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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 84

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Welcher Rasse gehörte Jesus an?
Date
1909-06-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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-• 84 — liclien Palästina also, zur höheren Ehre des Stifters der christlichen Religion krampfhaft ein „arisches" Milieu schaffen wollen, sehr gekünstelt aus. Wenn wir in die Diskussion eintreten, müssen wir uns vor allem darüber einigen, was unter dem Worte „Arisch" zu verstehen ist. Arisch ist der Ausdruck einer Sprachverwandtschaft, die aber mit Rassenverwandtschaft oder Gleichheit nichts zu tun hat. Arische Sprachen werden sowohl von Völkern der nordischen Rasse, als auch von Völkern der alpinen und mittelländischen Rasse, aber auch von Völkern mit brauner bis schwarzer j Hautfarbe gesprochen, so in Indien. Die Anhänger des arischen Chauvenismus begehen aber folgende Täuschung. Einmal verstehen sie unter arisch die Eigenschaften der nor- \ dischen (blonden, blauäugigen) Rasse. Da j aber dann sehr viele Genies und Kulturvölker j nicht unter diesen Begriff fallen, so z. B. eben dieser vorderasiatische Kulturkreis, gebrauchen sie bei anderer Gelegenheit das Wort „Arisch" im philologischem Sinne. In diesem Sinne fiele allerdings der eine Teil, der speziell hethitische unter diesen Begriff; denn die hethitische Sprache ist nach Jensen in die alarodische Gruppe zu stellen, und eine Verwandte der armenischen. Es ist aber nicht angängig, die Sprache als Kriterium derRassenangehörigkeit zu verwenden. Die Völker nehmen im Laufe der Geschichte oft ganz von einander verschiedene Sprachen an; aber ihre Rasse bewahren sie mit großer Zähigkeit. Wir müssen also die Hethiter, so wie die Hebräer als Angehörige der alpinen Rasse bezeichnen, nicht etwa die ersteren als Arier, die letzteren als Semiten, wenn auch beide an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten mit der mittelländischen Rasse einerseits, in stärkeren Grade, mit der nordischen im schwächeren Grade sich vermischten, ohne aber ihren Typus einzubüßen. Zwei Umstände werden hauptsächlich von den Chauvinisten des Ariertums ins Treffen geführt. Salomon schenkte einen Teil des nördlichen Distriktes dem Könige Hiram von Tyrus; dadurch wurde natürlich eine engere Verbindung zwischen den galiläischen Juden und den Einwohnern von Tyrus hergestellt. Dadurch kann aber nur ein Zustrom von mittelländischem (phönizisch-semitischen Blut erfolgt sein. Saigon und Tiglat Pileser haben ferner die eingeborene Bevölkerung teilweise weggeführt und Kolonisten angesiedelt. Wie aber die Namen ihrer Heimatsorte und Götter beweisen, waren die Kolonisten Semiten und Hethiter. (II. Könige 17, 24 u. 30, nach Hertz, „Moderne Rassentheorien"). Es ergeben sich also auf diesem Wege nicht die geringsten Anhaltspunkte für eine Rassenbeeinflussung im „arisch-nordischen^ Sinne. Eine solche Geschichtsklitterung verkennt einerseits die ethnographische Karte Vorderasiens, die, von den Amoritern abgesehen, kein arisches Volk der Rasse nach kennt, andererseits das Beharrungsvermögen der Rasse in ihrer Heimat. L u s c h a n hat konstatiert, daß durch die ganzen Jahrtausende der Geschichte in dem strittigen Gebiete die Breitschädel vorherrschend sind bis heute. Umgekehrt können wir daraus schließen, daß durch kriegerische oder politische Episoden der Rassencharakter dieser Landstriche nicht in einschneidender Weise gestört wurde. Ebenso falsch ist es, von einer „Graezisierung" durch Alexander und die Seleuziden zu sprechen. Vor allem ist es ganz willkürlich, die alten Griechen einfach als Arier, der Rasse nach, zu bezeichnen. Gerade die neuen Forschungen haben den hethitischen Charakter Kleinasiens, der sich auch auf die griechischen Inseln (Kreta!) erstreckte einerseits, andererseits die Existenz einer illyrischenmittelländischen Rasse im Pelopones nachgewiesen. (Vgl. William Ridgeway „Who were the Dorians"? Anthropological Essays presented to Edward Burnett Tylor, London 1907. Henry Trowde.) Die Achäer, als dritter Bestandteil werden als Söhne der nordischen angesehen. Man sieht, es ist mehr als kühn, die Griechen einfach iVrier zu setzen. Und angenommen, die Griechen wären reine Arier der Rasse nach gewesen. Eine Hellenisierung

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