Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Palästina im Lichte der dneuen Ausgrabungen
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 153 (sequence 2)
- Language
- German
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— 153 — ihre Wanderung antraten, das eine altehrwürdige Kult- und Kulturstätte war, so ist es einleuchtend, daß ihr geistiger Horizont dem Babylons entsprach. Aber auch vor der Einwanderung der Hebräer in Kanaan, war in Palästina und Syrien, ebenso in Kleinasien die Keilschrift im 2. Jahrtausend v. Chr. das allgemeine Verkehrsmittel, sowohl mit Benutzung der babylonischen Sprache, als auch für die einheimischen zurechtgemacht. Allerdings fand Sellin bei seinen Ausgrabungen in Jericho, das genau nach den Angaben des Josephus V/2 km. nordwestlich von der Eliasquelle (2. Kön. 2., 19—22) lag, einen Krughandgriff mit zwei althebräischen Lettern; demnach hätten die Kanaaniter bereits um 1500 v. Chr. die phönizischmoabitisch -alt - hebräischen Lettern gekannt; dies kann jedoch nicht die Tatsache umstoßen, daß in der Regel die Keilschrift das allgemeine Verständnismittel war. Dies bewies auch der Fund Sellins inThaanach; er fand hier 12 unverletzte in schriftliche Briefe in Keilschrift auf Tontafeln, die ursprünglich in. einer Tonkiste aufbewahrt waren, eine Illustration zu Jeremias 32, 19. In Jericho fand Sellin nur unbeschriebene Tontafeln. Dagegen hatte Maculister in Gezer eine Tafel mit babylonischer Keilschrift gefunden, die eine wesentliche Ergänzung der Tell-Amarna Briefe darstellte, ferner eine Zodiakustablette auf ungebranntem Ton, die den babylonischen Exemplaren gleicht und astronomischen Symbolismus zu jener Zeit bezeugt, endlich ein schönes babylonisches Siegel mit der Darstellung von 4 sich bei einem Opfer treffenden Personen. Der ägyptische Einfluß macht sich natürlich am stärksten im Süden bemerkbar, und findet hauptsächlich in der Bauart der Städte seinen Ausdruck, doch findet sich ägyptischer Schmuck (Skarabäen) und Götzenbilder vereinzelt auch in Megiddo; dagegen ist in Jericho kein ägyptischer Einfluß nachweisbar. Hier tritt vielmehr sowohl in der massiven Bauart der Festung, die an die Zyklopenmauern im hethitischen Boghaz köi erinnert, ebenso wie in der mit hohen Türmen bewehrten Zitadelle, merkwürdig weit im Süden der hethitische Einfluß hervor. Denselben Charakter zeigt auch die Keramik, das Hausgerät und der Schmuck, mit der Darstellung von Tieren, Vögeln, Fischen und Steinböcken, und z. B. Reliefs von Gazellen, die von Löwen verfolgt werden. Verständlich ist uns auch jetzt, wo wir die mächtigen Mauern Jerichos wieder erblicken, welchen Eindruck sie nach der Bibel auf die heranziehenden Hebräer machten. Ferner ersehen wir, daß die israelitische Kultur keine Steigerung der in dem Lande vorgefundenen kanaanitischen bedeutet. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Fürs erste kommen hier die Gebote in Betracht: „Du sollst dir kein Bildnis machen noch irgend ein Gleichnis" (andere Darstellungsform) und „Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker einheitlicher Gott." Nicht nur der j Priester und Eingeweihte soll hinter der | Götterstatue oder hinter dem Himmelskörper j das Walten der übersinnlichen Gottheit erj kennen, sondern jedermann soll sich dessen | bewußt sein. Und um zu vermeiden, daß! das Volk in den immer wiederkehrenden; Fehler verfällt, die Götzen anzubeten, wird | jeglicher „Bilderdienst" verpönt. Unter solchen | Umständen konnten sich die bildenden Künste, j für die bewundernswerte Ansätze vorhanden I waren, nicht entwickeln. Sie hätten sich! aber dennoch später entwickelt, ohne An- | lehnung an die Religion, wenn nicht ein j zweiter Umstand in die Wagschale gefallen j wäre. Ein Kriegssturm nach dem anderen | brauste über dieses exponiert liegende Land. | Wie sollte den Einwohnern die Energie und | die Freude kommen, nach Eroberung, Ver-! Wüstung und Einäscherung das Alte wieder! neu aufzubauen oder ein mühevolles Werk! zu beginnen, für das ein oder mehrere Jahr- \ zehnte Arbeit erforderlich waren. Wie sollte I sich da eine eigenartige Kultur erhalten oder; gar entwickeln! Umso höher ist das Verdienst; der Israeliten an dem Ausbau des Monotheismus; anzuschlagen, und dieser Höhepunkt ent- | schädigt vollkommen für den Verlust an