Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die Kriminalität der Juden und der Alkohol
- Date
- 1907-04-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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— 53 — klären ist, denen sie als Juden ausgesetzt cind. Übrigens ist der Jude nicht ruhiger und der Christ nicht jähzorniger, sondern das Umgekehrte ist richtig. Die nervöse Unruhe, Lebhaftigkeit und Heftigkeit der Juden ist bekannt, und so erklärt sich auch die stärkere Beteiligung der Juden an Beleidigungen 140 % .in denen ihre Erregbarkeit sich äußert. Berechtigter ist der Hinweis Kupp ins auf die durchschnittlich größere Bildung der Juden, um die relative Seltenheit der Roheits- und Gewalttätigkeitsdelikte bei ihnen zu erklären, (diese Zeitschr. Jahrg. I, Heft 1, S. 9), und sicher dabei dieser Faktor neben dem Freibleiben von Alkoholismus eine Bedeutung. Die Juden sind eben ein uraltes Kulturvolk, das sich seine hochstehende geistige und moralische Kultur trotz der unendlichen Leiden und Verfolgungen von 2000 Jahren zu erhalten gewußt hat. Aber auch dabei ist die Mäßigkeit der Juden gegenüber der durchschnittlichen Unmäßigkeit ihrer Wirts Völker von Einfluß, denn der Alkoholismus ist der größte Hemmschuh für Bildung und Kultur. Die relative Seltenheit der wesentlichsten Vermögensdelikte bei den Juden, besonders des einfachen und schweren Diebstals, des Raubes, der Unterschlagung und der Brandstiftung ist ebenfalls, wenigstens teilweise, aus der Seltenheit des Alkoholismus bei ihnen zu erklären. Der Diebstahl ist es besonders, der infolge der so häufig durch den Alkoholismus hervorgerufenen Not und Armut in diesem eine wichtige Quelle hat. Es sind nicht immer besonders hohe Grade des Alkoholismus nötig, um zum Diebstahl zu führen, es genügt die Gewöhnung an regelmäßigen Alkoholgenuß mittleren Grades, um in schlechteren Zeiten, z. B. beim Steigen der Lebensmittel oder der Wohnungspreise, oder beim Sinken der Löhne oder bei gelegentlicher Arbeitslosigkeit zur LTnehrlichkeit zu führen, zumal die sittliche Widerstandskraft durch regelmäßigen Alkoholgenuß herabgesetzt ist. Kommt es aber durch stärkeren Alkoholismus zur völligen Zerrüttung der ökonomischen Verhältnisse, so sind bei der gleichzeitigen sittlichen Entartung Diebstahl und andere Vermögensdelikte an der Tagesordnung. Juden verarmen durch Unj glücksfälle oder unglückliche Verhältnisse, daß aber ein Jude durch Alkoholismus verarmt, ist ein außerordentlich seltenes Vorkommnis. So ist denn in den Ländern des Westens, wo die Juden größere Bewegungsfreiheit haben, das ökonomische Aufsteigen der Juden die Regel, das Herunterkommen die Ausnahme. Die größere Wohlhabenheit der Juden, die von R up p i n zur Erklärung der Seltenheit der flagranten Eigentumsdelikte bei ihnen angeführt wird (a. a. 0.), aber nur für die westlichen Juden gilt, ist eben vorzugsweise eine Folge ihrer Nüchternheit und Solidität; dazu kommt noch ihr Fleiß, ihre Arbeitsamkeit, ihre Energie, ihre Umsicht und ihre Intelligenz, alles Eigenschaften, die der Aiko- holismus zu zerstören, die Nüchternheit zu erhalten und zu fördern geeignet ist. Ferner ist noch zu berücksichtigen, daß die Diebe, zumal die Gewohnheitsdiebe, besonders häufig Trinkerfamilien entstammen, die bei den Juden so gut wie ganz fehlen. Sichart ermittelte z. B. unter 1714 Zuchthäuslern in Württemberg, daß von den Dieben 18,7 % trunksüchtige Eitern hatten (soweit sichere Angaben, die gerade bei diesem Material naturgemäß sehr mangelhaft sind, zu erlangen waren), während bei den übrigen Verbrechern die ermittelten Zahlen kleiner waren. So ist denn die geringe Beteiligung der Juden an Diebstahl und Raub ganz natürlich. Wenn sie dagegen bei andern Vermögensdelikten, wie Wucher, betrügerischem Bankerott, gewerbsmäßiger Hehlerei, Nahrungsmittelverfälschung, Urkundenfälschung die christliche Kriminalität so sehr überragen, (um das 3—5 fache und noch mehr), so erklärt sich dies, wie bereits vielfach hervorgehoben worden ist, und auch in der amtlichen deutschen Kriminalstatistik (1901, II, S. 98) direkt betont wird, aus der vorwiegenden beruflichen Tätigkeit