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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. Seite 154

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Zur Statistik der Juden im Grossherzogtum Hessen
Date
1907-10-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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— 154 — Jahrhundert unter dem „Juden" nur den Kleinhändler, Trödler, Pfandleiher verstand, so war auch im Beginn des 19. Jahrhunderts der Jude aus dem Kreise des Kleinhandels noch nicht herausgetreten. Die berufliche Gliederung war eine durchaus einförmige, auf wenige Handelszweige beschränkte, zu denen gewisse Handwerke, insbesondere Schneiderei und Goldschmiedekunst, hinzutraten. Dagegen rinden wir am Ende des 20. Jahrhunderts in den Berufen der Juden eine bunte Mannigfaltigkeit. In .dien Zweigen der Industrie und des Handels sind die Juden vertreten, und als besonders charakteristischer Unterschied gegen den Beginn des 19. Jahrhunderts zeigt sich, daß sie sich mehr und mehr vom Kleinhandel und Kleingewerbe abgewendet und der Fabrikindustrie und dem Großhandel zugebend et hab en. Im Zusammenhange hiermit steht, daß die luden die Dörfer und kleinen Städte verlassen und ihren Wohnsitz in die grösseren Städte verlegt haben. Ein Beispiel hierfür bietet das Großherzogtum Hessen, für welches sich fest- I '~ . i stellen läßt, wie sich die Juden im Jahre 1828 und im Jahre 1905 auf die einzelnen Grössen- | Massen der Ortschaften verteilt, haben. Wenn I man alle Ortschaften mit mehr als 2000 Einj wohnern als Städte und die anderen als Dörfer i bezeichnet, so hat sich die Zahl der dörflichen i Juden vermindert:! In der Prov. Starkenburg von 4576 auf 2119, d. h. um 116 % j ,, Oberhessen; von 5174 auf 4082, d. h. um 26% „ Reinhessen von 13617 auf 7871, d. h. um 73 0/0 Im ganzen Großherzogtum von 23367 auf 14072, d. h. um 66 <Y0 Unterscheidet man unter den Städten wiederum Kleinstädte (2000 bis 10 000 Einw.) und größere Städte (über 10 000 Einw.), so wohnten bei den 3 Volkszählungen 1828, 1871 und 1905: in absol. Zahlen 1828 1871 1905 in Dörfern (u. 2000 Ew.) 13617 13063 7871 in Kleinstadt. (2 -10000 E.) 5443 5846 7789 in gr. Städten (üb. 10000 E.) 2176 6464 9039 prozentual 1828 1871 1905 64,13 51,49 31,86 25,63 23,03 31,54 10,24 25,48 36,60 zusammen 21236 25373 24699 100,00 100,00100,00 Während also im Jahre 1828 noch fast 2/3 aller Juden in Hessen in Orten mit Veniger als 2000 Einwohnern lebten, traf dies im Jahre 1905 nicht mehr für ein Drittel zu. Besonders stark war der Rückgang in den ganz kleinen Orten mit weniger als 1000 Einwohnern; in diesen wohnten im Jahre 1828 noch 38,31 %, im Jahre 1905 aber nur noch 13,87 % aller Juden Hessens. In den Orten von 2000 bis 10000 Einwohnern (Kleinstädten) ist die Zahl der Juden seit dem Jahre 1828 von 5443 auf 7789 gestiegen. Viel beträchtlicher ist aber die Steigerung in den Städten mit mehr als I 10000 Einwohnern, die im Jahre 1828 nur! 2176—10,24 °/o aller Juden, im Jahre 1905 aber 9039-35,60% aller Juden zählten. Sie sind es hiernach, die besonders in den letzen Jahrzehnten die Abwanderung aus den Dörfern aufgenommen haben. Um einen Vergleich zwischen der A'erteilung der Christen und Juden auf die einzelnen Orts-Größenklassen zu ermöglichen, stellen wilder Verteilung der Juden im Jahre 1900 und 1905 die Verteilung der Gesamtbevölkerung im Jahre 1900 gegenüber, Es ergibt sich dann, daß prozentualiter entfielen Gcsamtbev. Juden. aut Orte mit weniger als 500 Einw. mit 500—1000 Einw. . mit 1000-2000 Einw. mir 2000—5000 Einw. mit 5000—10000 Einw, mit mehr als 1O000 Einw. 1900 11,6 17,1 17,6 19,6 9,6 24,5 1900 2,7 13,3 19,1 20,9 10,5 33,5 1905 2,4 11,5 18,0 18,0 13,5 33,6 100,00 100,00 100,00 Der Unterschied in der Verteilung zwischen Christen und Juden ist hiernach am bedeutendsten in den ganz kleinen Orten mit weniger als 1000 Einwohnern, wo die Juden erheblich

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