Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Zur Statistik der Juden im Grossherzogtum Hessen
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
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— 171 — V. Familienstand. Nach dem Familienstande waren von den Juden ledig . . 6811 6636 13447 verheiratet 4737 4758 9495 verwitwet. 433 1279 1712 geschieden 12 33 45 Vergleicht man auf Grund dieser absoluten Zahlen, wie sich 1000 Juden und 1000 Personen der Gesamtbevölkerung nach der Volkszählung von 1900 (für 1905 liegen Angaben über die Gesamtbevölkerung noch nicht vor) verteilen, so waren Gesamtber. 1900 Juden 1905 ra. w. zus. tu. w. zus. ledig 608 563 585 568 522 544 verheiratet 354 352 353 395 375 385 verwitwet 37 84 61 36 101 69 geschieden 1111 2 2 zus. 1000 1000 1000 1000 1000 1000 Daß sich hiernach unter den Juden mehr Verheiratete und weniger Ledige befinden als unter der Gesamtbevölkerung, läßt sich unschwer daraus ableiten, daß unter der Gesamtbevölkerung erheblich mehr Personen im kindlichen und jugendlichen Alter vorhanden sind, die noch nicht verheiratet sein können. Das Bild ändert sich sofort, wenn man nur die über 20 Jahr alten Personen zum Vergleich heranzieht und von der Annahme ausgeht, daß sich unter den Personen, die noch nicht 20 Jahre alt sind, nur verschwindend wenig Verheiratete befinden. Es sind nämlich unter je 1000 über 20 Jahr alten Personen Gesamtbev. 1900 Juden 1905 m. w. zus. tu. w. zus. ledig 313 248 280 377 282 309 verheiratet 620 605 613 606 564 583 verwitwet 66 144 105 55 151 105 geschieden 1 3 2 2 3 3 zus. 1000 1000 1000 1000 1000 1000 | Hier weisen die Juden im Gegensatz zu i dem vorherigen Ergebnis mehr Ledige und j weniger Verheiratete auf als die Gesamtj bevöikerung. Der Unterschied ist besonders groß bei dem weiblichen Geschlecht; von je 1000 mehr als 20 Jahre alten Frauen der Gesamtbevölkerung sind 248, von je 1000 jüdischen Frauen dagegen 282 ledig. Man kann dies damit in Zusammenhang bringen, daß die Juden im Durchschnitt wohlhabender sind als die Gesamtbevölkerung und daß in einer Bevölkerungsschicht die Heiraten um so später und seltener erfolgen, je wohlhabender die Bevölkerungsschicht ist. Anderseits wirken jedoch auch hier die Wanderungsverhältnisse mit. Durch die Abwanderung, die bei den Juden größer ist als bei den Christen, werden hauptsächlich junge ledige Männer aus dem Lande geführt, und die Folge ist, daß es für die in der Heimat zurückbleibenden Mädchen an Bewerbern mangelt. Es ist eine besonders auch in den preußischen Ostprovinzen zu beobachtende Erscheinung, daß durch die starke Abwanderung, welche hauptsächlich junge Männer betrifft, die Verehelichungsaus sichten für die zurückbleibenden Mädchen sehr gesunken sind. Sie würden noch ungünstiger sein, wenn nicht durch den guten Nachrichtendienst in jüdischen Kreisen und durch die Institution des „Schadehen" (Heiratsvermittlers) der hier wirklich ein notwendiger Funktionär geworden ist, die räumliche Entfernung zwischen heiratsfähigen jungen Mädchen und heiratsfähigen jungen Männern überbrückt würde. Wenn man die Verehelichungsnachrichten in den Zeitungen betrachtet, so bildet es bei den christlichen Heiraten die Regel, bei den jüdischen fast die Ausnahme, daß Mann und Frau aus demselben Orte sind. Das ergab sich für die Juden schon, früher durch die verhältnismäßige Kleinheit der jüdischen Gemeinschaften. Es ist durch die oben erwähnten Vvranderuiigsverhältnisse heute noch in höherem Maße der Fall. Ein jüdisches Mädchen hat außerhalb der großen Städte nur geringe Aussicht auf dem Wege gesellschaftlichen Verkehrs, wie es bei den christlichen Mädchen die Regel bildet, einen Bewerber zu finden, weil nur wenige heiratsfähige junge Leute in