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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Welcher Rasse gehörte Jesus an?
Date
1909-06-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 — jüdischen Gegner unzweifelhaft diesen Vori wurf nicht geschenkt. — Ich sage vielmehr: Vorausgesetzt, daß Jesus existiert hat, und daß er im Großen und Ganzen die Rolle auf j dem Schauplatze gespielt, wie es die Evanj gehen mitteilen, — für welche Rassenabstammung spricht die größte historische und et hno graphische Wahr sehein- 1 i c h k e i t:, nachdem eine endgütige Entj Scheidung bei dem Fehlen sicherer Nachrichten nicht möglich ist. Über das Äußere Christi hatten schon die Kirchenväter keine bestimmte Vorstellung. So schreibt Origenes j (etwa 200 Jahre nach Christi Tode) gegen j Celsus: „Wir können es nicht in Abrede j stellen, daß die Schrift von Jesus meldet, er sei von Gestalt häßlich gewesen, allein, daß er ein niedriges Aussehen gehabt habe, wie j Celsus hinzufügt, findet sich nirgends. Ebenj sowenig liest man irgendwo, daß er klein von j Person gewesen sei. Ich will die Stelle des \ Propheten Jesaias (Kap. r>3, 1—3) hersetzen, | worin geweissagt wird, daß Jesus mit keiner j besonderen Schönheit und imponierenden Ge-! stalt in der Welt erscheinen werde.u j Syrien ist in den assyrischen Inschriften I das Hethiterland, so nennt es auch j Josua in der Bibel. Dieses Volk, dessen An-; teil an der ersten Blüte der menschlichen j Kultur durch die neuen Ausgrabungen immer j deutlicher in die Erscheinung tritt, hatte wahrj scheinlich seine ursprüngliche Heimstätte an j der Küste des Meerbusens von Antiochia, am j Fuße des Taurusgebirges. Von dort zogen j sie gegen Norden und Westen, nach Klein, j asien, und dem Süden, nach Syrien und j Palästina.1) j In den Ruinen der Stadt Chuen-Aten (Oberj ägypten), heute Tell-el-Amama fand man im j Tahre 1888 Briefe in Keilschrift, die der ägyp- | tische Verwalter der palästinensischen Be- \ Sitzungen aus Lachis an den Pharao Amenoj phis III. schrieb, also in der Zeit 1500—1450 j 2) Vergl. auch: Dr. L. S o f e r , Armenier und Juden, j Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 1997, 5. v. Chr. In diesen Briefen wird erzählt, wie die Hethiter Palästina von Norden her, und die Habiri (Hebräer) von Osten her bedrängen. Wir können uns auf Grund dieser Briefe ein Bild der kulturellen u. anthropologischen Struktur Palästinas zur Zeit der Einwanderung der Juden machen. Im Norden und in der Mitte des Landes, Jerusalem inbegriffen, saßen dicht die Hethiter; sie bildeten eine Reihe lose zusammenhängender Teilfürstentümer, die zwar eine verhältnismäßig hohe Kultur aufwiesen, aber politisch so schwach waren, daß sie den Erobern, zuerst den Ägyptern unter Tutmosis (Thotmes III. 1504—1449) und dann den Hebräern erlagen. Anthropologisch waren die Hethiter Breitschädel, Angehörige der alpinen Passe, die Hebräer dagegen Langschädel, Semiten. Jedoch liegt kein Grund dafür vor, daß selbst die Hebräer reine Semiten im anthropologischen Sinne waren. Am Euphrat, wo wir uns die ursprünglichen Sitze der Hebräer denken müssen, saßen breitschädüge Völker (Hethiter, Elamiten, Akkado-Sumiren); auch die Chaldäer, die aus dem westlichen Kleinasien stammten, aus Lydien, und wahrscheinlich durch die Stoßwirkung thrakiseher Einwanderer aus ihrer Heimat vertrieben wurden1), müssen wir uns als Teile derselben Rasse denken. Die Assyrer dagegen zeigten mehr den semitischen Typus. Die Hebräer hatten also schon auf ihrer Wanderung aus der Heimat, vor ihrer Ankunft in Palästina brachycephale (breitköpfige) Elemente in sich aufgenommen; so erklärt es' sich umso mehr daß schließlich der brachycephale Typus als der herrschende unter den Juden sich erwies und den semitischen immer mehr verdrängte. Der Süden Palästinas wurde von Völkern bewohnt, den Kananitern, die anthropologisch dem semitischen Kreise angehörten. Der Einfluß des benachbarten Ägypten änderte nichts daran, da wir heute annehmen, daß auch die alten Ägypter der mittelländischen Rasse angehörten, von der auch die Semiten einen Teil bilden, Kulturell stießen im südlichen Pa- Hans Virchow : Mitteilungen zur alten Geschichte Armeniens und Mesopotamiens.

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