Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Zur Statistik der Juden im Grossherzogtum Hessen
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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— 155 — schwächer vertreten sind, und in den Orten j mit mehr als 10000 Einwohnern, wo sie; erheblich stärker vertreten sind als die Christen. Immerhin ist der Unterschied in der Verteilung zwischen Christen und Juden in Hessen nicht so groß als in anderen deutsehen Bundesstaaten, z. B. in Preußen, wo bei der Volkszählung von 1905 55,06 % aller Juden, aber nur 19,06 n.0 aller Christen in den Großstädten mit mehr als 100000 Einwohnern konzentriert waren. II. Agglomeration. j Während die Verteilung der Juden auf die i einzelnen Ortsgrößenklassen und die hierin j im Laufe des 19. Jahrhunderts eingetretene \ Veränderung für die Beurteilung der wirt-; schaftlichen Entwicklung von Bedeutung ist, | ist eine andere Frage, nämlich die nach der Größe der einzelnen jüdischen Gemeinschaften hauptsächlich für die Kultusverhältnisse von Wichtigkeit. Das gesamte Religions- und Kultuswesen der Juden baut sich auf der . jüdischen Gemeinde auf; außerhalb derselben ist die Pflege des Kultus regelmäßig unmöglich, i Die Existenz einer jüdischen Gemeinde ist aber von dem Vorhandensein einer genügenden Zahl von Juden abhängig. Sinkt diese Zahl 1 unter-ein gewisses Mindestmaß herab, so ist teils wegen der religiösen Vorschriften, welche eine Mindestzahl von Teilnehmern an religiösen Handlungen erfordern, teils wegen des Mangels; an Geldmitteln die ordnungsmäßige Pflege des Kultus unmöglich. Wir stellen für die Jahre 1828, 1871 und 1905 die Orte, in denen Juden wohnten, nach der Kopfzahl der Juden zusammen. Es gab Orte 1828 1871 1905 mit weniger als 5 Juden 31 37 49 » 5— ~ 9 30 40 53 , 10— 19 07 58 54 - 20— 29 52 45 48 „ 30— 49 1 8-1 00 Gl „ 50— 09 l 48 00 41 r TO— 99 l 35 40 o — O / „ 100—199 34 30 27 1828 1871 1905 mit 200—299 Juden 2 5 o O r 300—500 2 4 - mehr als 500 4 4 6 395 389 380 Die Zahl der Orte, in denen überhaupt Juden wohnten, ist also seit 1827 nur wenig gesunken, von 395 auf 380. (Da die Zahl aller hessischen Gemeinden im Jahre 1900 993 betrug, so ergibt sich beiläufig, daß in der größeren Hälfte der hessischen Gemeinden überhaupt kein Jude wohnte). Als sehr bedeutend stellt sich aber die Veränderung in der Kopfzahl der Juden in den einzelnen Orten heraus. Die Zahl der Orte mit weniger als 10 Juden ist von 07 auf 102 gestiegen, die Zahl der Orte mit 30 und mehr Juden von 209 auf 176 gesunken. Nimmt man an, daß eine Zahl von mindestens 30 jüdischen Ein_ wohnern in einem Orte nötig ist. um den jüdischen Kultus aufrecht zu erhalten, so hat es im Jahre 1828 186, im Jahre 1805 aber 204 Orte gegeben, in denen Juden ohne geordnete Kultuspflege wohnten. Die Verhältnisse werden noch besser dadurch illustriert, daß von allen Juden Hessens wohnten 1828 1871 1905 in Orten mit weniger als 30 Juden 12 81 0,81 9,82 in Orten mit 30—00 Juden (Kleingemeinden) 42,01 38,00 31,04 in Orten mit 100—500 Juden (Mittelgemeinden) 26,34 28,01 17,08 in Orten mit mehr als500 Juden (Großgemeinden) 17,88 23,00 41,40 Hier zeigt sich deutlich, daß im Anfang des 10. Jahrhunderts das Gros der Jüchen (60,28%) in Orten lebte, in denen 30—500 Juden, wohnten. Diese kleineren und mittleren jüdischen Gemeinden waren die Träger des jüdischen Kultus. Im Laufe des 10. Jahrhunderts haben jedoch diese Klein- und Mittelgemeinden an Boden verloren; wie ihre Zahl von 205 auf 109 herabgegangen ist, so beherbergen sie jetzt nur noch 48,72% aller hessischen Juden. Dafür ist die Zahl der Großgemeinden (mit mehr als 500 Juden) von 4 auf 7 und die