Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Die ausländischen Juden in München
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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— 35 — mähliche Älterwerden der ursprünglich verstärkten jüngeren Schichten eine Dauerverstärkung erfahren. Das Resultat ist ein zwiebelartiger Altersaufbau der Bevölkerung. Interessant ist es nun, zu beobachten — und war werden es bei der Münchner jüdischen Bevölkerung tun können —, wie aus einer stationären Bevölkerung allmählich eine Einwanderungsbevölkerung wird, diese Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht und dann ein Zustand der Sättigung eintritt, der sich dadurch charakterisiert, daß die im Alter von 15—30 und 30—50 Jahren stehenden Personen namentlich infolge der starken Zuwanderung des weiblichen Geschlechts eine gleichstarke Besetzung aufweisen. Im Jahre 1875 zeigt der Altersaufbau der Juden den Typus einer stationär seßhaften Bevölkerung. Der Aufbau war pyramidal. Am stärksten vertreten ist die Altersklasse 1—15, welche hauptsächlich die Schicht der ortsgebürtigen Kinder umfaßt. Schon schwächer besetzt ist die folgende Altersklasse 16—30, aber immer noch stark genug um erkennen zu lassen, daß hier eine Zuwanderung, wenn auch in geringem Maße, vorhanden ist. Auch noch im kommenden Jahrfünft bleibt dieser Zustand, wenn auch weniger, ausgeprägt. Aber schon im Jahre 1885 hat sich das Bild verändert. Die Gemeinde beginnt aus einer stationären den Charakter einergroßstädtischen anzunehmen. Diese Erscheinung setzt sich fort und erreicht ihren Höhepunkt im Jahre 1900, in welchem die Ausbauchung in den produktivsten Klassen die größte Ausdehnung erlangt hat. Von 1900 ab bis 1905 macht sich stärker die Tendenz geltend, den zu erreichen. Die zweite und dritte Altersklasse sind im Jahre 1905 j fast gleich stark vertreten. Wenn wir den j Verlauf der Entwiklung kurz zusammenfassen, j so können wir sagen: Die Münchner jüdische j Gemeinde ist allmählich aus einer stationären j zu einer das Gepräge der Einwanderung tragenden Großstadtgemeinde geworden und nähert sich in letzter Zeit dem Stadium einer ruhigen Entwicklung. — Tabelle VII. Geburten, Fruchtbarkeits- und Sterbeziffer der Mü n chener Juden. immer Sättigungszustand izlffer!fer rkeit ......... iffer Ffer Jahr Geburtei . Geb.-Zii K; jq JE o i 3 ttt. Sterbez N O XJ «— <U tn Stadt. Jüd Jüd. Stadl "C o 1875 1876 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 43,8 45,4 46,0 43,9 42,2 4C,6 40,2 39,1 37,1 37,1 35,1 35,6 35,2 35,3 36,7 36,9 38,2 36,6 36,7 35,9 36,0 36,5 36,7 36,4 36,7 37,0 37,6 36,4 34,4 33,1 3L3 31,70 27,06 20,5 25,9 23,8 24,2 25,7 17.1 25,7 17,9 17,1 14,9 15,7 14,2 16,5 17,4 17,3 17,8 16,4 15,7 16.2 16|4 15,5 15,4 13 3 20,1 18,3 15,8 15,0 15,8 221,7 222,8 188,2 141,0 180,5 166,1 168,8 179,4 119,5 179,2 125,5 119,o 104,8 110.6 100,0 117.3 124i0 124,3 129,1 119,6 115,8 119,4 119,0 111,4 109,5 93,9 139,3 121,7 102,0 93,6 941 23,6 25,8 22,7 24,3 24.2 2^8 25,1 22,2 21,4 20,7 20,5 21,1 12,4 11,3 13,5 8,9 11,5 11,4 12.1 11J5 12,2 11,5 9,1 10,6 Untersuchen wir im letzten Teil unserer Betrachtung den Einfluß, welchen die Einwanderung auf die natürlichen Bevölkerungsvorgänge, auf die G-eburten und Sterbefälle gehabt hat. Aus Tabelle 7 ersehen wir, daß sowohl bei der Gesamtbevölkerung als auch namentlich bei den Juden die Geburtenziffer im Laufe der letzten 30 Jahre sehr erheblich gesunken ist. Die allgemeine Geburtenziffer betrug im Jahie 1875 43,8°/005 im Jahre 1905 nur mehr 31,3 °/oo; sie ist also um 28,5 %0 gesunken. Bei den Juden betrug sie im Jahre 1875 31,7 %0, im Jahre 1905 nur noch 15,8 %0> d. h. die Hälfte. Sie ist noch viel niedriger