Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Probleme der Anthopologie der Juden
Date
1907-08-01
Page
Seite 125 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187638-3187647-3189579--1244-3189629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 125 — nomischen Verhältnisse dieser beiden Gruppen : nicht wesentlich verschieden sind: ebenso i wenig wissen wir, warum die Juden in Süd-; Rußland und in der Bukowina größer sind als die Juden in Turin oder Bayern, obgleich; die letzteren zweifellos in günstigeren sozialen und ökonomischen Verhältnissen leben. Eben-! so sind die Juden in Nord-Afrika sehr arm und leben, selbst wenn man ihre orientalische Umgebung berücksichtigt, in sehr zusammen- : gedrängten und ungesunden Verhältnissen; sie 1 sind jedoch größer als die eingeborenen Juden; in Frankreich, Deutschland und Italien. Wir können diese Unterschiede auch nicht den . äußeren physischen Einflüssen, wie Klima, i Höhenlage etc. zuschreiben, weil ein Studium j dieser Faktoren, wenn überhaupt, so nur eine geringe Beziehung zu der Körpergröße der \ nicht-jüdischen Bevölkerung dieser Länder ergibt. Bei den Juden können wir keine Beziehung der Körpergröße zu derartigen äußeren : Urnständen finden. Eine sorgfältige Untersuchung der Größe | der Juden im Vergleich zu der Größe der j nicht-jüdischen Bevölkerung, unter welcher j sie leben, fördert einige Beziehungen zu Tage, : die in diesem Zusammenhang von Wert sind. Man hat gefunden, daß in Ländern, in welchen die eingeborene Bevölkerung groß ist, auch die Juden von größerer Statur sind, und umgekehrt sind die Juden klein, wenn auch die nicht-jüdische Bevölkerung klein ist. Diese bemerkenswerte Erscheinung tritt klar zu Tage, wenn man einen Vergleich zwischen der ■ Durchschnittsgröße der Juden und Nichtjuden in verschiedenen Ländern anstellt. LTm mit Polen zu beginnen, so fanden wir bei den Russen und Österreichern, in deren Ländern eine große Anzahl Messungen an der Bevölkerung vorgenommen wurden, die; kleinsten Juden mit einer Durchschnittsgröße von 161 bis 162 cm. Es ist zweifelhaft, ob die Polen jemals größer waren, wie von verschiedenen Publizisten Polens verschiedentlich behauptet wurde, welche die physische Dekadenz ihrer Landsleute beklagen und dieselbe hauptsächlich durch ihre geringe Körpergröße, die im Durchschnitt 161 bis 164 cm beträgt, begründen. Einige versuchten, diese Größenabnahme dem Vorhandensein einer großen Anzahl Juden in ihrem Lande zuzuschreiben, deren geringe Größe das Durchschnittsmaß herunterdrücke. Natürlich können Messungen von Rekruten, die e n b 1 o c genommen sind, ohne daß ein Versuch gemacht wurde, die Juden von den Christen zu trennen, zum Beweise dafür dienen, daß eine große Anzahl kleiner Juden den Durchschnitt be~ deutend herunterdrückt. Jedoch ist es eine Tatsache, daß auch in Fällen, wo die Juden separat betrachtet wurden, es sich nicht gezeigt hat, daß die Polen viel größer sind. So ergeben Snigireffs Statistiken, die sich auf eine große Anzahl Rekruten erstrecken, daß der Durchschnitt für die Polen 165,5 cm und für die Juden 162,8 beträgt; Elkind und Tolwinski ermittelten 161 für die Juden und 164 für die Polen. In Galizien haben die Juden dieselbe Durchschnittsgröße wie die Polen in diesem Lande, und zwar beide einen Durchschnitt von 162,3 cm Körpergröße nach Majer und Kopernicki. Alle diese Ziffern zeigen, daß die Juden in Polen sich dem Durchschnitt der eingeborenen Bevölkerung nähern. Süd-Rußland und Klein-Rußland ist meistens von Slawen bewohnt, die größer sind als die Polen. Die Klein-Russen sind zwischen 164 und 167 cm groß (Ivanowski). Es ist eine auffallende Tatsache, daß die Juden, die unter diesen Leuten leben, größer sind als die polnischen Juden. Weißenberg ermittelte einen Durchschnitt von 164,8 cm: die aus diesem Teile Rußlands nach den Vereinigten Staaten Eingewanderten waren 165,7 cm groß; selbst die Rekruten, über die Snigireff berichtet, welche erst 20 Jahre alt sind und ihre volle Größe noch nicht erreicht haben, waren 164,2 cm groß, und die jüdischen Rekruten in Odessa erreichten im Durchschnitt 166,9 cm (Pantiuchof), also mehr als die christlichen Rekruten in dieser Stadt, die nur 106,1 cm groß waren. In den nordwestlichen Provinzen von Rußland, in Litauen und Weiß-Rußland, wo die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.