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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 166

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Todesursachen bei Juden in österreichischen Städten
Date
1907-11-01
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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— 166 — ursacht durch Kleinheit des Beobachtungsmaterials) im erwerbsfähigen Alter, wo die Tuberkulose am häufigsten ist, sie bei den Juden relativ noch seltener als im Kindes- und Greisenalter vorkommt. Die Voraussetzungen über die relative Häufigkeit der Todesurschen bei den Juden erfüllen sich nur zum Teile. Die Nichterfüllung betrifft fast ausnahmslos eine geringere statt der größeren Häufigkeit, bedeutet also nur für die Juden Günstiges. Ausnahme macht nur die Diphtherie (eventuell Scharlach und Unterleibstyphus) in den galizischen Städten. Bei der Diphtherie wurde schon öfters eine größere Disposition der Juden angenommen. Daß diese nicht allgemein sein kann, lehrt das Beispiel Wiens. Es wäre übrigens denkbar, daß tatsächlich Infektionskrankheiten bei den Juden häufiger als bei den Christen vorkommen, ohne daß wir eine Disposition annehmen müssen. Die Eigenschaft der Juden, welche wie bisher als eine der Ursachen der geringeren Sterblichkeit kennen lernten, der Familiensinn, kann die Ausbreitung leicht übertragbarer Krankheiten begünstigen. Das Liebkosen der Kinder, der "Widerwille gegen Spitalabgabe derselben, begünstigt die Ausbreitung der Kinderkrankheiten. Wenn deren Ablauf durch gute Pflege, durch vorhergegangene bessere Ernährunggünstig beeinflußt werden kann, wie dies bei Masern der Fall ist, dann haben wir sogar bei den Juden eine geringere Sterblichkeit, Wo aber — und dies ist bei Diphtherie und Scharlach der Fall — der Ausgang der Krankheit von Umständen abhängt, welche nicht oder nur wenig auf obige Weise beeinflußbar sind, dann können wir auch eine höhere Sterblichkeit bei den Juden finden. Von diesem Standpunkte aus erscheint mir der Gegensatz von Wien und den galizischen Städten charakteristisch für den höheren Stand der Sanitätspflege in Wien, soweit sich dieselbe auf die Krankheitsprophylaxebeschränkt, Dazukommt noch, daß sich Masernepidemieen rasch über eine ganze Stadt ausbreiten, Scharlach- und Diphtheritisepidemien eher lokal bleiben. Ist diese Lokalität ein Judenbezirk, wie es deren ja in Galizien genug gibt, dann finden wir eine höhere Judensterblichkeit. Der soeben erwähnte höhere Stand der Gesundheitspflege in Wien bewirkt auch noch andere Verschiedenheiten in der Häufigkeit der Todesursachen gegenüber Lemberg und Krakau. Eine der wichtigsten modernen Errungenschaften ist die rationelle Säuglingsernährung, welche ein starke Verminderung der für Säuglinge so gefährlichen Darmkatarrhe bewirkt. Der agilere Geist und die größere Besorgtheit der Juden um ihre Gesundheit läßt die Fortschritte der Gesundheitspflege sich rascher aneignen. Dazu gehört aber deren Kenntnis, hinsichtlich deren Wien den galizischen Städten weit voraus ist. Aus diesem Grunde linden wir bei den Juden Wiens eine stärkere Herabsetzung der Kindersterblichkeit im allgemeinen und insbesondere an Magen-Darmkatarrh, während wir in Lemberg — allerdings in den Jahren 1890—1892 — sogar eine vermehrte Sterblichkeit der Juden an Darmkatarrh haben. Die irrationellere Kinderpflege in Galizien setzt die Kinder der Gefahr der Lungenentzündungen häufiger aus, so daß dieser Grund mit eine Ursache der höheren Judensterblichkeit an Lungen- und Rippenfellentzündung in Lemberg ist. Ein weiterer Unterschied zwischen Wien und den galizischen Städten ist die leichtere Erreichbarkeit ärztlicher Hilfe in Wien. Dieselbe wird hier auch von den Christen in erhöhtem Maße in Anspruch genommen, was sich z. B. bei jenen Todesursachen bemerkbar macht, die anfangs operable, später unheilbare Krankheiten waren, die bösartigen Geschwülste, Krebse sind eine Krankheit hauptsächlich des vorgeschrittenen Alters, sollten also bei den Juden gemäß der Bevölkerungszusammensetzung häufiger als bei den Christen als Todesursache erscheinen. Ihrer Bedeutuug als Todesursache macht eine rechtzeitige Operation Abbruch. Dies geschieht in Wien gleicherweise bei Juden und Christen, in den galizischen Städten bei Juden häufiger als bei Christen. Daher die verschiedene

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