Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Die hebräische Sprache in der Gegenwart
Date
1907-08-01
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-3187638-3187647-3189580--1254-3189637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 133 — verständlich wird. Dagegen ist es ihm vortrefflich gelungen, die echte europäische Poesie in hebräischem Gewände darzustellen. Eine sehr reiche und leichte Sprache ist die des jungen Poeten Jacob Cohen. Was das Metrum in der modernen hebräischen Poesie betrifft, so ist zu bemerken, daß das arabische Yersmaß der spanischen Periode bereits am Anfang des vorigen Jahrhunderts zu schwinden begann. Statt dessen führten die hebräischen Poeten das sogenannte „quantitierende" Yersmaß ein, wonach die Verse gereimt sein müssen und die Anzahl der Vokale in jedem Verse nicht mehr als 11 (oder 13) und nicht weniger als 5 sein darf. Adam Hakohen (Lebensohn) und einige andere waren auch bemüht, den Vers nur mit einem Vokale, nicht mit Schewa, anzufangen und mit einem Worte zu schließen, das den Akzent auf der vorletzten Silbe hat. Allein die hebräischen Dichter der Gegenwart huldigen in ihren Dichtungen dem in den modernen Sprachen angenommenen akzentuierenden Rhythmus, worin der Versfuß aus betonten (langen) und unbetonten (kurzen) Silben sich bildet. Von dem zweisilbigen Versfuß sind am üblichsten der Jambus und der Trochäus, von den dreisilbigen — der Anapäst, der Daktylus und der Amphibrachus. Aber auch hierin zeigt sich der Einfluß des Yolksdialektes. In diesem Dialekte eben hat den Hauptton auch in den vorkommenden hebräischen Wörtern (wie in den Deutschen und Polnischen) nicht die letzte Silbe im Wort, sondern meist die vorletzte. Nach dieser Akzentuation richten sich auch die meisten Dichter bei der Bestimmung des Rhythmus. Dies ist aber nur bei den ,:Aschkenasimr der Fall, während bei den „Sefardim" (im spanischen «Spaniolisch" wie in dem persischen Jargon) in den hebi. Wörtern meist die Ultima betont wird. Diese und noch viele andere Prosaiker und Dichter machten die hebräische Sprache den andern modernen Sprachen gleich und befähigten sie, jedem modernen Gedanken und Begriffe Ausdruck zu geben. Das sich steigernde nationale Bewußtsein und die hohe Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur schaffen ihr immer weitere Kreise von Lesern und Verehrern, und diese versuchten es, auch in Europa dem Hebräischen als Umgangssprache wieder Eingang zu verschaffen. Immerhin fehlt der hebräischen Sprache in Europa die Natürlichkeit und Lebendigkeit, die sie in ihrer eigentlichen Heimat Palästina besitzt. In Palästina kann dem Bedürfnis nach neuen Sprachbildungen, wie es der lebendige Verkehr mit sich bringt, im Hebräischen als Umgangssprache ganz anders entsprochen werden als in Europa, wo es doch Schriftsprache geblieben ist. Während der Schreibende veranlaßt wird nachzudenken, um für jeden Gedanken den passenden Ausdruck zu finden oder jedes in der Sprache fehlende Wort durch eine entsprechende Umschreibung zu ersetzen — ist das alles beim mündlichen Verkehr gänzlich ausgeschlossen. Hier muß sich auch der ungebildete Volksmann und das lallende Kind im Momente des Redens selber rasch helfen; und auch ihre spontanen und natürlichen Sprachbildungen schleichen sich in die Sprache hinein wie die künstlichen der Gelehrten und Grammatiker. Auch der äußerliche Einfluß macht im Orient die Entwicklung der hebräischen Sprache viel natürlicher als in Europa. Während er hier ein nichtsemitischer ist, kommt er dort mehr und mehr durch die nahe Berührung mit dem Arabischen zur Geltung. Zwar ist dies bis jetzt noch in geringem Maße der Fall. Denn nur die Juden aus Asien und Afrika sind von der arabischen Sprache stärker beeinflußt, während denjenigen aus Europa das Arabische noch fremd ist. Doch läßt sich eine solche Einwirkung schon nachweisen. Zunächst macht sich der arabische Einfluß in der Aussprache des Hebräischen bemerkbar. Nach und nach schwindet die europäische :.aschkenasischea Aussprache in allen ihren Abzweigungen vor der asiatischen „sef ardischen"; und diese befestigte sich, be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.