Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Welcher Rasse gehörte Jesus an?
- Date
- 1909-06-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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— 85 — in Sprache, Sitten und Gebräuchen — und j auch die erstreckt sich naturgemäß nur auf | eine dünne, oberflächliche Schichte — be- I deutete so wenig eine Arisierung der Rasse, j wie die folgende Aramäisierung einfach eine \ Semitisierung der Rasse bedeutet. Wenn z. B. j heute in Ungarn tausende Deutsche sprachj lieh magyarisiert werden, so bedeutet das eine j nationale aber nicht eine physische, rassen- | mäßige Änderung. | Zudem stammt Jesus aus einem kleinen j Gebirgsorte der Tradition nach, nämlich aus | Nazareth; und gerade in solchen abgelegenen : Dörfern erhält sich die alte Rasse am im- \ versehrtesten. Heinrich Mosler schreibt in seinem \ Buche: Die jüdische Stammverschiedenheit \ (Leipzig, Verlag von Wilhelm Friedrich, 1884):! „Die überaus dunkle, noch nicht befriedigend gelöste Frage nach dem Verbleib der angeblich in Asien gebliebenen zehn Stämme können wir auf sich beruhen lassen, da die Überlieferung einesteils selbst eingesteht, daß auch einzelne Teile der übrigen Stämme (außer Juda, Levi und Benjamin) nnter Esra (vgl. Esra 1, 5) nach Palästina zurückgekehrt seien, andererseits aber die Überführung der Juden I aus Palästina kaum denkbar eine so radikale j gewesen sein kann, daß nicht einzelne Reste! noch der ehemaligen Stämme (außer den Samaritern, bei denen es ausdrücklich Überlieferung ist,) in Palästina zurückgeblieben wären (Vgl. auch Jerimias 39, 10). So können denn einzelne Reste, die auf Grund geschiehtj lieber Überlieferung, wie garnicht vorhanden j erscheinen dürften, auf die Dauer ihren Einj fluß doch wieder mehr oder minder bemeikj lieh machen. So ist es wohl zu erklären, wie j trotz des gewaltsamen Einschnitts, den das j babylonisch-assyrische Cecü in das bis dahin j getrennte Stammleben machte, noch nach j Jahrhunderten, aber auch erst nach Jahrj hunderten es wieder sich in etwa bemerklich j machte. — j Ich flechte hier ein, daß Galiläa die alten! .! Stammgebiete der jüdischen Stämme Issachar, j Sebuion, Naphtali und Asser umfaßt. Diese j werden in dem „Segen Jakobs", wie folgt, charakterisiert: Sebuion wird weilen an den Buchten des Meeres, an den Häfen der Schiffe seitlich hin selbst bis Sidon; indes Issachar wie ein dickfelliger Esel sich zwischen den Tränken hinstreckt, dieweil er sah, daß die Ruhe gut tue, und weidlich sei seine Weide; so bot er seine Schultern zum Lastdienst und blieb ein Pflichtiger Frohnknecht. Für Asser ist sein Brot fast überfett, und Feingebäck gibt er für Könige. Leichtsinniger Hirsch ist Naphtali und beut nur Schmuck der Rede. — Mosler fährt fort: „So zeigt z. B, das schnell emporblühende Kapharnaum (im Naphtali) sich als bis zum flunkerhaften rührig, auftretend, opulent, aber auch ruhmredig, schwatzhaft, leichtsinnig und unbeständig, also echt naphtalisch, (vgl. Matth. 11, 23; Mark. 1, 3b bis 37. 2, 1; Luk. 4, 32, 37, 40. 7, 5, 10, 15), während Nazareth (auf der Grenze zwischen Issachar und Sebuion gelegen) philisterhaft konservativ, ja dickfellig (vgl. Matth. 13, 54—58. Mark. 6, 1—6. Luk. 4, 16—29. Joh. 1, 46), also issacharisch erscheint. Sephoris endlich (im Gegensatze zu Nazareth mitten im Sebuion gelegen) zeigt echt sebulonische Eigenschaften. Ohne religiösen oder politischen Fanatismus, bis zur Indifferenz gemäßigt, kennt es keine anderen Interessen, als die des Großhandels und wird so die einzige Stadt in Galiläa, welche bei dem Aufstande der Juden im Jahre 66 n. Chr. eine kluge, römerfreundliche Politik befolgte. (Vgl, Jos. Leb. 8, 9, 22, 25, 45, 67, 71. Kr. I, 16 usw.). Ohne Mosler ganz zu folgen, führe ich diese Stelle an, weil Chamberlain auch psychologisch zwischen Juden und Galiläern unterscheidet. Wie schon erwähnt, war zu Christi Zeiten das Aramäische die allgemeine Umgangssprache. Zwar hielten sich die Sabbathlesungen an das Hebräische, aber das gewöhnliche Volk verstand wenig mehr davon und es wurde bald nötig, daß nach Ablesung der einzelnen Thorakapitel ein Dolmetsch auftrat, der das Gelesene aramäisch, und zwar in der den Juden am meisten geläufigen chaldäischen Mundart erklärte. Um die Zeit Christi fühlte