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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-03-01 · Heft 3 (März 1909) · p. Seite 37

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 3 (März 1909)
Article
Die ausländischen Juden in München
Date
1909-03-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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— 37 — aufbaus der jüdischen Bevölkerung in München j mußte sich notwendigerweise die normale i Geburtenziffer in eine anormale verwandeln,; Als dritten Grund haben wir die Gestaltung; des Familienstandes angeführt. Infolge des j knappen Raumes ist es unmöglich, diese j wichtige soziale Unterscheidung sowohl bei j den Ausländern als bei der gesamten jüdischen Bevölkerung zu charakterisieren. Wir können nur erwähnen, daß die ortsgebürtigen mann- \ liehen Juden erst in unverhältnismäßig hohem; Alter heiraten, daß in der Altersklasse 16—30 j 96 % Ledige vorhanden sind. Die Folge dieses j späten Heiratens ist, daß sich die Ehedauer j abkürzt und daß infolgedessen die Anzahl | der Kinder, selbst, wenn keine künstliche j Beschränkung stattfindet, eine geringere ist, j als wenn früh geheiratet wird. Der Prozent- I satz der Ledigen ist von 1875—1905 von 40% j auf 45% gestiegen. Schuld daran ist auch j hier zum Teil die Einwanderung, denn unter i den Eingewanderten befindet sich ein sehr \ großer Teil Lediger. Diese drei gewisser- | maßen natürlichen Ursachen haben dazu! geführt, daß die Geburtenziffer herunterging,! ohne daß man von einem ungewöhnlichen j Nachlassen der Fruchtbarkeit zu reden be-! rechtigt ist. Dieselben Gründe, welche zum! Rückgang der Geburtenziffer geführt haben, i waren natürlich auch bei der Gestaltung der; Fruchtbarkeitsziffer von Einfluß. Die jüi dische Fruchtbarkeitsziffer ist von 221,27 %ö : auf 94,13 %0 gesunken. Nach den vorangegange- I nen Erörterungen kann uns dies nicht : überraschen. Man muß nämlich bei einer; Einwanderung wohl unterscheiden, ob sie; Binnenwanderung oder Einwanderung aus; dem Ausland ist. Bei einer Binnenwanderung j kann die Erscheinung eintreten, daß die \ Fruchtbarkeit gesteigert wird, indem haupt-! sächlich Leute beiderlei Geschlechts in \ zeugungsfähigem Alter einwandern, wie es in : den rheinisch-westfälischen Bezirken der Fall : ist. Bei einer Einwanderung aus dem Auslande j aber, zumal aus Galizien und Rußland, zeigt j sich die entgegengesetzte Erscheinung. Hier j heiratet man in jugendlichem Alter. Ein j großer Teil hat bereits zu Hause mehrere Kinder geboren, sodaß die Fruchtbarkeitsperiode der Frau, wenn sie hierher kommt, erheblich verringert ist, vor allem aber muß berücksichtigt werden, daß die Einwanderung stoßweise vor sich geht. Es war deshalb in den Jahren, weiche auf die Einwanderungsperiode folgten, die Fruchtbarkeit eine bedeutend größere als während der Periode selbst, z. B. in den Jahren 1901/02 steigt die Fruchtbarkeit auf 139 %0 und 121°/00, während sie in den Jahren 1904/05 auf 93,6 o;00 und 94,1%0 gesunken ist. Endlich darf man nicht außer acht laßen, daß auch bei den Ausländern eine rationalistischere Denkungsweise sich geltend macht. In dieser Beziehung tritt rasch eine Assimilierung ein. Die Zeit der steigenden Konjunktur, die seit Beginn der 80 er Jahre eine Zunahme der Eheschließungen und Abnahme der Geburten zur Folge hatte, war andererseits von einem Rückgang der Sterblichkeit begleitet. Die Hauptgründe dürften in den hygienischen Maßnahmen und Verbesserungen bestehen, welche das epidemische Auftreten von Krankheiten hintanhalten und in der durch die zunehmende Industrialisierung herbeigeführten Besserung der sozialen Verhältnisse der einzelnen Schichten der Bevölkerung. Die Sterblichkeitsziffer der Juden ist eine überaus niedrige und das ist angesichts der niedrigen Geburtenziffer der Juden auch notwendig, falls die jüdische Bevölkerung in den westeuropäischen Ländern nicht noch mehr zurückgehen soll, als sie im Verhältnis zur Entwicklung der Gesamtbevölkerung tatsächlich zurückgeht. Die jüdische Sterbeziffer betrug beispielsweise in Preußen 1898/1902 14,29 %0, in Bayern i. J. 1905 13,01 °/0o. Die jüdische Sterbeziffer in München ist ebenfalls sehr niedrig. Sie ist halb so groß als die der städtischen Bevölkerung im ganzen. Im Verlauf der 12 Jahre, während welcher wir Ausweise besitzen, hat sie geschwankt, ist aber im Verhältnis zu 1894 noch etwas herunter gegangen und steht jetzt auf 10,6 o/oq. Der Grund liegt vor allem in der

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