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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Zur Statistik der Kriminalität der Juden
Date
1909-05-01
Page
Seite 72 (sequence 3)
Language
German
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— 72 — bis vor einem Menschenalter durch ein halbes I Jahrtausend von jedem ehrbaren Berufe und j Erwerb ferngehalten, von jedem Realbesitz j ausgeschlossen waren, stehen in der überwiegenden Masse noch heute in ihrer Abgesondertheit und ihrer kulturellen Stufe viel tiefer, wie der heimische gaiizische Bauer, der wenigstens seine Hütte und ein winziges Stück Feld sein Eigen nennt und dadurch nebst kleiner Hausindustrie seinen und seiner Familie Unterhalt notdürftig befriedigen kann. Nur die Form des niedersten Zwischenhandels — soweit dieser noch frei ist, — kommt für die große Masse des jüdischen Proletariats in Betracht, welche durch langjährigen Druck auch für physische Arbeit, soweit sie ihr überhaupt zugänglich, kaum fähig ist. Sind j nun die Verhältnisse zwischen einer lediglich i Handel treibenden Bevölkerung und dem j Bauernbeziehungsweise Landarbeiterstand \ an und für sich unvergleichbar, so sind sie | bei der quasi vogelfreien jüdischen Bettler j masse Galiziens grundverschieden von der j dortigen christlichen, hauptsächlich agrikolen,; Bevölkerung. Das kriminelle Gesamtbild der | österreichischen Juden muß also schon durch 1 die galizischen Verhältnisse vollkommen bej einfiußt werden. Dieses Bild erfährt noch eine weitere Verschiebung, und zwar durch; die Anziehung, welche die Großstädte infolge j der dort vorhandenen reichlicheren Arbeitsi gelegenheit auf das jüdische, heimats- und berufslose gaiizische Proletariat ausüben. An; Großstädten haben wir nun in der Monarchie ' nur eine einzige — Wien —, welche heute \ tatsächlich schon ein jüdisches ..Galizien in j Wien" beherbergt, außerdem aber noch durch j seine unmittelbar an der Pforte Ungam's be- \ findliche Lage die von dort zuströmenden j (im vorwiegend agrikolen Ungarn schwerer j Erwerb findenden) jüdischen Elemente! — Hoegel weist ja auch darauf hin, — uni aufhöiiich anzieht. Das kriminelle Bild der ■ Juden Galiziens — verstärkt durch die ziem-; lieh adäquate ungarisch-jüdische Zuwanderung — muß sich also quasi per delegationem in Wien naturgetreu wiederspiegeln und somit das kriminelle Bild der indigenen jüdischen Bevölkerung vollkommen — und wahrlich nicht zum Guten — beeinflussen. Ein halbwegs richtiges Bild der kulturellen Verhältnisse einer nicht fluktuierenden, mehr oder minder autochthonen jüdischen Bevölkerung könnte — wenn überhaupt — nur durch Ausschluß dieser beiden Gebiete geschaffen werden. Es müßten also die anderen Kronländer der Monarchie (außer Niederösterreich und Galizien^ herangezogen werden. Da die Alpenländer und Dalmatien angesichts der geringen dort seßhaften jüdischen Bevölkerung überhaupt nicht in Betracht kommen, blieben also nur Böhmen, in zweiter Reihe Mähren (Schlesien gibt wegen der Nähe Galiziens und der dort fluktuierenden galizisch-jüdischen Bevölkerung auch kein richtiges Bild) übrig. In Böhmen trifft der Umstand zu, dass sich dort nur eine größere Stadt — Prag — befindet, wohin nur unbedeutend mehr Zuzug wie in die anderen böhmischen Städte von außerhalb Böhmens wohnenden Juden — speziell galizischen Juden — stattfindet. Auch ist das Vergleichsgebiet insofern ein richtigeres, als in Böhmen eine seit längerer Zeit ansässige autochthone Judenschaft sich befindet, von welcher ein — wenn auch nur kleiner — Teil durch Ansässigkeitsdauer und die Landesstruktur bedingt, im Ackerbau tätig ist. Das Gesamtbild der jüdischen Kriminalität in Österreich muß auf alle Fälle infolge der zwei erwähnten Gebiete: Galizien und ..Galizien in Wien" zu einem falschen, die kulturelle Stufe der Juden erheblich verzeichnenden sich gestalten. Die Aufteilung auf die einzelnen Provinzen ist unbedingt geboten. Selbst dann wäre es noch lange nicht richtig und kulturell kaum verwertbar. Auf die Bezeichnung „Volksstamm" näher einzugehen, und zu ergründen, ob überhaupt diese Bezeichnung im Sinne des Rassen begriffes aufrecht erhalten werden kann, wäre wohl verlockend, doch ist hier nicht der Ort ciafür. Biologisch wäre die Frage erschöpft, wenn sie dahin beantwortet werden könnte, ob die sogenannten semitischen Juden von

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