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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 169

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Zur Statistik der Juden im Grossherzogtum Hessen
Date
1907-11-01
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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— 169 — Diese Zahlen erhalten ihre richtige Beleuchtung erst dadurch, daß wir vergleichen, wieviel Christen und Juden prozentual auf die einzelnen Altersklassen entfallen, Leider sind für die Volkszählung von 1905 auf die Christen bezügliche Angaben noch nicht bekannt, und bei den früheren Volkszählungen ist nur die Altersgliederung der Gesamtbevölkerung ermittelt worden. Wir müssen deshalb anstelle der fehlenden Zahlen für die Christen die bei der Volkszählung von 1900 festgestellte Altersgliederung der Gesamtbevölkerung heranziehen. Es zeigt sich hierbei, daß der Altersaufbau der christlichen*) und jüdischen Bevölkerung durchaus verschieden ist, denn von je 1000 Personen kommen auf die nachstehenden Altersklassen: Ges. Bevölk. 1900 Juden 1905 Jahr m. w. zus. m. w. zus. unter 5 128 125 126 83 82 82 5—10 108 106 107 87 79 83 10—15 97 95 96 94 93 93 15—20 97 94 95 84 81 83 20—30 192 180 186 186 175 180 30—40 132 132 132 146 149 147 40—50 95 99 97 117 121 119 50—60 87 85 81 92 105 99 60—70 50 57 54 72 75 74 70—80 19 22 21 30 31 31 80—90 4 5 5 9 Q <■_/ 9 über 90 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 Die jüngeren Altersklassen sind hiernach bei den Juden erheblich schwächer vertreten als bei den Christen und zwar zeigt sich die größte Verschiedenheit bei der Altersklasse bis zu 5 und sodann von 5—10 Jahren. Von je 1000 Juden gehören nur 165, von je 1000 Christen dagegen 233 diesen beiden Altersklassen an. Auch die folgenden Altersklassen vom . 10. bis 30. Jahre sind bei den Juden schwächer besetzt als bei den Christen. Dafür *) Man kann bei dem geringen Prozentsatz der Juden unter der Gesamtbevölkerung die Altersgliederung dieser als mit der der Christen tibereinstimmend betrachten, sind dann alle höheren Altersklassen bei den Juden entsprechend stärker vertreten. Das Geschlecht macht hierbei keinen merkbaren Unterschied, vielmehr ist die Erscheinung, daß die Frauen in größerem Maße als die Männer die höheren Altersstufen erreichen, bei Juden und Christen gleichmäßig zu beobachten. Scheidet man die Bevölkerung in die erwerbsfähige (15—70 Jahre) und in die noch nicht erwerbsfähige (bis 15 Jahre) oder nicht mehr erwerbsfähige (über 70 Jahre), so gehören von je 1000 Juden 742, von je 1000 Christen 645 den erwerbsfähigen Altersklassen an. Durch die hier zum ersten Male festgestellte Altersgliederung der Juden eines deutschen Staates erweist sich übrigens eine für die Kriminalstatistik wichtige Tatsache als richtig, die man bisher aus dem nur in einzelnen deutschen Großstädten ermittelten Altersauf bau der Christen und Juden nur unzureichend belegen konnte. In der deutschen Kriminalstatistik wurde bisher bei der Berechnung der KriminalitätszifTer für Christen und Juden angenommen, daß der Prozentsatz der Strafmündigen unter Christen und Juden gleich sei.*) Durch diese unrichtige Annahme wurden die Verhältniszahlen, welche ausdrückten, wieviel Verurteilte auf je 1000 Christen und Juden entfielen, für die Juden zu hoch. Bisher konnte jedoch nicht genau entschieden werden, um wieviel sie zu hoch waren. Nunmehr läßt sich, wenn man alle Personen über 15 Jahre als strafmündig und die Verhältnisse in Hessen für ganz Deutschland als typisch ansieht, sagen, daß die Juden um 7,1 % mehr Strafmündige unter sich haben als die Christen, und daß die an sich günstige Kriminalität der Juden in Deutschland unter Berücksichtigung dieses Umstandes sich noch erheblich günstiger gestaltet. | *) Anrn. Nach den §§ 55, 56 St. (f. B. können i Personen unter 12 Jahren überhaupt nicht und solche | von 12—18 Jahren nur dann bestraft werden, wenn! sie bei Begehung der strafbaren Handlangen die zur | Erkenntnis ihrer Strafbarkeit erforderliche Einsicht j besaßen.

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