Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Probleme der Anthopologie der Juden
Date
1907-08-01
Page
Seite 124 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2650397-3187638-3187647-3189579--1243-3189628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 124 — unter der eingewanderten Bevölkerung in New-York nur 23,3 % klein sind. Andererseits wurden große Juden in Europa zu 10,(55% angetroffen und fast ein doppelt so großes Verhältnis, 19,11 ,j/üj in Amerika. Der Selektionsprozeß bei der Einwanderung geht also in der Weise vor sich, daß eine große Anzahl kleiner Personen ausgeschaltet wird und das neue Land viele große Personen anzieht. Die schließliche Wirkung dieser Selektion zeigt sich in der physischen Entwickelung der Kinder dieser Eingewanderten. Der Verfasser hat ermittelt, daß die durchschnittliche Größe von 1404 eingewanderten Juden 104,2 cm war, während ihre Kinder, die erste Generation der Nachkommen der osteuropäischen eingewanderten Juden, 107,9 cm groß waren, d. h. eine Zunahme von 3,7 cm auf eine Generation. Diese Zunahme des Wachstums ist noch besser dargestellt in der nachfolgenden Tabelle, die die Verhältnisse von Personen einer bestimmten Größenklasse, entsprechend den 4 Größenklassen, in die wir unser Material eingeteilt haben, zeigt: Tabelle VIL Grösse der eingeborenen und ausländischen Juden. Grösse Ausländische Juden in zahl I Proz. Eingeborene Juden Anzahl! Proz. Klein Unter Heber Durchschnitt . . Durchschnitt . . 24,57 480 30,63 379 : 26',99 250; 17,81 11 8,87 30 2419 41 \ 33>)7 42 1 33,87 Insgesamt 1404 100,00 124 100,00 Aus dieser Tabelle sehen wir, daß, während unter den in Ost-Europa geborenen Juden 24,57 % von kleiner Statur waren (kleiner als 100 cm) nur 8,87 % der eingeborenen Juden diese geringe Körpergröße aufwiesen. Andererseits sind große Männer von 170 cm Körpergröße und darüber unter den eingeborenen Juden zu 33,87% vorhanden gegen j nur 17,81 % ihrer eingewanderten Eltern. Das | Verhältnis der Personen mittlerer Größe, j 160 bis 170 cm, ist in beiden Gruppen unj gefähr gleich. j Wir können sehen, daß hier ein Prozeß j doppelter Selektion mitwirkt. Die Eingewanderten sind im Durchschnitt größer als ihre Eltern. Daß Körpergröße vererbt wird, ist keine Frage. Wenn diesem Umstände noch andere Faktoren hinzugefügt werden, die einem gesunden Wachstum des Körpers förderlich sind, so haben wir gute Gründe für die größere Statur der eingewanderten amerikanischen Juden. In der Zeit, in der das Wachstum am meisten fortschreitet, besucht das jüdische Kind statt des ungesunden „Glieder" (Jüdische Schule) in Ost-Europa, eine moderne öffentliche Schule; als junger Mann ist der Jude hier hauptsächlich im Freien beschäftigt statt in den Schwitzwerkstätten wie viele der eingewanderten Juden (nur fünf von den 124 eingeborenen Juden wurden für Arbeiten in Schwitzwerkstätten engagiert). Außerdem schafft sich der eingeborene junge Mann im Osten von New-York City Bewegung in freier Luft, wie Spiele, Radfahren etc., was alles ein gesundes Wachstum und die Entwickelung des Körpers befördert. Aber wir müssen noch betonen, daß die in Amerika geborenen Juden deshalb im Freien und in Handelszweigen beschäftigt sind, welche größere Muskelkraft erfordern, weil sie für diese Art Arbeit qualifiziert sind; wenn sie physisch ebenso schwächlich wären wie ihre Glaubensgenossen in Ost- Europa, so würden sie sicher zu Schneider-, Schuhmacher- und Web erarbeiten etc. gezwungen werden. Rassen-Einflüsse auf die Körpergröße. Wir sind somit zu dem Schlüsse gekommen, daß soziale und ökonomische Verhältnisse einigen Einfluß auf die Größe haben. Zwar macht sich derselbe gewöhnlich in indirekter Weise geltend dadurch, daß sich schwächliche Personen Beschäftigungen suchen, die keine Muskelkräfte erfordern; es kann jedoch nicht gesagt werden, daß der Einfluß ein sehr empfindlicher ist. Wir sind demnach also über den wichtigsten Teil des Problems noch nicht im Klaren. Wir wissen noch nicht, aus welchem Grunde die Juden in Polen kleiner sind als die in Rumänien, obgleich die Öko-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.