpulenter, alter Mann, fast klein von Statur. Als er, der dreizehnte von den 111 Söhnen Ramses des Großen, den Tron bestieg, war er ein alternder Mann von wenigstens 60 Jahren. Er war nicht mehr jung genug, um auf Eroberungen auszugehn, und begnügte sich mit der Errichtung großer Bauten. Der Auszug der Israeliten wird in einem Siegesbericht kurz erwähnt: „Die Israeliten sind vernichtet und haben keine Nachkommenschaft mehr." Menephta ist nicht ertrunken, wie seine Mumie beweist. Es heißt auch im 2. Buch Mosis 15, 5 nur: „Die Wagen Pharaos und seine Macht warf er ins Meer; seine aus-