Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Der Kulturwert der brachycephalen (turanischen) Rasse
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 2)
- Language
- German
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— 107 — Grundlagen des Rechtslebens der Thora vorweggenommen hätte, jubelte diese Gruppe über die Minderung des jüdischen Renommes: ihre Freude war aber von kurzer Dauer. Denn die Kritiker Delitzsch's wiesen bald nach, daß seine Behauptungen teils unrichtig,1) teils zu weitgehend waren. Von einer sklavischen Übernahme der Hammurabbikultur durch die Juden kann keine Rede sein. Daß sie aber teilweise auf babylonischer Grundlage weiter bauten, ist eine Erscheinung, die alle Kulturen, die modernen im aligemeinen und die deutsche im besonderen darbieten. Ich meine dies nicht im praegnanten Sinne, obwohl sich viel babylonisches Kulturgut auch noch heute in der modernen Kultur nachweisen läßt, sondern vielmehr in Ansehung der Methode. Die heutigen Kulturen sind vor Allem Erben des römischen und griechischen Gutes; ferner hat eine von der anderen, die deutsche Kultur von der französischen, die siavische von der Deutschen viel übernommen und gelernt. Hätte deshalb jemand den Mut, der deutschen Kultur die Originalität abzusprechen? Von diesem Gesetze ist aber auch die Hammurabbikultur nicht frei. Auch sie fußt auf einer anderen, auf einer älteren der Sumerer. Die Sumerer gehörten der brachycephalen Rasse an; und wir Juden, überwiegend dieser brachycephalen, alpinen Rasse angehörend, haben ein nicht nur wissenschaftliches Interesse, dem Anteil dieser *•) So behauptet Delitzsch in seiner apodiktischen Weise, daß „kein Zweifel möglich sein dürfte, daß wir die in der Sabbatbezw. Sonntagsrune beschlossene Segensfülle im letzten Grunde jenem alten Kulturvolk am Euphrat und Tigris verdanken." Dem gegenüber führt M e i n h o 1 d (Bonn) den Nachweis, daß das babylonische „schabattu" den Vollmondstag bedeutet, und nichts mit Büß-, Bet- oder Ruhetag zu tun hat, noch weniger mit einem wöchentlichen Abschnitt. Vielmehr war, wie dem Acker alle sieben Jahre ein Brachjahr, so dem AcKerknecht in Palästina jeden siebenten Tag ein Ruhetag während der Erntezeit vergönnt. Die Ver- Schmelzung des das ganze jähr durchlaufenden Vollmondtages, der nach Auffassung des judischen Volkes ein Feiertag Jahve's war, mit diesem je siebenten Ruhetag führte dazu, daß Israel einen durch das ganze Jahr laufenden, Sabbat benannten Tag erhielt. ,,Der Sabbat, die siebentägige Woche ist weder aus Babylonien noch aus Altisrael gekommen. Er ist ein Geschenk des (Ezechiel'schen) Judentums.li Rasse an der Entstehung der menschlichen Kultur nachzugehen. Denn mit den Werken der Sumerer, der ihnen rasseverwandten Hethiter, Chaldäer und Elamiten beginnt die prähistorische Zeit von der historischen sich zu scheiden. Die Thesen Friedrichs Delitzsch's erfahren also eine weitere Einschränkung, da, wenn auch nicht die jüdische Nation, so doch die Rasse der Juden an der Geburtsstätte unserer menschlichen Kultur steht. S u m e r e r. Die Sumerer sind die Erfinder der Keilschrift und rechnerisch hochbegabt. Sie hatten ein Sexagesimalsystem, in dem es Zeichen für 1 bis 10, aber keine Null gibt; Mmtiplikations-undDivisionstabellen, Tabellen der Quadrat- und Kubikzahlen sind ausgegraben worden; aber auch künstlerisch waren sie begabt, wie ein HOOG Jahre altes Relief, darstellend den Triumpf dss Königs Naram-Sin, beweist. Das gemeinsame Arbeiten im Feldbau und im Verkehr bedingte vom Anbeginn an die Notwendigkeit strengster Ordnung; vor allein wurde den Kanälen, die das Wasser führten, die sorgfältigste Beobachtung gewidmet. Schon im dritten Jahrtausend v. Chr. rinden wir in Babylonien | Silbergeld und Gold als Zahlungsmittel. In eine noch frühere Peri ode der sumerisch en Kultur führen uns die Ausgrabungen E dga r J a m e s B a n k s' in Zentral babylonien, und zwar in Bismya und Tello. Er führt uns in die Zeit Königs Davids, der um 4500 v. Chr. zu Adab, auf dessen Ruinen Bismya liegt, regierte; dieser sumerische König führte also einen semitischen Namen, was darauf hinweist, daß schon damals semitische Einflüsse sich merkbar machten. Daß aber David kein Semit war, werde ich später ausführen. In den Trümmern Adabs wurden Muschelschalen ans Licht gezogen, von denen ein Teil abgeschnitten war, so daß sie eine Schüssel bildeten. Eine solche Muschelschale war die! Lampe der primitiven Menschen; in ihr haben j die Sumerer vor mehr als 6000 Jahren ihr | Rinderfett oder Olivenöl entzündet, indem sie! das Ende eines roh gedrehten Dochtes aus i Fasern hineinsteckteo, es durch die Öffnung