Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Preußen im Jahre 1907 mit Rückblicken auf die früheren Jahre
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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— 68 — Tabelle V. Es wurden geschlossen Es heirateten einen chrisil. Ehegatten im Jahre rein christliche Ehen rein jüdische Ehen Mischehen Mischehen von je 100 heiratenden;Mann Christi. Mann jüd. Frau jüdisch Frau christl. in % der rein jüdischen Ehen männtichen < Juden i Jüdinnen Juden und Jüdinnen 1900 29C030 2550! 235 239 18,58 8,53 8.41 8,47 1901 285754 2570! 212 243 17,70 8,63 7,62 8,12 1902 278486 2578 'S 226 242 18,15 8,58 8,05 8,32 1903 282361 2530! 225 268 19,49 9,58 8,17 8,88 1904 291548 2602 i 260 322 22,37 11,01 9,08 10,06 1905 299988 2592! 266 346 23,61 11.78 9,31 10,56 1906 306867 , 2739 | 316 H22 23,29 10;52 10,34 10,43 1907 280123! 2742 l! 319 384 25.63 12J28 10,45 11,36 in denen der Mann Jude ist. Über die Gründe für die von Jahr zu Jahr steigende Zunahme der Mischehen und ihre Bedeutung für das Judentum ist bereits soviel gesehrieben worden, daß ich es mir ersparen darf, näher darauf einzugehen; ich möchte nur darauf hinweisen, daß namentlich bei den jüdischen Männern sich in immer stärkerem Maße die Tendenz zur Mischehe zeigt, und als letzte Ursache den Zug der Juden in die Großstadt nennen. Während hier einerseits das Festhalten an dem jüdischen Religionsgesetz, welches die Mischehen streng verbietet, gelockert wurde? ist andererseits die Reibungsfläche zwischen den einzelnen Konfessionen größer geworden und der Vermischungsprozeß geht infolgedessen mit raschen Schritten vorwärts. Im Zusammenhang mit den Eheschließungen wollen wir die Fruchtbarkeit der reinen und Mischehen kurz betrachten.1) Hierüber gibt uns Tabelle VI näheren Aufschluß. Sie zeigt uns die interessante Tatsache, daß bei den Juden in Preußen das ,,Zweikindersystem" in ausgeprägter Weise herrscht. Vom bevölkerungspolitischen Standpunkt aus betrachtet, gibt diese Erscheinung für die Juden zu ernsten Erwägungen Anlaß. Sie erklärt zur Genüge die geringe Zunahme der preußischen Juden und den prozentualen Rückgang unter der Gesamtbevölkerung. Es ist hohe Zeit, daß bei den Juden die Erx) Die im folgenden angewandte Methode der Fruchtbarkeitsmessung ist nicht ganz korrekt, aber die einzig mögliche. Es müßten nämlich die Geburten durch die Anzahl der stehenden Ehen dividiert werden. kenntnis durchdringt, daß die Erhaltung der jüdischen Gesamtheit höher steht als der steigende Wohlstand des Einzelnen. Tabelle VI. Es trafen Kinder auf eine \m rein rein Mischehe im Jahre christliche j jüdische Mann christl.';Mann jüdisch Ehe Ehe Frau jüdisch;Frau christl. 1900 4,07 : 2,83 \ 1,39; 1,45 1901 4,19 1 2,80 2,82! 1.80 153 1902 4,29 :! 1,55 : 1,35 1903 4,16! 2,70! 1,47 : 1,14 1904 4,13 : 2,65 i 1,41! 1,16 1905 3.93 2,60! 1,44 1,11 1906 3:.93; 2.57! 1,31 1,19 1907 4,25 2,42 1 1,25 \ 0,99 Noch weit geringer ist die Fruchtbarkeit der Mischehen, und hier zeigt sich abermals ein interessanter Unterschied zwischen den Mischehen mit jüdischem und christlichem Mann. In ersteren ist die an sich schon niedrige Fruchtbarkeit noch unbedeutender. Im Jahre 1907 gab es sogar eine Anzahl kinderloser Ehen. Während die Fruchtbarkeit bei den Christen schwankt, ist sie bei den Juden in ständiger Abnahme begriffen. Ein ebenso unerfreuliches Bild gibt :die Betrachtung der Sterblichkeit im Berichtsjahr. Es ist zwar in dem Berichtsjahr die Anzahl der Sterbefälle bei den Juden nur um ein weniges gestiegen; wenn wir jedoch das Sinken der Geburtenrate betrachten, so müssen wir immerhin sagen, daß im Jahre 1907 die Sterblichkeit relativ stark zugenommen hat. Es hängt