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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 22

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Die ausländischen Juden in München
Date
1909-02-01
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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— 22 — Wanderung hauptsächlich in Betracht kommt, nämlich die Altersklasse 16—30 um 900 zugenommen hat, aber auch die folgende Altersklasse 31—50 ist sehr stark gewachsen, ebenso hat sich die Altersklasse 6—15 nahezu verj doppelt. Der Altersaufbau 1900 erzählt uns,! daß eine starke Einwanderungswelle heran- geströmt ist. Ein großer Zuzug an produktiven! Kräften hat stattgefunden, aber auch die älteren \ Personen sind dem Beispiel der Jungen gej folgt, und zwar werden es größtenteils j Familienväter gewesen sein wegen der beträchtj liehen Anzahl von Kindern im Alter von | 1—15 Jahren. Der Altersaufbau von 1900 j trägt den Stempel der Einwanderungsbe- I völkerung in voller charakteristischer Deuti lichkeit an sich. Im Jahre 1905 haben wir j wiederum ein ganz anderes Bild. Es hat \ sich also der Altersaufbau in jeder Volks- \ Zählung geändert, ein klares Zeichen für die [ Schwankungen, denen im allgemeinen eine; Einwanderung unterworfen ist. Eine Einj Wanderung ist ja von den verschiedensten Ursachen abhängig, nicht bloß von den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in der Heimat, sondern noch mehr von den Verhältnissen in der Aufnahme gewährenden i Stadt. Die Einwanderer sind voller £pann- \ kraft und Arbeitslust; sie ergreifen einen j Beruf, der am wenigsten Kapital und die j geringste berufliche Vorbildung erheischt — I den Kleinhandel — und machen anfänglich i sich selbst und den Eingesessenen Konkurrenz. I Auf einer sozial niedrigen Stufe stehend ge- : raten sie vielleicht in Not und bedürfen der \ Unterstützung kapitalkräftiger Stadtbewohner, j Die Folge ist, es enstehen Reibungen, man i sucht den Emwandererstrom zu hemmen.; Die Masse staut sich. Der Altersaufbau von ' 1905 zeigt eine ganz geringe Zunahme von \ Leuten im produktivsten Alter, dagegen eine; weit stärkere Zunahme in der nächst höheren; Altersklasse. Da die Einwanderung von Leuten; im produktivsten Alter etwas nachgelassen hatte, war ein Zustand der Sättigung eingetreten. Die im Alter von 1.0—30 Jahren Stehenden waren durch das Älterwerden in die folgende Altersklasse hinaufgerückt und hatten diese verstärkt. Es hatte sich das dem Einwanderungstyp entsprechende Bild etwas verwischt. Tabelle IV. Altersaufbau der weiblichen jüd. Ausländer, a) Grundzahlen. Zählung i i 2—5; o—15 1—15 IG—30 31—50 51—70 über 70 1895 16 45 59 217 227 1 41 i 10 1900 2; 34 59 69 208 267 i 58 | 15 1900 3 1 10 63 76 252 317 i 106 1 26 b) Relativzahlen. 1895 - 3,71; 14.62 18,33! 36,19'. 33,64, 9.51; 2,32 1900 0,27 4,53 | 15,71! 20,51j 34,49; 35,28j 7,72 j 2,00 1905 0,26 3,60 j 17,77! 21,63; 32,01; 3ö;62:, 9,32 j 1,41 Auch beim Altersaufbau des weiblichen Qeschlechts wollen wir zunächst einige Erwägungen darüber anstellen, von welchen Momenten er beeinflußt sein kann. Im allgemeinen gehört der Teil der Bevölkerung, welcher auswandert, nicht den höheren, sondern den sozial niedrig stehenden Schichten an; das erste finden wir bloß dann, wenn politische oder religiöse Beweggründe zu einer Auswanderung führen. In einer Bevölkerungsschicht aber, die auf wirtschaftlich und sozial niedriger Stufe steht, spielt erfahrungsgemäß die Frau eine ganz andere Rolle als in einer Klasse, die in einer sozial besseren Stellung sich befindet. Hier ist die Frau meist Arbeitskraft in derselben Weise wie der Mann, und trägt ebenso wie er das Ihrige zum Unterhalt der Familie bei. Wenn nun die Frau eine Arbeitskraft ist, so bildet sie für den auswandernden Mann kein allzugroßes Hemmnis für sein Fortkommen in der Fremde. Sie ist ja nicht direkt auf ihn angewiesen und kann sich ebenfalls durchschlagen. Wenn nun auch bei den Juden die Frau nicht in demselben Maße wie bei den übrigen Völkern zur Beschaffung des Unterhaltes herangezogen wird, so macht doch auch bei ihnen auf niedriger sozialer Stufe die Frau keine vollkommene Ausnahme, und hier unter den Ausländern können wir oft genug die Erfahrung machen, daß die Frau ebensosehr wie der Mann zur Ernährung der Familie

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