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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 41

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Die Kriminalität der Juden und der Alkohol
Date
1907-03-01
Page
Seite 41 (sequence 4)
Language
German
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— 41 — tiken im allgemeinen zwischen 25 u. 40%. Dabei ergibt sich das bemerkenswerte Resultat, daß Gewohnheitsverbrecher mehr durch Alkoholismus der Eltern belastet sind als Gelegenheitsverbrecher, rückfällige Verbrecher mehr als erstmalig bestrafte, Zuchthäusler mehr als andere Sträflinge. Das weist deutlich darauf hin, daß das Gewohnheitsverbrechertum sich in besonders starkem Maße aus den Trinkerkindem rekrutiert. Zu beachten ist noch, daß, wie neuere Untersuchungen festgestellt haben, neben dem chronischen Alkoholismus auch die Zeugung im gelegentlichen Rausch degenerierte Sprößlinge schafft, indem der Alkohol sehr schnell in die Geschlechtsdrüsen übergeht und so die Keime vergiftet. Speziell die Untersuchungen von Bezzola und Hartmann haben ergeben, daß dem Durchschnitt der Kinder gegenüber die Schwachsinnigen, aus denen sich die Verbrecher zum großen Teil zusammensetzen, und die Verbrecher selbst vorzugsweise in den Zeiten des Jahres gezeugt werden, in denen erfahrungsgemäß am meisten getrunken wird und die meisten Exzesse stattfinden. Infolge der ungeheuren Zahl der Räusche, die täglich vorkommen, und der Steigerung der Geschlechtslust durch den Rausch ist es sehr wahrscheinlich, daß täglich zahlreiche Wesen entstehen, die ihre mangelhafte, krankhafte Anlage, ihre verbrecherische Natur der gelegentlichen Trunkenheit ihrer Erzeuger beim Zeugungsakte verdanken. Diese Auseinandersetzungen über den gewaltigen Einfluß des Alkohols und des Alkoholismus auf die Hervorrufung von Straftaten mußten vorausgeschickt werden, um ein Verständnis für die Besonderheiten der Kriminalität der Juden zu ermöglichen. Es ist ja bei dem großen Einfluß, den der Alkoholismus auf che Kriminalität hat, a priori anzunehmen, daß Gruppen von Individuen, Bevölkerungsklassen, die sich vom Alkoholismus ganz oder zum großen Teil frei halten, eine wesentlich geringere Kriminalität haben, als die übrige Bevölkerung, die vom Alkoholismus stark durchseucht ist. So haben in der indischen Armee die in ziemlich großer Zahl vorhandenen Enthaltsamen eine minimale Kriminalität gegenüber den übrigen Truppen, so ist die Kriminalität der Frauen, die ja im allgemeinen sehr mäßig sind und sich zu einem großen Teil ganz oder fast ganz vom .Alkohol fernhalten, in allen Ländern eine wesentlich geringere als die der Männer, bei denen sie im Durchschnitt etwa 6 mal so groß ist. Und das gleiche kann man bei den Juden erwarten, die sich von jeher durch eine sprichwörtlich gewordene, vielfach der Enthaltsamkeit nahekommende, Mäßigkeit ausgezeichnet haben. In der Tat ergibt sich, daß in allen Ländern, wo Statistiken darüber existieren, die Kriminalität der Juden wesentlich geringer ist als die der übrigen Bevölkerung, Dies gilt auch dort, wo die Juden außerordentlich gedrückt und verfolgt sind, und zum überwiegenden - Teil in größter Armut und Misere leben, wie in den östlichen Ländern (Rußland, Galizien). Ja, hiergilt es zum Teil noch in höherem Maße, weil sich die Juden hier noch nicht assimiliert haben und ihren alten Sitten und Gewohnheiten anhängen, zu denen auch die Mäßigkeit gehört. So kamen nach R u p p i n (Die Juden der Gegenwart 1904, S. 292) in Rußland (1875—85) auf 100000 Einwohner bei den Juden 259, bei den Nichtjuden aber 426 (Verhältnis 60 %), in Holland 1896—1900 bei den Juden 199, bei den Nichtjuden 305 (Verhältnis 66 %), und 1898—1902 bei ersteren 183, bei den letzteren 298 (Verhältnis 62%), in Frankreich 1897 in den Strafanstalten bei den Juden 199, bei den Nichts juden 375 (Verhältnis 69%), in Österreich (nach der Österreichischen Statistik 1904, Bd. 21, S. XCVI) 190Ö und 1901 bei den Juden 107, bei den Nichtjuden 146 (Verhältnis 73 In Österreich speziell hat die Judenheit in Galizien, wo die ärmsten Juden unter den traurigsten Verhältnissen wohnen, eine wesent- 3) Bei allen diesen Statistiken, wie bei der folgenden ist zu beachten, daß die Juden verhältnismäßig weniger Kinder und mehr Erwachsene, also mehr Strafmündige unter sich haben als die Nichtjuden, wodurch sich die Kriminalitätszahlen bei den Juden ungünstiger gestalten als bei den Nichtjuden.

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