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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 40

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Die Kriminalität der Juden und der Alkohol
Date
1907-03-01
Page
Seite 40 (sequence 3)
Language
German
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— 40 — Gefangenen 72 % Trinker, und 1900 im Zentralgefängnis zuPoissy unter 5 300 verurteilten Männern 66 % Trinker, Malgat im Zellengefängnis zu Nizza unter 1244 Gefangenen 60 %, Masoin in der Strafanstalt zu Löwen unter fast 3000 Sträflingen (von 1872—95) 45%, Geill im Gefängnis zu Kopenhagen (1899—1901) unter 1845 Mannen 38%, Bang in den Strafanstalten Norwegens unter 1232 Sträflingen (1881—89) 44% (51% bei den Männern, 16% bei den Frauen), Krol in Käsen unter 3 226 Sträflingen 43%, Kantele in Finnland im Jahre 1898 unter rund 7000 männlichen und 1700 weiblichen Verurteilten 35 % bei den Männern und 23% bei den Frauen, (bei den zu Zwangsarbeit Verurteilten 64 resp. 67%, bei den Zuchthäuslern 41 resp. 21% Trinker). Wadlin in Massachusets fand, daß unter den fast 2 700 Krimmalfällen (1894/95) sogar 84% der Täter chronische Alkoholisten waren, während unter den 8 440 eigentlichen Verbrecher immerhin 51 % durch ihren chronischen Alkoholismus zu der Tat geführt waren. Dazu kommen noch die gamicht so seltenen Fälle, wo Personen durch die Trunksucht Anderer resp. durch die Folgen, die diese hervorruft, Frauen und Kinder z. B. durch die Not und das Elend, die so häufig im Hause eines Trinkers herrschen, oder durch die schlechten Einflüsse, die das ganze Milieu einer Trinkerfamilie ausübt, (vernachlässigte körperliche und geistige Erziehung), zu Straftaten gebracht werden. Wadlin ermittelte unter seinem Krirninalfällen nicht weniger als 43 % solcher Fälle (Wright 1878/80 18 %). Besonders bedeutungsvoll aber ist der erbliche Einfluß, den die Trunksucht der Eltern auf die Nachkommenschaft ausübt und der sich in einer Entartung, in einer minderwertigen, krankhaften Anlage, speziell des Nervensystems der Kinder äußert. Trinkerkinder sind nur selten normal, die meisten sind von Jugend auf schwächlich, nervös, psychopathisch, reizbar, impulsiv, geistig wenig begabt oder direkt schwachsinnig, idiotisch, epileptisch, moralisch und sexuell pervers und neigen zu Trunksucht, Geistesstörungen und Verbrechen. Von 640 überleb endenNachkommen aus 215Trinkerfamilien, die L egrain in Paris bis in die vierte Generation untersucht hat, waren 50 % Entartete, Schwachsinnige, Idioten, 20% Epileptiker und Hysteriker, 23 % Geisteskranke, 31 % Trinker und 10 % moralisch pervers resp. Verbrecher. Dugdale hat die Nachkommen eines argen Trinkers aus deml8. Jahrhundert durch7Generationen verfolgt und unter den 709 Nachkommen 179 Prostituierte, 18 Bordellbesitzer, 77 Verbrecher, darunter 12 Mörder, und 202 in Armenhäusern untergebrachte oder öffentlich unterstützte Arme gefunden, während die meisten Trinker waren. Von den weiblichen Mitgliedern bestand die Hälfte aus Prostituierten, in der 5. Generation waren beinahe alle Frauen Prostituierte und die Männer Verbrecher; im ganzen bestand mehr als der dritte Teil aller Nachkommen aus Verbrechern, Vagabunden und Prostituierten. So ist es denn kein Wunder, daß sich die Verbrecher, speziell die sogenannten jugendlichen Verbrecher, die „geborenen" Verbrecher, zu nicht geringem Teil aus Trinkerkindern zusammensetzen. Die offizielle preußische Statistik ergibt unter den von 1896 bis 1900 eingelieferten rund 1750 Zwangszöglingen 20% Trinkerkinder. Doch handelt es sich dabei nur um eine Minimalzahl, da erfahrungsgemäß in zahlreichen Fällen die Trunksucht des Vaters (oder der Mutter) den Akten entgeht, ganz abgesehen von den Fällen, wo das Kind unehelich oder der Vater verschollen ist. Bei einer genauen Spezialuntersuchung, die Mönkemöller vor einigen Jahren in der Zwangserziehungsanstalt Lichtenberg bei Berlin anstellte, wurde ermittelt, daß nicht weniger als 67% aus Trinkerfamilien stammten. Von den in Schweizer Rettungsanstalten untergebrachten jugendlichen Verbrechern hatten 45 % der Knaben und 50 % der Mädchen trunksüchtige Eltern. Wadlin ermittelte bei den 422 in Massachusets (1895) untergebrachten Zwangszöglingen sogar, daß 84 % trunksüchtige Eltern hatten. Bei den erwachsenen Verbrechern schwanken die Statis-

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