Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Preußen im Jahre 1907 mit Rückblicken auf die früheren Jahre
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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— 67 - Prozentual aber ist seit 1903 ein ständiges Steigen zu beobachten. Während man im allgemeinen die größere oder geringere Quote von unehelichen Geburten nicht schlechtweg als Maßstab für die größere oder geringere Moralität eines Volkes benutzen darf, da ja wirtschaftliche und selbst politische Zustände von größtem Einfluß auf die uneheliche Fruchtbarkeit sind, so dürfte doch bei den Juden in dem allmählichen Ansteigen der unehelichen Quote ein Nachlassen der alten Sittenstrenge, vor allem eine Lockerung des viel gerühmten jüdischen Familienlebens zu beobachten sein. In dem Berichtsjahre war der Prozentsatz auf 4,22 gestiegen. Im Jahre 1900 betrug er noch 3,35. Er hat also in den Jahren eine Zunahme von 25,97 % erfahren. Bei den Christen ist vom Jahre 1903 ab ein ständiges Steigen wahrzunehmen. Im großen und ganzen aber ist die Quote der Unehelichen bei ihnen während der ganzen Dauer der von uns betrachteten Periode konstant geblieben. Die Zahl der Kinder aus Mischehen ist in dem Berichtsjahr etwas zurückgegangen. Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Fruchtbarkeit der reinen und Mischehen werden wir noch kurz darauf zurückkommen. Über die Vitalität der Geborenen gibt Tabelle IV Auskunft. Der Prozentsatz der Tot_ Tabelle IV. Die Totgeborenen machten aus bei den Geborenen aus Jahr 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 3,03 3,03 2,99 316 2,97 2,90 2,90 2,86 2,44 3,06 2,93 2,82 2,79 2,86 2,88 3,21 o S 2,66 2.88 2,56 3,93 4,62 4,69 3,35 4,00 2,29 4,57 2,37 2,28 133 2,59 2,13 2,66 4,43 4,33 4,47 4,51 4,51 4,26 4,31 4,37; w »-; « <u f -a tj 4,94 5,61 5,16 2,72 3,72 3,34 5,56 2,58 geborenen ist in den jüdischen Ehen im Jahre 1907 von 2,88 auf 3,21, demnach sehr beträchtlich gestiegen. Es hängt dies damit zusammen, daß die absolute Zahl der jüdischen Geburten abgenommen, die der Totgeborenen dagegen etwas zugenommen hat. Auch bei den Mischehen zeigt sich eine Zunahme, dagegen ist die Quote der Totgeborenen bei den unehelichen Kindern,die voneinerjüdischenMutter stammen, auf die Hälfte gesunken. Bei den Christen bessert sich die Vitalität langsam, aber stetig. Ein Vergleich der Quoten in zeitlicher Entwicklung dürfte zu dem Ergebnis führen, daß die Vitalität in rein jüdischen Ehen etwas günstiger ist als in rein christlichen Ehen. Dieselbe Beobachtung machen wir bei einem Vergleich zwischen den Mischehen mit jüdischem und christlichem Mann und zwischen den unehelichen Kindern von jüdischer Mutter und christlicher Mutter. Diese Tatsache dürfte zurückzuführen sein auf die größere Schonung, welche der jüdische Ehemann seiner Frau während der Schwangerschaft angedeihen läßt. Es kommt aber hierin nicht nur die sozial bessere Stellung der Juden zum Ausdruck, sondern, da wir die Erscheinung auch bei den schlechter gestellten jüdischen Klassen wahrnehmen, die Wertschätzung, welche die Frau bei den Juden genießt. Die Zahl der rein jüdischen Ehen ist im Berichtsjahre ebenso groß gewesen, wie im Jahre 1906. Die Ehelust war am geringsten im Jahre 1903. Es betrug damals die Anzahl der rein jüdischen Ehen nur 2 530. Einen erheblichen Tiefstand wies das Jahr 1905 auf. Betrachtet man die Zubezw. Abnahme der Eheschließungen als Maßstab für die günstige bezw. ungünstige wirtschaftliche Lage eines Volkes, so kann man aus der Zunahme der Eheschließungen bei den Juden im Jahre 1906 und der Konstanz im Jahre 1907 den Schluß ziehen, daß ihre ökonomischen Verhältnisse in dem er st er en Jahre günstiger geworden sind, im letzteren durch den Rückschlag der Konjunktur nicht zu sehr betroffen worden sind. Im Gegensatz hierzu nehmen wir einen starken Rückgang der rein christlichen Ehen wahr. Es prägt sich hierin das Sinken der Konjunktur in dem Berichtsjahre aus. Zugenommen haben auch in diesem Jahre die M i s c h e h e n, und unter ihnen vor allem jene,