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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Die ausländischen Juden in München
Date
1909-02-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 - hat — es sind dies hauptsächlich. Galizien gewesen, jetzt auch Rußland — wird früh geheiratet. Wir sehen deshalb, wenn auch im Anfang der Einwanderung der Zustrom des männlichen Geschlechts ein stärkerer ist, bald darnach eine stärkere Zuwanderung von Frauenspersonen: der Gruna liegt einfach darin, daß die Männer ihre Frauen kommen lassen, die ihnen in viel höherem Maße als bei uns arbeitend zur Seite stehen und infolgedessen eher imstande sind, an den Beschwerden der Einwanderung teilzunehmen. Aber noch aus einem anderen Grunde ist die Einwanderung des weiblichen Geschlechts eine überaus starke, selbst wenn schon die Zuwanderung der Männer nachgelassen hat. Wenn nämlich Familienväter einwandern, so lassen sie zumeist ihre Familie zurück und ziehen zuerst ihre männlichen Anverwandten nach; erst später, wenn sie eine gesichertere Existenz haben, lassen sie die übrigen Familienglieder kommen; diese sind aber Frau und Töchter. Die Zahl der weiblichen Ausländer ist von 149 auf 1137, d. h. von 100 auf 767 gewachsen, hat sich also mehr als versiebenfacht. Bei ihnen können wir ebenfalls zwei Perioden unterscheiden, allerdings machen "wir die Wahrnehmung, daß niemals ein so rapides Sinken der Einwanderung stattfindet wie bei den Männern. Ganz auffallend zeigt sich uns dies im letzten Jahrfünft 1900—05. Damals war beim männlichen Geschlecht auf die starke Mehrung von 1895—1900 ein Tabelle III. Altersaufbau der männlichen jüd. Ausländer, a) Grundzahlen. Zählung i 2—5 fj-15 1—15 16—30 ' 31— 50 51-70 über "0 1895 _ 10 : (59 70 291 219 59 () 1900 2 46 113 155 502 389 , 96 ' 12 1905 4 53 151 208 597 : 500; 138 i 8 b) Relativzanien. 1895 — 1,55 . 9,30 10,851 45,12 33,95 9.15; 0,93 1900 0,17 3,47! 9,79 13,43! 43.50' 33,71: 8,32 1,04 1905 j 0,27 3,65 [lO^l; UM] 41,14 34,46; 9,51; 0,56 Sinken auf 25,74% eingetreten, beim weiblich en Geschlecht hatte die Mehrung in viel geringerem Maße nachgelassen; sie war ans den eben angeführten Gründen von 74,25% nun auf 51,40% gesunken. Wenden wir uns nun dem Altersaufbau der Ausländer zu, der am ehesten geeignet ist, uns über die Entwicklung der Ausländergruppe Aufschluß zu geben. Will man sich nämlich ein Bild machen von dem augenblicklichen Stand einer Bevölkerung, so genügt es nicht, wTenn man für einen bestimmten Zeitpunkt die absolute Zahl der Bevölkerung feststellt, es genügt auch nicht, daß man bloß die natürliche Unterscheidung nach dem Geschlecht kennt, sondern man muß einen Durchschnitt durch die ganze Masse, die beständig im Strome ist, zu gewinnen suchen und diesen Durchschnitt bietet der Altersaufbau. Er zeigt, wie sich die Masse in dem gegebenen Zeitpunkt auf die einzelnen Altersschichten verteilt, und ist von fundamentaler Wichtigkeit für die Erkenntnis der Struktur der Bevölkerung. Erst durch die Ergebnisse des Altersaufbaus in Verbindung mit der sozialen Unterscheidung nach dem Familienstand läßt sich ein Urteil fällen einmal über den Befund der Masse als solcher, dann aber auch, falls man für längere Zeit den Altersaufbau untersucht, über die Entwicklung der Bevölkerung. Die Wissenschaft hat, gestützt auf die Empirie, mehrere Typen des Altersaufbaus aufgestellt. Am leichtesten verständlich ist der Altersaufbau einer aus dem Auslande eingewanderten Bevölkerung, und gerade bei dieser Gruppe ist es auch am lehrreichsten, ihre zeitliche Entwicklung zu verfolgen. Es wäre deshalb viel mehr als bei den übrigen drei Gruppen — der Ortsgebürtigen, sonst in Bayern und sonst im Reich Gebürtigen, — aus denen sich die jüdische Bevölkerung Münchens zusammensetzt, wünschenswert gewesen, wenn wir den Altersaufbau hätten zurückverfolgen können bis in den Anfang der Entstehung einer Kolonie von Ausländern, dann würde uns mit einem Schlage das allmähliche Anwachsen dieser sozial und politisch so bedeutsamen Gruppe klar werden und wrir würden auch viel leichter der Ursache der Einwanderung nachgehen

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