Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Zur Statistik der Kriminalität der Juden
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 73 (sequence 4)
- Language
- German
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— 73 — den sogenannten Ariern trennende Eigen-; schaffen haben, die nicht dnrch Zwangs-; verha1tnis s e a u s g e d rüc k t w erden k Ü n n e n , ob — unwissenschaftlich ausgedrückt — das aus der Wiege gehobene gali_ zisclie Judenkind, welches mit einem aus einer steierischen Alpenhütte genommenen Säugling vertauscht wurde, später Stammeseigen Schäften — von physischen abgesehen — manifestiert. Die Eassenverschiedenlieit müßte im Falle des Zutretfens sich ebenso bemerkbar machen, wie zwischen den vertauschten Jungen eines Wolfshundes und eines Seidenpintschers, oder die Rassenverycl.iierlenh.eit endet eben beim Typus .-Mensch", beziehungsweise bei den Europa bevölkernden Mischrassen. VomRasseri- Standpunkte würde man auch sonst zu ganz merkwürdigen kriminalstatistischeu Erhebungen gelangen. Bedenkt man, daß nicht nur nach dem Stande cer Wissenschaft, sondern noch mehr nach der tatsächlichen Wahrnehmung das Individuum fast immer nur ' einem der beiden Eitcinteile — noch mehr im Wesen, wie in der Gestalt — gleicht, so müßte man, ohne der Moral einer Bevölkerung, die in Osterrreich stellenweise bis zu 50 % uneheliche Kinder produziert, nahezutreten, zu ganz sonderbaren Schlüssen kommen. Wie viel magyarisches Rassenblut mag sich in der heutigen Generation der Lombardei, schon dadurch allein befinden, daß durch ein halbes Jahrtausend lang ungarische Regimenter dort garnisonierten, wie viel fremdes Blut mag \ wohl in den jüdischen Proietarierkindern Galiziens sein, dessen Militärbelag aus Regimentern bayerischen, slavischen, magyari- sehen und italienischen Volksstammes seit; einem Jahrhundert zusammengesetzt ist? Wie viele im Wiener Findelhause geborene Kinder mögen wohl später als bodenständige ehrist liehsoziale Bauern oder als antisemitische Volksredner „bayerischen Volksstammes:i vor; uns einherziehen, trotzdem sie einem semitischen Vater das Leben verdanken und das : naturgetreue Bild seiner Einzelzelle sind? So ist alles eitel Dunst, wenn man sich auf das : Gebiet Rasse begibt; vom anthropologischen i Standpunkte ist kriminalstatistisch überhaupt damit nichts anzufangen. Die These: „Nicht jeder Jude ist Israelit, aber jeder Israelit ist Jude*, wie dies auch von jüdischer Seite wiederholt behaupte! wird, ist so unrichtig, wie die Anschauung Hoegehs, daß „bei den Juden das Religionsbekenntnis der einzige Anhaltspunkt ist, den Volksstamm zu erfassen;:. Mehr wie einer firmiert bei Gericht als Christ und gehört dem semitischen Volksstamme voll und ganz an. Man denke an die Lausende, die lediglich im Laufe der während der letzten 30 Jahre währenden antisemitischen Bewegung zum Christentum übergetretenen Juden und deren Deszendenz; man denke an die Zeiten nach den Befreiungskriegen, in welchen u. a. fast die Hälfte der Berliner jüdischen Gemeinde übertrat. Auch von den in Wien zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ansässigen jüdischen Familien ist kaum eine einzige beim Judentum geblieben. Die Taufen in Wien innerhalb der letzten HO Jahre (durchschnittlich 500 per Jahr allein machen ohne Deszendenz zirka 15 (.100 Personen aus. Wer heute „Religionszugehörigkeit" mit Volksstammu in Einklang bringt, hält sich und die anderen ebenso zum Besten, wie derjenige, der eine Landeskriminalität aus dem Sträflingsstande einer Strafanstalt ohne Berücksichtigung der Einlief ei'ungs Vorschriften erheben wollte. Dazu kommt, daß gerade bei den großen Massen osteuropäischer Juden, d. s. die littauischen und weißrussischen Juden, die heute infolge des russischen Ansiedelungsgesetzes auf Kongreßpolen und das östliche Xaehbargalizien sich aufgeteilt haben, zweifellos nicht semitischen Ursprungs, sondern Chazaren sind, von denen seinerzeit ganze Volksstämme zum Judentum übertraten. Man braucht nur jüdische Rekruten aus Ostgalizien anzuseilen, um die Richtigkeit zu erkennen. Daß die Kriminalität der Juden, besonders in Osterreich, eine spezielle Färbung haben m u ß . sollte nicht erst betont werden. Nicht genug sollte man sich daher gegen Tendenzen verwahren, welche den Antisemitismus dadurch