Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Der Kulturwert der brachycephalen (turanischen) Rasse
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 108 (sequence 3)
- Language
- German
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— 108 — am Rande der Muschel zogen und dann brennen ließen. Wie viele Generationen darüber vergangen sind, bis man zu dieser Form der Beleuchtung kam. wissen wir nicht, aber diese Muschel ist jedenfalls der früheste bekannte Vorgänger aller Lampen. In einer etwas höheren Schichte desselben Trümmerhaufens würden Stücke von Alabaster und Marmor entdeckt, die in einer der Muschel ganz ähnlichen Form zugehauen waren. Als die alten Sumerer keine Seemuscheln mehr fanden (infolge der zunehmenden Austrocknung des Landes), ahmten sie sie in Stein nach, und noch später begannen sie das Innere der Steinlampe mit Ornamenten zu verzieren, versahen sie mit einem Loch in der Ecke für den Docht und gaben ihr noch später eine runde Form. Als dann die Kunst des Brennens von Ton bekannt, wurde, da nahm die Lampe die Gestalt an, die noch lange nachher von den G r i e c h e n und K ö m e r n aufgenommen wurde. Auch das Bauen mit Ziegelsteinen, das wir heute als eine selbstverständliche Voraussetzung der Kultur ansehen, wurde von den Sumerern allmählich ersonnen und erlernt. In einer tausendjährigen langsamen Entwicklung kamen sie auf unsere Ziegel. Das erste und wichtigste Moment hiebei ereignete sich, als irgend ein unbekannter Wilder, der die Asche des Lager Feuers nach noch nicht erloschenen Funken umwühlte, die Entdeckung machte, daß der nasse Lehm da, wo das Feuer gebrannt hatte, trocken und hart wie Stein war. Seine Nachkommen lernten dann langsam, den Ton zu brennen. Die ersten Ziegel, die gemacht wurden, waren auf der einen Seite flach und hatten auf der anderen Seite eine rund sich heraushebende stielartige Erhöhung; das kam daher, daß auf der Fläche, auf der der weiche Lehm zum Trocknen hingelegt wurde, der Ton glatt war, während an der oberen Fläche die Masse von der Mitte nach den Seiten hinab« lief und dadurch der Ziegel in der Mitte höher wurde. In Bismya und anderen babylonischen Ruinen sind solche frühen Ziegel aus der Zeit von etwa 4500 v. Chr. gefunden I worden. Die Töpferscheibe war, obwohl sie; eine uralte Vergangenheit hat, in diesem 1 Frührot der Geschichte noch unbekannt. Es I sind in Bismya Fragmente von Töpfergegenj ständen gefunden worden, die gemacht waren, j bevor die Scheibe in Anwendung kam, und j andere Stücke wurden ausgegraben aus einer | Zeit, als die Sumerer gerade anfingen, ihre j Töpfe und Gefäße nicht mehr mit den Fingern | aus dem Ton zu formen. Die erste Töpfer- I Scheibe war ein flacher Stein, auf welchen! der Ton gelegt wurde. Der Ton wurde | hauptsächlich noch mit den Fingern geformt, i aber gelegentlich wurde der Stein gedreht, um ihm eine bessere Form zu geben. Der nächste Schritt war dann, daß mit dem Stein ein Drehzapfen verbunden wurde, aber erst lange nachher wurde der Töpferscheibe die endgültige Form gegeben. Die Entwicklung der Drehbank muß ähnlich vor sich gegangen sein; jedenfalls war die Drehbank in Babylon schon 6500 Jahre vor unserer Zeit bekannt, wie zahllose der aufgefundenen Zylinder und! gedrehten Steingefäße beweisen. Die vollj kommene Symmetrie der Formen zeigt an, | daß damals die Drehbank bereits in einer | hochentwickelten Form gehandhabt wurde,! ja selbst so harte Steine wie Lapislazuli und | Jaspis konnten verarbeitet werden. Auch die! Kugeln unserer Schießwaffen haben ihre Vorgänger; schon die alten Sumerer haben sie als Wurfgeschosse gegen Feinde und großes Wild viele Jahrtausende früher gebraucht, als : das Pulver erfunden wurde. Li den tiefsten Schichten der Trümmer von Bismya sind solche Wurfgeschosse gefunden worden, die; aus Stein oder Ton gebildet waren. Sehr verschieden in ihrer Größe waren sie bald; wie eine Nuß, bald wie ein großer Apfel; sie waren rund und viereckig, eiförmig oder; ganz unregelmäßig; sie wurden mit Schlingen \ gegen den Feind geschleudert. Auch Brief- I umschlage fanden sich, jedoch bestanden sie, | wie der Brief selbst, aus Ton. Um die mit i Keilschrift bedeckte Tontafel zu schützen, \ oder vor dem Blicke Neugieriger zu bewahren, i wurde sie mit einer dünnen Umhüllung von