Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die ausländischen Juden in München
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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— 19 — Stärke unter den hier Gebürtigen noch eigentliche Ausländer sich befinden. Tabelle Ii. Gliederung der Ausländer nach dem Geschlecht. Zählung männlich Mehrung; weiblich Mehrung 1880 1885 1890 1895 1900 1905 218 295 487 645 1154 1451 35,32 65,08 32,44 ■ 78,91 25,70 149 17G 307 431 751 1137 18,12 74,43 40,39 74,25 51,40 Den ersten Einblick in die innere Struktur einer Bevölkerungsmasse bildet die natürliche Scheidung nach dem Geschlecht, Auf den ersten Blick sieht man. daß bei den Ausländern das männliche Geschlecht überwiegt und daß die Art und Weise der Zunahme bei beiden Geschlechtern eine ganz verschiedene ist. Das erste liegt im Wesen der Einwanderung aus dem Auslande. Männliche Personen sind es vorzugsweise, die den Wanderstab ergreifen und den Kampf um die Gründung einer neuen Existenz durchkämpfen. Die Anzahl der männlichen jüdischen Ausländer ist in den 25 Jahren von 218 auf 1451 gestiegen, d. h. von 100 auf 660; die durchschnittliche Mehrung in jedem Jahrfünft betrug 47,49%. Das ist ein ganz außerordentliches Steigen. Bei einer Einwanderung aus dem Auslande sind aber auch ganz andere Beweggründe für die Juden maßgebend als bei einer Binnenwanderung. Während nämlich bei einer Binnenwanderung die Bedeutung der Stadt, wohin dieZuwan derung sich lenkt, sehr in Frage kommt, sind bei der Einwanderung aus dem Ausland vor allem die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse des Auslandes entscheidend. Die ungünstigen Zustände in der Heimat bewirken daß die Ausländer sich dem Ort zuwenden, der ihnen am günstigsten gelegen ist und am gastlichsten die Tore öffnet. Wenn wir die Zunahme in den einzelnen Jahrfünften näher betrachten, so können wir zw-ei Perioden der Einwanderung genau verfolgen. Die erste datiert, wie bereits erwähnt, von 1885—95. Es steigt die Mehrung auf 65,08 %, um bald darauf auf 32,44 % zu sinken, dann die zweite Periode von 1895—1905. Die Zunahme steigt in noch viel stärkerem Maße auf 78,91 %, sinkt aber noch tiefer herab auf 25,74 %. So eigentümlich dieses Steigen und Sinken für den ersten Moment erscheinen mag, so liegt es doch in dem Wesen der Einwanderung namentlich aus dem Auslande. Vergegenwärtigen wir uns folgendes: Es sehen sich eine Anzahl von Personen gezwungen die Heimat zu verlassen. Sie wandern fort und lassen sich in München nieder. Ist die Anzahl groß, ist also die Einwanderung eine starke, so ist es dementsprechend schwierig, für die Masse in der Fremde sich eine Existenzmöglichkeit zu verschaffen. Es dauert längere Zeit, bis die Leute sich eingewöhnt haben, und bei der Art und Weise, wie eine solche Einwanderung sich weiter entwickelt, muß in der folgenden Zeit der Zustrom nachlassen. Eine ausführliche Erörterung hierüber kann erst bei der Betrachtung über den Altersaufbau angestellt werden, doch müssen wir schon hier folgendes bemerken. Die Einwanderung entwickelt sich dann zumeist in der Weise, daß die Einge: wanderten, welche vorwiegend aus jungen Leuten bestehen, zuerst ihre nächsten Angehörigen, dann ihre entfernteren Verwandten nach sich ziehen. Ein solches Nachziehen ist aber erst möglich, wenn sie selber in der Lage sind, ihnen in der ersten Zeit als Stütze zu dienen. Das können sie aber, solange sie fremd sind, größstenteils nicht, und dementsprechend folgt auf eine Periode der starken Einwanderung eine solche des Nachlassens derselben, und je stärker zuerst die Einwanderung war, desto länger dauert es, bis abermals ein so kräftiger Zuzug möglich ist, desto geringer ist in den kommenden Jahren die Zuwanderung. Es tritt regelmäßig eine Art Sättigung ein. In dem Jahrfünft 1900—1905 waren wir an einem solchen Zustand der Sättigung angelangt, daher die geringe Mehrung von 25,74 %. Auch für die weibliche Einwanderung aus dem Auslande gelten andere Gesetze als für die weibliche Binnenwanderung. In den Ländern, aus welchen die Einwanderung stattgefunden