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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Die Austritte aus dem Judentum in Berlin
Date
1907-10-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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— 152 — gemeinen erlischt. (§ 3 Abs. II des Ges. v. 14. V. 73.) Daher sind wir über die Steuerverhältnisse eingehend unterrichtet. Nur in 22 Fällen fehlte eine Angabe über die Besteuerung, so daß bei 1852 Personen, und zwar bei 1373 männlichen und bei allen 479 weiblichen, bekannt ist, ob sie unbesteuert oder besteuert und — bis auf 9 Fälle — auch, wie hoch sie besteuert waren. Von den 1852 Personen waren 1020 oder 55,04% unbesteuert, und zwar 619 männliche (= 45,05 % der männlichen,) und 401 weibliche (= 83,71 % der weiblichen). Die übrigen 832 Ausgetretenen, und zwar 754 männliche und 78 weibliche, waren besteuert. Daß fast 5/6 aller Frauen unbesteuert waren, ist nicht auffallend, da ja verhältnismäßig wenige Frauen, zumal verheiratete Frauen, ein selbständiges steuerpflichtiges Einkommen haben. Die große Zahl der nicht besteuerten männlichen Personen erklärt sich daher, daß viele Männer zu der Zeit, als sie ihren Austritt aus dem Judentum erklärten, noch keine eigene Existenz hatten, sich vielmehr noch in der Vorbereitung auf einen Beruf befanden oder dieselbe eben erst beendet und gerade eine selbständige Berufsstellung erlangt hatten. Dies geht auch aus der großen Anzahl der in jugendlichem Alter Ausgetretenen hervor. Daher kann aus der hohen Anteilsziffer der Unbesteuerten keineswegs ein Schluß auf die Vermögens Verhältnisse der Ausgetretenen gezogen werden. Ein großer Teil der Unbesteuerten, z. B. der Studenten, Referendare, Assessoren, Privatdozenten, jungen Ärzte usw., gehört vielmehr den bemittelten Kreisen an, welche ja auch allein eine kostspielige Berufsausbildung bestreiten können. Die Steuerbeträge, zu denen die 833 Besteuerten veranlagt waren, sind sehr verschieden, sie schwanken zwischen 4 M. und 10520 M. Bei 9 Personen sind die Beträge nicht bekannt. 159 Personen (== 19,09% der Besteuerten) zahlten 6 M. Steuer, 12 Personen mehr als 1000 M., 131 Personen waren zu einem Steuerbetrage von 100—1000 M. veranlagt. In den Jahren 1877 und 1881 fanden nui Austritte von Unbesteuerten Personen statt. Die Gesamtsumme der Steuerbeträge aus den übrigen Jahren von 1873—188G betrug 689 M. Für die Folgezeit sind die nachstehenden Summen festgestellt worden: für 1887: 3373 Mark für 1897: 2388 Mark „ 1888: 759 „ 1898: 7068 5? „ 1889: 534 „ 1899: 4260 „ 1890: 1125 „ 1900: 2044 „ 1891: 1313 „ 1901: 6614 11 „ 1892: 3033 1902: 2847 11 „ 1893: 5760 „ 1903: 2257 11 „ 1894: 1418 „ 1904: 2667 11 „ 1895: 3102 „ 1905: 4895 11 „ 1896: 13818 „ 1906: 8869 Im Ganzen erhalten wir für die Jahre 1873—1906 den Gesamtbetrag von 78833 M., dazu kommen dann noch die Steuerbeträge von 9 Personen, deren Höhe nicht feststeht, sowie einige Beträge aus den 22 Fällen, in denen jede Angabe fehlte. Erhöht man mit Rücksicht hierauf den Gesamtbetrag auf 80000 M., so stellt diese Summe den Ausfall an Steuern dar, welchen die Berliner jüdische Gemeinde erlitten hätte, wenn eine jede der aus dem Judentum ausgetretenen besteuerten Personen nur noch ein einzige s Jahr länger steuerpflichtig geblieben wäre. Wenn man dazu berücksichtigt, daß die Ausgetretenen sich zumeist im besten Alter befanden und, falls sie nicht aus dem Judentume ausgetreten wären, zu einem großen Teile vermutlich noch für viele Jahre zu den Lasten der jüdischen Gemeinde beigetragen hätten und sich ihre Steuerquote in vielen Fällen noch erhöht hätte und ferner, daß auch die, welche zur Zeit ihres Austritts noch nicht besteuert waren, bald, und zwar viele vielleicht in hohem Maße, steuerkräftig geworden wären, so kann man sich ein ungefähres Bild von den bedeutenden materiellen Verlusten machen, welche die jüdische Gemeinde im Laufe der Zeit durch die Austritte aus dem Judentum erleidet.

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