Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Die Austritte aus dem Judentum in Berlin
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
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— 153 — Die spätere Religion der Ausgetretenen. Es ist bereits oben hervorgehoben worden, daß Angaben über die zukünftige Religion der aus dem Judentum Ausgetretenen leider nur in geringem Umfange vorliegen. Berücksichtigt sind dabei nur die Angaben, welche von den Austretenden selbst gemacht wurden. Dies ist in 703 Fällen (= 37,51 %) geschehen und zwar bei 506 Männern (= 36.28 % der ausgetietenen Männer) und bei 197 Frauen (= 41,13 % der ausgetretenen Frauen.) Von diesen 703 Personen hat sich die weitaus überwiegende Mehrzahl der evangelischen Kirche angeschlossen, es sind dies 645 Personen, d. h. 91,75 % derjenigen Ausgetretenen, deren spätere Religion ermittelt werden konnte. Und zwar sind es 459 Männer (90,71 %) und 186 Frauen (94,42%)- Yon den übrigen Personen sind 14, und zwar 13 Männer und 1 Frau, zur evangelischlutherischen, 6, und zwar 3 Männer und 3 Frauen, zur evangelisch-reformierten und 13, und zwar 8 Männer und 5 Frauen, zur katholischen Kirche übergetreten. 3 Männer haben sich der freireligiösen Gemeinde angeschlossen und 11 Personen, und zwar 10 männliche und 1 weibliche, wollten konfessionslos bleiben, während 11 Personen, und zwar ebenfalls 10 Männer und 1 Frau, später wieder zum Judentum zurückgetreten sind. In j e d e m Jahre hat sich der größte Teil der Austretenden, deren künftige Religion bekannt geworden ist, der evangelischen Kirche angeschlossen. Es darf angenommen werden, daß mehr als 90 % der aus dem Judentume Austretenden zur evangelischen Kirche übertreten, wenn auch zugegeben werden muß, daß die ermittelten 703 Fälle nicht ohne weiteres als eine durchaus maßgebende Stichprobe angesehen werden können. Der Umstand jedoch, daß alljährlich dieselbe Erscheinung wiederkehrt, spricht dafür, daß es sich hier um einen typischen Zustand handelt. Es kann deshalb wohl der Satz ausgesprochen werden, daß die Zahl der aus dem Judentum austretenden Personen, welche sich einer anderen Konfession als der evangelischen zuwenden oder konfessionslos bleiben, eine ganz geringfügige ist und daß der Austritt aus dem Judentum in der Kegel in der Absicht erfolgt, um zu der evangelischen Kirche überzutreten. Zur Statistik der Juden ii Von Dr. Arth u r I. Ve rteilung auf Stadt und Land. Das 19. Jahrhundert hat in Deutschland die Bedeutung der Städte als der Mittelpunkte j der industriellen und kommerziellen Ent- I wicklung ausserordentlich gesteigert. Während ■ sich im 18. Jahrhundert das Wirtschaftsleben j noch durchaus auf der Landwirtschaft aufj baute und der weitaus grösste Teil der Bej völkerungin dörflichen Gemeinschaften wohnte, j ist am Ende des 19. Jahrhunderts die städtische! Bevölkerung der ländlichen an Zahl gleich | und Handel und Industrie sind in ihrer Bei a Grossherzogtum Hessen. K u p p 5 n , Berlin, deutung für die deutsche Volkswirtschaft der Landwirtschaft mehr und mehr ebenbürtig geworden. Bei den Juden war der Handel schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die hauptsächlichste Erwerbsquelle, und man könnte meinen, daß ihre berufliche Gliederung und örtliche Verteilung deshalb von den wirtschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts weniger berührt worden seien. Das ist jedoch unrichtig. Auch ihre Erwerbstätigkeit ist von Grund auf umgestaltet worden. Wie man im 17. und 18.