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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. Seite 55

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
Die Kriminalität der Juden und der Alkohol
Date
1907-04-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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- OD - mäßigen Genuß von alkoholischen Getränken gewöhnt, der früher hei ihnen eine Ausnahme bildete und bei den östlichen Juden im allgemeinen noch eine Ausnahme ist. Dabei | haben viele Juden, speziell die akademisch! Gebildeten und die Heichen, das Quantum | allmählich vergrößert, sie haben sich gewöhnt, j etwas zu vertragen und stehen bei allgemeinen \ Festen, Kommersen u. dgl., bei denen ja der I Sitte gemäß der Alkohol in Strömen hießt,; und Exzesse ganz naturgemäß sind, hinter! ihren christlichen Mitbürgern wenig zurück. So erklärt sich vielleicht auch, wenigstens zum ' Teil, die überaus starke Beteiligung der Juden an ' Duellen, die ja vorzugsweise im Rausch konj trahiert werden, so auch die immerhin noch ver-! hältiusmäßig starke Beteiligung der Juden in : Dresden an den Delikten alkoholischen Urj snrungs mit 2 Promille. Sind doch auch die! Juden in den Trinkerheilanstalten, wenigstens j in den vornehmeren, durchaus keine solche i Seltenheit mehr. Auch die zunehmende Erj krankungshäufigkeit und Sterblichkeit unter j den erwachsenen Juden, wie sie die Statistik : ergibt, ohne allerdings die der Christen zu erreichen, dürfte als ein Ausdruck für die! allmähliche Verbreitung des Alkoholismus j unter den Juden zu gelten haben, wenn j sie natürlich auch hier noch weit hinter ihren \ Wirtsvölkern zurückstehen und im allgemeinen | noch immer als sehr mäßig bezeichnet werden j können.! Dabei drängt sich von selbst die Frage j auf, worauf denn eigentlichdie auffällige Mäßig- | keit der Juden beruht und wie sie zu erj klären ist. Es ist dies eine Frage, die schon i vielfach gestellt, aber noch nie befriedigend; beantwortet worden ist. Die meisten begnügen j sich damit, sie als eine Rasseneigentüm-; lichkeit hinzustellen. „Es scheint," sagt j Georg Bear (Arch. of. Ethnology, cit. j Baer, Alkoholismus) „in ihrem Nervensystem, in ihrer Konstitution eine besondere Eigenj schaft zu liegen, die sie befähigt, den \ Verlockungen des Alkohols zu widerstehen." \ Damit ist natürlich nichts erklärt, sondern I die Frage nur verschoben. Woher stammt; denn diese Eigenschaft, diese Rasseneigentümiichkeit? Das ist ja eben die Frage, um die es sich handelt. Wir werden, um der Lösung näherzukommen, gut tun, uns nach anderen Völkern umzusehen, die ebenfalls als sehr maßig bekannt sind. Da finden wir die alten orientalischen Völker, zu denen ja die Juden ihren Ursprung nach auch gehören, die Indier, die Chinesen, die Japaner, die Araber, die Türken, um nur die bedeutendsten zu nennen. Bei den letzten ist die Enthaltung von alkoholischen Getränken religiöse Vorschrift, und so scheinen es überhaupt uralte religiöse Vorstellungen zu sein, welche die orientalische Mäßigkeit bedingen, Vorstellungen der Reinheit, die im Orient wurzeln und mehr oder weniger bewußt und mehr oder weniger ausgesprochen von den Religionsstiftern und Lehrern des Volkes zu Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsvorschriften benutzt worden sind. Auf sol chenGrundlagen beruht unfraglich dasKoranvcrbot, auf solchen Grundlagen auch die zahlreichen Hinweise und Geboten gleichkommen— den Ermahnungen zur Mäßigkeit, die sich in der Thora und in den Propheten finden. Die gesetzestreuen Juden haben diese Gebote stets streng befolgt, wozu noch ein durch das Studium der Lehre dauernd wachgehaltener Abscheu vor den Unsitten und der Lmmäßigkeit der Niehtiuden, sowie eine durch die Speisegesetze bedingte strenge Absonderung von diesen kam, so daß im Essen und Trinken ein Convivivium mit ihnen ausgeschlossen war. Dies gilt erst recht für die Diaspora, wo die Verfolgungen die Juden enger aneinander schlössen und eine noch strengere Absonderung von der Umgebung im ,,Ghetto" bewirkten. Die heutigen Juden sind aber die Nachkommen einer langen Reihe von Generationen gesetzestreuer und außerordentlich mäßiger oder enthaltsamer Juden. Denn was nicht gesetzestreu war, ist bald abgefallen und in der umgebenden Bevölkerung aufgegangen. So stellt sich die Mäßigkeit der Juden dar als eine durch unendlich zahlreiche Generationen hindurch geübte Gewohnheit wahrscheinlich religiösen Ursprungs, die schließlich zu einer Art in-

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