Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Der Anteil der Juden an der Revolutionsbewegung in Rußland
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— 6 — bei großen Unterschieden, wie es z, B. in Tabelle VI der Fall ist. Aus Tabelle VII ist aber nur der Schluß gestattet, daß alle Bildungsgrade, außer der Elementarbildung, von den Juden gleichmäßig besetzt sind. Die auffallende Beteiligung der Juden mit Elementarbildung ist vielleicht dadurch zu erklären, daß in diese Gruppe wohl die ineisten derjenigen unglücklichen Jünglinge fallen, welche der herrschenden Beschränkungen wegen in die mittlere Schule nicht aufgenommen wurden. Uber die Berufsstellung bringt Tarnowski die in Tabelle VIII wiedergegebenen Daten. Tabelle VIII. Von je 100 Angeklagten des entsprechenden Berufes waren Beruf Juden Andersgläubige Gesundheitspflege. . . 58 42 50 50 Literatur und Kunst . 30 70 Höhere Schüler . . . £2<) 71 Oeifentlicher Dienst. . 22 78 Ingenieure u. dgl. . . 19 81 freie Berufe insgesamt 31 69 Buchdruck,- u. Binderei 75 25 63 37 Kleider-u.Schuhherstell. 63 37 Holzhandwerker . . . 31 69 Metallhandwerker . . 29 71 Fabrikarbeiter .... 14 86 Landwirtschaft . . . 0,4 1)9,6 Sonstige Berufe , . . 34 66 Leider läßt diese Tabelle, wie schon erwähnt, kemejgenaueren Schlüsse zu. Es läßt sich nur soviel sagen, daß die Juden nicht auf alle Berufe gleichmäßig verteilt sind. Nicht ohne Einfluß daraufist zweifellos, daß die wirkliche Verteilung von Juden und Christen nach Berufen verschieden ist. Auffallend ist aber die starke Beteiligung der jüdischen Ärzte und Lehrer, wogegen die jüdischen Literaten und Ingenieure bedeutend schwächer vertreten sind. Die geringere Beteiligung der jüdischen Schüler und der im öffentlichen Dienst Stehenden ist wohl Folge der künstlich herabgesetzten Zahl derselben. Am höchsten sind die im Buch- und Kleidergeschäft Arbeitenden vertreten. Die große Beteiligung der Handel, treibenden Juden ist wohl mit der Verbreitung dieses Berufes unter den Juden (42,6 Prozent) in Parallele zu setzen. Zum Schluß noch einige Angaben über den Anteil der Juden und Nicht]uden an den einzelnen Verbrechen. Tabelle IX. Anteil der Juden an den einzelnen Verbrechen, Verbrechen Insgesamt Juden Majestätsbeleidigung..... 11,5 1,4 Anteil an revolut. Vereinigungen 48,2 60,9 Politische Propaganda .... 37,6 37,7 Die Juden werden also höchst selten wegen Majestätsbeleidigung angeklagt, dagegen liefern sie den größten Prozentsatz der wegen Teilnahme an revolutionären Vereinigungen Angeklagten. Hier ist wieder hauptsächlich an den ,,Bundi£ zu denken, dessen Mitglieder von der Regierung energisch gesucht und verfolgt werden und dessen' erfolgreiche Tätigkeit, meistens im Westen konzentriert, vielleicht die einzige Ursache davon ist, daß die Juden während der letzten Jahre den Polen den Rang abgelaufen haben und jetzt den ersten Platz unter den Nichtrussen behaupten. Man muß Tarnowski schon dafür dankbar sein, daß er das ihm zugängliche Material ohne Vorurteil und ganz objektiv bearbeitet hat, was man von der offiziellen russischen Literatur nicht immer behaupten kann. Ersucht sogar den Juden gegenüber gerecht zu sein und möchte ich als Beweis dafür seine Schlußworte bringen. „Wir haben hier, sagt er, nicht die Absicht auf die Ursachen der Verbreitung der revolutionären Gährung unter der jüdischen Bevölkerung in Rußland näher einzugehen. Es ist jedoch zweifellos, daß schon die objektiven Existenzbedingungen der Juden in Rußland allein einen günstigen Nährboden dafür bilden. In den westeuropäischen Staaten läßt sich ein so gesteigerter Anteil der Juden an den Staatsverbrechen nicht feststellen. Es wird von großem Interesse sein nachzuforschen, inwiefern die während des Jahres 1905 in unserem | politischen Leben eingetretenen großen Ver-! änderungen dazu beitragen werden, den Gang