Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Die ausländischen Juden in München
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187664-3187668-3189956--2088-3189976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 34 — lande eine ausschlaggebende Rolle. Sie übt seit den letzten 20 Jahren den stärksten Einfluss aus auf die Entwicklungstendenz und auf die Gestaltung der inneren Verhältnisse der Juden Münchens. Diesem Zustrom hat die Münchner Gemeinde es zu verdanken, wenn sie mit dem Emporblühen der Gesamt- Bevölkerung gleichen Schritt zu halten vermochte. In Prozenten der Gesamtbevölkerung beträgt heute, d. h. 1905 die jüdische Bevölkerung 1,9. Hä tten wir keine Einwanderung aus dem Auslande, so wäre der Prozentsatz nur etwas über 1. Die Verteilung der Geschlechter ist ebenfalls stark durch die Einwanderung beeinflußt worden. "Während es eine allgemeine Erscheinung ist, daß in den größeren Städten das weibliche Geschlecht überwiegt und in München selbst ein sehr beträchtlicher Weib er Überschuß vorhanden ist, zeigt sich bei den Juden konstanter Männerüberschuß (Tab. 5). Im Jahre 1875 war das Verhältnis der Männer zu den Frauen wie 1000:810. Bis 1880 hatte es skh zugunsten des weiblichen Geschlechts verschoben. Von da ab jedoch bis 1900 ist von Jahrfünft zu Jahrfünft ein immer stärkerer Überschuß des männlichen Geschlechts zu beobachten. Im Jahre 1900 war der größte Männerüberschuß, indem auf 1000 männliche Personen 770 weibliche trafen, Von 1900 ab ist der Prozentsatz des weiblichen Geschlechts stark in die Höhe gegangen, so daß jetzt wiederum das Verhältnis wie 1890, nämlich 1000: 820 ist. Was ist der Grund, daß hier in München unter den Juden in so starkem Maße das männliche Geschlecht überwiegt? Außer einem allgemeinen Grunde für das Überwiegen des männlichen Geschlechts unter den Juden in den Städten — die eigentümliche berufliche Gliederung der Juden — kommt hier noch hinzu, daß ein großer Bestandteil der jüdischen Gemeinde aus dem Auslände stammt und bei einer Einwanderung aus dem Auslande überwiegt naturgemäß das weibliche Geschlecht. Ganz besonders macht sich die Einwanderung in der Gestaltung des Altersaufbaus der jüdischen Bevölkerung geltend. Bei der Tabelle VI Altersaufbau der gesamten jSd. Bevölkerung a) absolut Alterskiasse 1875 1880 1885 1S90 1895 1900 1905 1-15 1088 1308 1410 1560 1680 1899 2225 16—30 1085 1195 1434 1948 2503 2993 3173 31—50 817 1054 1321 1736 1959 2530 3034 51- 70 400 480 529 685 833 1089 1409 über 70 77 104 153 179 192 228 215 b) Relativzahlen. 1—15 35,13 31.59 29,07 25,54 23,45 21,73 22.13 16 30 29,59 28'8ü 29,59 31,89 34,93 34.25 31.55 31—50 22,28 25,45 27,26 28,42 27.34 28,95 30,17 51—70 10.91 11,59 lO.yl 11,22 n;eo 12,47 14,01 über 70 2,09 2,51 3,16 2,93 2,68 2,60 2,14 I Entwicklung der jüdischen Gemeinde Münchens j kommen zwei Typen des Altersaufbaus in | Betracht, und zwar der Typus einer stationären j und der einer ausgesprochen großstädtischen | Bevölkerung. Bei einer stationären, d. h. einer i solchen, die weder eine Zuwanderung noch I eine Abwanderung aufweist, ist das Charak-! teristische folgendes: Stärkste Besetzung der | jüngsten Altersklassen und fortschreitende I Minderbesetzung der folgenden nach Maßgabe j der durch die Absterbeordnung bedingten, von I Alters jähr zu Altersjahr fortschreitenden! Minderung eines Grundstocks von Geborenen. | Im Ganzen wird es im wesentlichen ein sogenannter pyramidaler Altersaufbau sein. Ein solcher Altersaufbau kommt in einer größeren Stadt selten vor. Ganz verschieden von dem! eben geschilderten ist natürlich der Alters- I aufbau einer großstädtischen Bevölkerung. \ Hier kann von einer Pyramide nicht die Rede | sein. Die Zuwanderung, auf der ja das Wesen j der Großstadt beruht, biingt es mit sich, daß; jene Altersschichten, in denen vorzugsweise I die Sedimente des Wanderstroms sich ab- I lagern, das ist namentlich das 8. u. 4. Jahri zehnt, anschwellen. Wo wir es mit einer I Einwanderung von Familien zu tun haben,! werden auch noch infolge des Zuzugs von : Kindern die in den jüngeren Altersjahren ' Stehenden eine Verstärkimg erfahren, und wo! die Einwanderung längere Zeit andauert, auch I die höheren Altersschichten eine Zunahme; aufzuweisen haben, indem sie durch das all-