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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
Die Kriminalität der Juden und der Alkohol
Date
1907-04-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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— 52 — wird, indem der Alkohol die Gier erweckt und j auftauchende Bedenken betäubt. Häufiger ist \ sie aber die Tat des verkommenen Trinkers, der schließlich vor keinem Verbrechen zurückschreckt. B a e r fand unter deutschen Mördern 46% Trinker (27% Gelegenheits¬ und 19 % Gewohnheitstrinker), v. Koblinski unter 55 Mördern 14,6 %, die zur Zeit der Tat betrunken waren und 27,3 % Gewohnheitstrinker, Malgat in Nizza unter 33 Mördern 54,5 % Trinker. Eine größere Rolle noch scheint beim Mord die Trunksucht als Ursache der Familienentartung zu spielen. Mörder entstammen meist verkommenen Familien, und die Ursache der Verkommenheit ist gewöhnlich der Alkoholismus der Ahnen. Solche durch Trunksucht verkommenen Familien fehlen aber bei den Juden. Daß Kinclesmord und Kindesaussetzung bei den Juden fehlen, hat einmal seinen Grund darin, daß der uneheliche Verkehr und die uneheliche Schwängerung von Jüdinnen verhältnismäßig selten sind1), wobei auch der Umstand ins Gewicht fällt, daß die uneheliche Schwängerung häufig genug imRaus che erfolgt, solcher aber bei Jüdinnen kaum vorkommt, andererseits darin, daß der Familiensinn und die Mutterliebe bei den Jüdinnen außerordentlich stark ausgeprägt ist. So verroht und gefühllos, daß sie ihr eigenes Kind tötet oder durch Aussetzung dem Tode preisgibt, ist aber j eine jüdische Mutter nicht. Dabei ist zu bedenken, daß die Rohheit und Gefühllosigkeit, die bei christlichen unehelich Gebärenden zum Kindesmorde führt, häufig genug das Erbteil oder das Erziehungsresultat ist. das sie j von einem trunksüchtigen Vater oder einer j trunksüchtigen Mutter überkommen haben. I Raufhändel und Messerstechereien, die fast nur im Anschluß an Trinkexzesse sich ereignen, und sich im Wirtshaus oder auf dem Heimx) In Preußen kamen von 1875—99 auf 1000 eheliehe Kinder von christlichen Müttern 88,16 uneheliche, von jüdischen aber nur 28,37, in Bayern beträgt die Prozentzahl der unehelichen Geburten bei den Katholiken 13,1°/0, bei den Evangelischen 12,1 %, bei den Juden aber nur 1,2 °/0. weg vom Wirtshaus abspielen, kommen bei den Juden, die Kaffeehausbesucher, aber keine Wirtshausbesucher sind, garnicht oder so gut wie garnicht vor. Ähnliches gilt von den Sachbeschädigungen, die bei den Juden sehr viel seltener sind als bei den Nichtjuden. Ruppin („Juden der Gegenwart" S. 235), der den Faktor des Alkoholismus bei der Erklärung der geringen Kriminalität der Juden ganz außer Acht läßt, ist geneigt, die stärkere Beteiligung der Christen an Personen- und Roheitsdelikten auf ihre größere physische Kraft zu beziehen, infolge der sie mehr zu Jähzorn und Gewalttätigkeiten neigen sollen „als der im allgemeinen ruhige und allen Rauf handeln ausweichende Jude". Daß der Jude allen Raufhändeln ausweicht, und der Christ mehr zu Gewalttätigkeiten neigt, ist richtig; das geht schon aus der Statistik hervor. Jenes ist aber nicht aus Mangel an physischer Kraft, sondern aus Mangel an Rauflust und Roheit alkoholischen Ursprungs zu erklären, ebenso wie die stärkere Neigung der Christen zu Gewalttätigkeiten nicht aus ihrer größeren physischen Kraft, sondern vorzugsweise aus ihren Trinkexzessen und ihrer Trunksucht entspringt. Gewalttätigkeiten kommen, wie die tägliche Erfahrung zeigt, ebensowohl bei kleinen und schwächlichen als bei großen und starken Personen vor. Zu einem Messerstich oder einem Steinwurf oder einer Gewalttat ähnlicher Art gehört kern besonders großer Mut oder große Kraft. Sind doch auch bei den Sachbeschädigungen, zu denen erst recht nicht besonderer Mut oder physische Kraft gehört, die Juden im Verhältnis viermal so wenig beteiligt als die Christen. Daß es den Juden übrigens nicht an Mut fehlt, was ihnen das Vorurteil vielfach vorwirft, beweist, wenn es nach den Heldentaten der Juden im russisch-japanischen Kriege und bei der russischen Revolution überhaupt noch eines Beweises bedarf, ihre 3V2 mal stärkere Beteiligung am Zweikampf die durch ihren verhältnismäßig starken Anteil an der akademischen Bevölkerung und durch die größere Häufigkeit ernster Konflikte zu er-

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