Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Todesursachen bei Juden in österreichischen Städten
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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10 Fälle bei den Juden vorkamen. Cholerine j (Lemberg I). Wassersucht (Lemberg I). Syphi- I Iis (Lemberg I), Masern (Lemberg II), Keuch-; husten (Lemberg II), Dysenterie (Lemberg II), \ zufällige Beschädigungen (Lemberg II), Mord \ und Totschlag (Lemberg II und Krakau). \ Zwischen Krakau und Lemberg linden -wir; nur wenig Differenzen. Die wichtigsten sind: [ Diphtherie erscheint in Lemberg II bei den i Juden seltener als in Lemberg I und Krakau,; doch ist dort die Anzahl der beobachteten Fälle; nur gering, stimmt aber auch nicht zu Wien j (1. c). In Lemberg I sind angeborene Lebens-; schwäche und Altersschwäche (beide gesondert); bei den Juden häufiger, in Lemberg II und in Krakau (beide vereint) seltener als bei den [ Christen: Wien stimmt bezüglich der Alters- I schwäche eher mit Lemberg I, bezüglich der | angeborenen Lebensschwäche mit Lemberg II I und Krakau üb er ein. In Krakau ist Bauchtyphus und Lungen- und Rippenfellentzündung bei den Juden seltener, in Lemberg I häufiger \ als bei den Christen. Wien verhält sich hin- , sichtlich des Bauchtyphus zwischen Krakau j und Lemberg I, hinsichtlich der Lungen- und j Rippenfellentzündung wie Krakau. Nerven- : krankheiten sind in Krakau häufiger, in Leini berg und in Wien seltener bei Juden als bei Christen. i Zwischen Wien einerseits und den gaiizij sehen Städten anderseits herrschen einige Ver- | schiedenheiten. In Wien finden sich Krebse etc. | bei den Juden eher häufiger denn seltener, j in Krakau und Lemberg bedeutend seltener, j In Wien ist Scharlach bei den Juden nicht j häufiger, wohl aber in Lemberg und Krakau, j Nierenentzündungen sind in Lemberg bei den j Juden häufiger als bei den Christen, in Wien | bei beiden ziemlich gleich. Von diesen und j noch einigen weiteren unwichtigen Differenzen j abgesehen zeigt die relative Häufigkeit der j Todesursachen bei Juden und Christen in Wien j dasselbe Verhalten wie in den beiden gaiizij sehen Städten. Die Ursache der Divergenzen j werden wir bald verstehen. | Da allenthalben die jüdische Bevölkerung; sich durch eine höhere Besetzung der jüngsten und der höchsten Altersklassen von der christlichen Bevölkerung unterscheidet, müssen wir caeteris paribus ein stärkeres Auftreten der Kinder- und Greisenkrankheiten bei den Juden erwarten. Wir würden daher ein häufigeres Auftreten der angeborenen Lebensschwäche, des Scharlachs, der Masern, des Keuchhustens, der Diphtherie, des Darmkat arrh es der Kinder einerseits, der Altersschwäche, der Krebse, der Gehirnblut im g, des Lungenemphysems anderseits begreiflich finden. Auch Lungenentzündungen sind im frühen Kindes- und Greisenalter, Bronchialkatarrhe im Säuglingsalter eine relativ häufige Todesursache. Dagegen müssen wir unbedingt jene Todesursachen, zu denen das erwerbsfähige Alter das Ilauptkontingent stellt, bei den Juden seltener finden. Das ist vor allem die Tuberkulose. In Lemberg starben in den Jahren 1890—1892 an Tuberkulose im 1. Lebensjahr 88 Christen und 37 Juden, im 2. —5. Lebensjahr 249 Christen und 45 Juden, nach dem 5. Lebensjahre 1983 Christen und 335 Juden. Das Verhältnis der Tuberkulosesterblichkeit verschiebt sich daher zu Gunsten der Juden mit zunehmendem Alter. In Krakau starben in den Jahren 1887—1900 an Tuberkulose im 1. Lebensjahre 20 Juden und 132 Christen 100 : 660 2. n 47 „ „ 205 „ - 100 430 3. » 13 X n 125 „ 100 962 4. „ 14 W » 103 „ 100 736 5. „ 9 )t „ 97 „ - 100 1078 6,-10. n 32 » „ 235 „ 100 731 11.-15. 24 „ „ 181 100 754 16.—20. )t 53 » w 502 57 - 100 955 21.—25. n 80 r> 858 )) — 100 1073 26.-30. „ 81 „ )) 838 )) - 100 1035 31.— 35. n 47 r> 55 605 „ 100 1287 36.—40. n 52 r> » 625 '? 100 1202 4L—45.?? 33 r> 11 445 - 100 : 1348 46.—50. „ 34 •n 374 „ ■--=--100 1100 51.—55. y> 32 „ „ 256 „ 100 800 56.—60. V 45 » n 291 100 647 61.—70. •n 58 >? „ 299 y> 100 516 über 70. „ 52 „ r> 127 )1 — 100 244 Auch bei Krakau sehen wir, wie bei Lemberg, daß (abgesehen von Zufälligkeiten, ver-