Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die ausländischen Juden in München
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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können. Schicken wir der Betrachtung der , Tabelle III eine theoretische Untersuchung : voran. Eine Auswanderung kann aus den verschiedensten Ursachen hervorgerufen werden. Es kann eine wirkliche Notlage im Lande der Grund sein, es kann aber auch einfach ein Überschuß von Kräften vorhanden; sein, die sich in der Heimat nicht mehr betätigen können. Aus welchen Ursachen auch die Einwanderung entsteht, es werden; am Beginn derselben immer Männer sein, und \ zwar in den produktivsten Altersklassen,; welche die Heimat verlaßen, um sich in der ' Fremde eine Existenzmöglichkeit zu verschärfen. Unter diesen Ausgewanderten wird sich auch naturgemäß der größte Teil lediger \ befinden: Leute, die bereits verheiratet sind,; sind viel weniger geeignet Pioniere zu werden, es müßte denn sein, daß die Notlage sehr j groß ist. Wo nun diese Auswanderer sich niederlassen, da werden wir zu Beginn der \ Einwanderung eine Gruppe von Leuten im; Alter von 16—30 Jahren finden. Das wäre der Anfang des Altersaufbaus einer reinen , Einwanderungsbevölkerung. Die Eiligewan- : denen werden nun entweder den Ort für geeignet zur dauernden Niederlassung finden j oder aber es werden ihnen Schwierigkeiten, sei j es politischer, sei es wirtschaftlicher Natur,! begegnen, die sie zum Weiterwandern zwingen. I Im ersten Fall vergeht immerhin einige Zeit, j bis noch eine Altersgruppe neben der ersten! sich bildet. Dagegen wird sich, sofern die! Lage der Eingewanderten eine günstige ist. j immer mehr diese Gruppe selbst durch Zuzug j aus der Heimat verstärken, allmählich aber! werden sie ihre Verwandten heranziehen, und j zwar zuerst ihre jüngeren Geschwister aus; dem Grunde, weil diejenigen, welche ohne ■ Familiensorgen sind, am leichtesten in der! Fremde durchkommen können, dann aber, j sofern sie verheiratet sind, ihre Frauen und i Eltern, und so werden sich jetzt zwei weitere! Altersgruppen besetzt zeigen, die Gruppen,; welche die Personen im Alter von 6—15 und von 31—50 Jahren umfassen. Je länger die Einwanderungsperiode dauert, desto mehr werden von den Leuten, welche in dem Alter von 16—30 Jahren eingewandert sind, in die höheren Altersklassen hinaufsteigen, desto mehr werden aber auch Leute in diesem Alter zuwandern, und wir werden das Bild einer gesättigten Einwanderung erhalten, wenn wir sehen, daß gerade diese höheren Altersklassen an Stärke immermehr den produktiven Altersklassen nachkommen. So kann uns ein Altersaufbau in seiner zeitlichen Entwicklung ein anschauliches Bild geben von dem allmählichen Werden einer Ausländerkolonie; eines allerdings werden wir aus dem Altersaufbau nie erfahren können: wie viele von diesen Eingewanderten sich in ihrer Hoffnung getäuscht sahen, wie viele nicht die Möglichkeit gewannen, sich eine Existenz zu gründen, sondern gezwungen wurden, entweder in die Heimat zurückzukehren oder weiter zu wandern. Betrachten wir nun die Tabelle etwas näher. Bring; sie auch nicht ein vollständiges Bild von der zeitlichen Entwicklung, so hellt sie doch wenigstens die letzen 10 Jahre auf und wirft durch die Volkszählung von 1895 noch einen Rückblick auf die frühere Zeit. Da nun die letzten 10 Jahre es sind, welche den Hauptstrom der Einwanderer gebracht haben, so bieten die drei Volkszählungen von 1895, 1900 und 1905 doch wenigstens ein Bild von der zweiten Phase der Entwicklung. Der Altersaufbau der männlichen ausländischen Bevölkerung von 1895 sagt folgendes: Die Einwanderung hat bereits längere Zeit gedauert, mindestens ein Jahrzehnt, und zwar in immer größerem Maße, denn die Gruppe der 6—15 jährigen weist den nicht unbeträchlichen Prozentsatz von 9,30 auf, und dieses deutet darauf hin, daß eine ziemliche Anzahl von Familien sieh unter den Eingewanderten befunden hat. Die Einwanderung ist allerdings noch nicht weit fortgeschritten, folglich ist die stärkste Vertretung in der produktiven Alterskiasse 16—30. Ein ganz anderes Bild zeigt uns der Altersaufbau von 1900. In dem Jahrfünft 1895—1900 hat eine starke Zuwanderung stattgefunden und sie hat bewirkt, daß jene Altersklasse, welche bei einer Ein-