Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Zur Statistik der Kriminalität der Juden
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 2)
- Language
- German
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— 71 — biete der Statistik halbwegs Bewanderte zustimmen: niemand wird Hoegel widersprechen, wenn er sagt, daß „die Kriminalsta'istik von ihrem Anbeginne an eine unaus-; gesetzte Quelle von Irrtümern bildet" (a. a. 0. I pag. 345). Trotz dieses berechtigten. Skeptizismus stelllt aber meines Dafürhaltens Hoegel selbst „der Statistik eine unmögliche Aufgabe", die eben j „unzweifelhaft falsche Ergebnisse" liefern; müßte. Er wünscht nämlich, (Zeitschrift für | die gesamte Strafrechtswissenschaft, Band XXV. j pag. 895), daß ..die amtliche Statistik die j Straffälligkeit der Juden einer besonderen j Bearbeitung unterziehen sollte", indem er hinj zufügt, „daß es überhaupt ein Mangel sei, i daß die Stiaffäiligkeit der einzelnen Volks- | Stämme nur auf Umwegen ermittelt werden j kann, obgleich diese Erhebungen einem j ethnologischen Interesse dienen würden und j gewiß keine Spitze gegen einen bestimmten | Volksstamm hätten". I Zur Klarstellung möchte ich vor allem be-; tonen, daß gerade von jüdischer Seite die von Hoegel gewünschten Erhebungen lebhaft unterstützt werden sollten. Vor allem : aus dem Grunde, weil eine Ablehnung so ge-; deutet werden könnte, als ob sie im Hinblicke auf eine oder die andere, für die Juden un-; angenehme, Feststellung von diesen nicht ge-! wünscht würde. Was immer dabei heraus- : kommen mag, ist vollkommen gl eich giltig, \ gieichgiitig auch, daß gerade diesen Ziffern wissenschaftlich tendenziöse Beleuchtung zweifellos zuteil werden wird. Die Haupt- | sache ist, daß die Erhebungen die Verhältnisse I richtig wiedergeben. Dies glaube ich als \ Skeptiker gegenüber allen Ergebnissen der; Statistik aber bezweifeln zu müssen. j Bevor ich die Berechtigung dieses Zweifels; zu begründen versuche, sei eine Bemerkung \ verstattet. „Es ist selbstverständlich", meint; Hoegel, ..daß Erhebungen dieser Art mit : voller Unbefangenheit und ohne subjektive; Empfindlichkeit veranstaltet werden müssten". Es ist dies so „selbstverständlich", daß diese \ ausdrückliche Erwähnung auffallen muß, umj somehr als sie unmittelbar dem Abschnitte über Kriminalstatistik der „Volksstämme" vorausgeht, von welchen Hoegel — abgesehen von einem allgemeinen statistischen Hinweis (IX, 404) — nur die Juden erwähnt beziehungsweise sich nur mit Schlußfolgerungen eingehender befaßt, welche einige Kriminalstatistiker jüdischen Volksstammes aus dessen Kriminaiitätsziffern gezogen haben. Ho ege Vs Bemerkung über mangelnde „volle Unbefangenheit" muß daher so gedeutet werden, als ob sie sich gerade gegen die von einigen Statistikern jüdischen Volksstammes in causa propria erhobenen Schlußfolgerungen richtet, mit welchen Hoegel nicht einverstanden ist. Hoegel würde sich gewiß dagegen verwahren, wenn man etwa seine Kritik des Wilddiebstahls beim „bayerischen Volksstamme" bezweifeln wollte, weil Hoegel selbst diesem Stamme angehört. Gegen Hoegel's sachliche, m. E. treffende Kritik mancher Schlußfolgerungen Lindenaus, Herz's und Wassermann's läßt sich kaum etwas einwenden. Auch v. Liszt — („Das Problem der Kriminalität der Juden") — meint, daß Wassermann „das Problem nicht gelöst, sondern erst gestellt habe". Was nun den von mir beregten Zweifel 'hinsichtlich der Verläßlichkeit und des Wertes statistischer Erhebungen über die Kriminalität der Juden, speziell in Österreich, anbelangt, so hege ich den Zweifel schon deshalb, weil die unsinnige Qualifikation von Verbrechen und Vergehen (Tierseuchengesetz), andererseits der statistische Wegfall oft der bedeutungsvollen Übertretungen (galiziscbes Trunkenheitsgesetz) irreführend wirkt, so daß das richtige kulturelle Bild — sei es zum Guten oder Schlechten — gefälscht wird. Zumal bei den österreichischen Juden, von denen 74% in Galizien wohnen. Von diesen Juden Galiziens leben nun 75% nicht nur in tiefstem Elend und Unwissenheit, sondern tatsächlich noch im Ghetto. Diese 600 000—700 000 professionslose Bettler — „Luftmenschen" nennt sie ein Kulturschilderer Galiziens, da sie nicht wissen, wovon sie am folgenden Tage leben —, welche