Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Welcher Rasse gehörte Jesus an?
- Date
- 1909-06-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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— 83 — lästina drei Gruppen zusammen: die baby-! Ionische, die ägyptische und die hethitische.! In diesem Teile Palästinas haben besonders j die Ausgrabungen Prof. Seilins aus Rostok j in Lachis und Jericho bahnbrechend gewirkt.! Die Kananiter trieben schon 2500 Jahre v. Chr. j einen lebhaften Handel mit den Phöniziern \ und dem griechischen Inselvolke; dies be- | weisen die von Sellin ausgegrabenen keraj mischen Gegenstände, die in der gleichen \ Ausführung wie in Palästina auch in Phöni- I i zien und auf Cypern gefunden wurden. In! der Kultur wog der babylonische Einfluß vor.! Dies erhellt aus vielen ausgegrabenen Tonj tafeln, die mit babylonischer Keilschrift bej deckt waren. Anderseits erinnern die ge- | waltigen Zyklopenmauern Jerichos an die | hethitischen Bauten von Boghazköi, der Hauptj Stadt des Hethiterlandes. j Mitten unter ihnen wohnten di e A m o r i t e n, '\ die als der blonden Rasse angehörig aufgefaßt \ werden, sie reichten nördlich aber nicht über j Jerusalem. j Schließlich, aber nicht in letzter Linie j müssen wir die Aramäer besprechen. Die j Aramäer waren ein von den babyionischen und I kananäischen Semiten unterschiedener semij tischer Yölkerstamm. der sich von der Mitte j des 2. Jahrtausends v. Chr. aus Arabien in das j kleinasiatische Kulturland ergoß. Im 14. und j 13. Jahrhundert hören wir von den Aramäern! aus Keilschriften: um 1100 müssen sie bereits j Damaskus, den Hauran und die Gebiete östlich vom Jordan vom Tiberiassee bis an den Hermon besetzt haben: die Bibel, wie die babylonisch-assyrischen Urkunden, wissen aus der Zeit Salomos und aus der Auflösung des David-Reiches viel von dem mächtigen Auaj mäerstaat mit der Hauptstadt Damaskus zu j erzählen, bis Tiglat-Pileser von Assyrien 732 j v. Chr. Damaskus unterwarf und um 710 der j syrisch-aramäische Staat assyrische Provinz \ wurde. Auch nach Assyrien und Babylonien vollzog sich eine aramäische Einwanderung, wobei es zu keinen größeren selbständigen j Staatenbildungen kam; die Aramäer dieser j Gegenden sind nach und nach in der babyj Ionischen Kultur aufgegangen. Aber in einer Beziehung siegten die besiegten Aramäer; schon seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts läßt sich in Assyrien der Gebrauch der aramäischen Konversationssprache an der Hand von Denkmälern konstatieren, sie verdrängt das Babylonische, dringt nach Palästina vor und überwindet das Hebräische, das allerdings von den Gebildeteren noch geschrieben und gesprochen wird. Die Juden der späteren Zeit standen ganz unter dem Einflüsse, der die ganze damalige vorderasiatische Kulturwelt beherrschenden aramäischen Sprache, in deren westlichen oder palästinensischen und östlichen oder babylonischen Dialekt die Literatur der späteren Juden abgefaßt ist: so die aramäischen Stücke des alten Testaments, die Talmudim, Targumim, Midraschim und die Apokryphen. Werfen wir nun einen Rückblick. Wenn wir eine Gerade vom südlichsten Punkte des kaspischen Meeres nach Jerusalem bis zum mittelländischen Meere ziehen, so scheiden wir ungefähr zwei Rassen von einander: die breitköpfige, alpine Rasse und die langköptige mittelländische Rasse. Aus der ersteren setzten setzten sich zusammen, die Hethiter, Elamiten und Chaldäer, aus letzterer die Babylonier (Assyrier), Kananäer und Aramäer. Jedoch brachte es die politische Geschichte dieses Erdteiles mit sich, daß Teile der einen Rasse in das Gebiet der anderen Rasse eindrangen, auf friedlichem oder kriegerischem Wege, und sich mit dieser vermischten. Diese Vermischungen ließen auch anthropologische Spuren zurück, jedoch nicht derartige, daß sie eine vollständige Amalyamierung beider Rassen erzeugen konnten. Gegenüber einer anthropologisch so scharf charakterisierten Masse und einer solch originalen Kultur, wie wir sie durch die Ausgrabungen1) kennen lernen, nehmen sich die Bemühungen jener, die in Galiläa, dem nörd- ]) Hierher gehören auch die Ausgrabungen de Mor* gans in Susa und die E4 J. Bank's in Bismya, die ich raummangels nicht näher beschreiben kann. Anmerkung des Autors.