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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 132

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Die hebräische Sprache in der Gegenwart
Date
1907-08-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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— 132 — Wörtern und verlieh andern Wörtern eine Nebenbedeutung; zweitens läßt sich auch ein Einfluß der eigentümlichen Ausdrucksweise und des Satzbaues dieses Dialekts auf das Hebräische nachweisen. Immerhin sind die „Jargonismen" viel weniger dem Geiste der hebräischen Sprache zuwider als die ..Eussizismen" und „Germanismen", die sich auch nicht selten in der hebräischen Literatur bemerkbar machen. Denn der Jargon hatte ja von jeher unter dem Einfluß des Hebräischen gestanden und hat noch manches mit ihm gemein. Daß dieser Einfluß sich bei manchem hebräischen Schriftsteller nicht als etwas fremdes fühlbar macht, zeigt am besten die schöne typische Sprache in den Kunsterzeugnissen des Altmeisters S. J. Abramowitsch (mehr unter dem Pseudonym „Mendele Mocher-Seforini" im Volke bekannt). Ebenso gut paßt sich auch besonders der chassidische Jargon den genialen Kunstschöpfungen von J. L. Perez an, nicht selten auch den Werken des Dr. Berditschewsky. Dieselbe Stellung nimmt er auch in den Werken der gutenNachahmer dieserAutoren ein. Ganz an seinem Platz zeigt er sich auch bei dem Berufsfeuilletonisten A. N. Levinsky u. a. Der Sprache dieser Schriftsteller geben die im Volke üblichen Ausdrücke und naiven Wendungen einen eigentümlichen humoristischen Reiz1). Im großen und ganzen aber sind die besten hebräischen Schriftsteller bestrebt, einen von Barbarismen reinen Stil zu schreiben. In dieser Hinsicht ist die Sprache des Dawid Frischmann, Di\ Katzenellensohn, wie auch die sehr 1 eiche Sprache des jungverstorbenen Poeten Feuerberg hervorzuheben. Besonders aber zeichnet sich durch einen musterhaften x) Das Charakteristische in dem Hebr. dieser Kategorie von Schriftstellern, die meines Eraohtens die einzigen Fortsetzer der natürlichen Entwicklung der hebr. Sprache sind, besteht darin, daß ihnen immer der Volkadialekt in seiner echten Form vor Augen schwebt. Die Sätze bleiben meist unverändert, die hebr. Wörter, die in diesem Dialekt meist das Wesentliche jedes Satzes ausiinirhen, gehen gänzlich auch in den hebr. Satz über w. d die Neben worter des Satzes werden durch entsprechende leichte hebr. Wörter ersetzt. : Stil Rüben Brainin aus, der zahlreiche im \ echten Geiste des Hebräischen gebildete neue; Wörter enthält. I Als eigentlicher Vater des modernen hebrä- I ischen Stils ist Achad-Haam zu nennen. Seine i Sprache ist eine meisterhafte organische Ver-! einigung und Verarbeitung des ganzen hebräi ischen Wortschatzes aller Zeiten; er führte eine genaue und konsequenteAnwendung aller grammatischen und syntatetischen Formen durch,; ohne daß man dabei den geringsten Zwang j fühlte. I Er — behauptet man mit Recht — sei | in der neuern hebräischen Literatur den | jungen Schriftstellern zum Vorbild geworden, | nicht nur. wie man den Inhalt gedankenreich! zu gestalten, sondern auch, wie man den i reichen Gedanken den richtigen Ausdruck zu! verleihen habe1]. I Was Achad-Haam für die Prosa gewesen, | dasselbe wurde der lyrische Dichter Bialik für die Poesie. Nie hat bis auf ihn ein hebräischer Poet gewagt, solche echt dichterische Perlen der Lyrik in einer andern als in der gehobenen biblischen Sprache niederzu- I schreiben. Nur seiner unbegrenzten Bei herrschung des gesamten hebräischen Sprachj materials gelang es, einen wunderschönen, : farbenreichen, poetischen Stil zu schaffen: i einen Stil, der ebenso erhaben wie fließend; ist; der es immer von neuem versteht, durch die reizendsten eigenartigen Ausdrücke den Leser zu packen und die geheimsten Saiten seiner Seele zu berühren. Auch die Sjjrache des zweiten bedeutenden Dichters, epischer und erotischer Schöpfungen Saul Tschernichowsky enthält viele Neubildungen; diese machen vielfach aber einen gekünstelten Eindruck, wodurch der! Stil, wenn auch originell, doch oft schwerx) Der Stil des Achad-Haam ist hauptsächlich ein wissenschaftlicher oder publizistischer; aber trotz! der Exaktheit und Genauigkeit seiner Ausdrücke ist er merkwürdig leicht und tliessend. Die Sätze sind wie aus einem Gusse entstanden, ein Wort vom Satz auszuschliessen oder sogar zu ändern, würde kaum möglich sein; ebenso ist die Anreihung der Sätze aneinander durch eine Fülle von Partikeln eine musterhafte.

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