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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 179

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Juden und Armenier
Date
1906-12-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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— 179 — einer Gesamtbevölkerung von 6 000000 etwa 914000 15,1 % Armenier befinden (neben 4453000 Mohamedanern und 038 000 Andersgläubigen). Am dichtesten wohnen die Armenier in den erstgenannten 5 Vilayets, wo sie mit 033 250 Seelen 24 % der Gesamtbevölkerung ausmachen; die Mehrheit bilden sie in 7 von den 159 Subdistrikten, in welche jene 9 Vilayets zerfallen: in diesen 7 Subdistrikten wohnen 185 000 Armenier unter einer Gesamtbevölkerung von 282 000 Seelen. Im persischen Armenien beträgt die Zahl der Armenier nach der Ency clopedia Britannica 183000. Ausserdem dürften außerhalb des eigentlichen Armenien in der Türkei und Persien noch 000 000 und in anderen Ländern 250 000 Armenier leben, sodaß sich also die Gesamtzahl aller Armenier stellt auf 1173 000 in Rußland 914 000 in Türkisch-Armenien 180 000 in Persiseh-Armenien G00 000 in der übrigen Türkei 250 000 in sonstigen Ländern 3 067 000 Die Zahlen zeigen verschiedenes: einmal,; daß die Armenier an Zahl nur etwa VI 80 stark j sind als die Juden: sodann daß sie mit Aus- I nähme eines ganz kleinen Gebietes überall , als Minderheit unter fremden Völkern leben, i selbst auf dem Gebiete, auf dem sie früher j politisch selbständig waren. Sie gleichen den! Juden in Osteuropa sowohl hierin, als auch j ganz besonders darin, daß die umwohnenden j Völker nicht nur durch Sprache und Passe, j sondern auch durch die Religion von ihnen j verschieden sind. Im Zusammenhange damit j steht das feindselige Verhalten der um wohnenj den Völker zu ihnen. In frischer Erinnerung j sind noch die furchtbaren Metzeleien, die vor | einigen Jahren unter den Armeniern seitens i der Mohamedaner angerichtet wurden, die in; den Progromen gegen die Juden in Rußland ihr Gegenstück haben. Das Christentum haben die Armenier bereits im 3. u. 4. Jahrhundet angenommen und j inmitten einer mohamedanischen Umgebung j bis heute festgehalten. Sie haben eine eigene | Kirche gebildet, deren Oberhaupt (Katholikos) der in Etschmiadsin (in Russisch-Armenien) residierende Patriarch ist, dem eine Reihe von Erzbischöfen und Bischöfen untersteht. Von dieser armenischen Kirche, welcher die Hauptmasse aller Armenier angehört (die sogen, armenischen Gregorianer), hat sich seit dem Konzil von Florenz (1439) ein Teil der Armenier abgetrennt und sich mit der römischkatholischen Kirche, jedoch unter Aufrechterhaltung der nationalen und rituellen Eigentümlichkeiten, vereinigt. Diesen sogen, linierten Armeniern, deren. Zahl über 100000 betragen dürfte, wovon 88 840 auf Russisch-Armenien und das übrige Rußland entfallen, gehören hauptsächlich die reichen und gebildeten Ar. menier an, während die alte armenische Kirche die weniger gebildete Masse des armenischen Volkes unter sich hat, Daneben gibt es — durch die Wirksamkeit protestantischer Missionare im 19. Jahrhundert — unter den Armeniern auch eine geringe Zahl von Protestanten. Daß die protestantischen Missionare nur geringe Erfolge erzielt haben, ist hauptsächlich darin begründet, daß für die Armenier ihre Religion oder vielmehr ihre Kirche den letzten Rest nationaler Unabhängigkeit bedeutet. Alles, was bei ihnen von nationalem Bewußtsein noch lebendig ist, hat sich nach Verlust der politischen Unabhängigkeit in die armenische Kirche hinübergerettet, deren Organisation von den politischen Machtliabern nicht so leicht zu zerbrechen war. So kommt es, daß für den Armenier — genau so wie für den Juden — das Ausscheiden aus der armenischen Kirche nicht nur einen Glaubenswechsel, sondern zugleich ein Lösen aller Bande bedeutet, die ihn mit dem armenischen Volke verknüpfen. Die Kirche ist eine — und zugleich die einzige — nationale Institution; wer sie verläßt, wird deshalb von den Armeniern als Verräter an der nationalen Sache angesehen. Dieser Schritt wird deshalb selbst von den zahlreichen Armeniern, die infolge der Aufnahme europäischer Bildung der Nationalkirche mit ihrem starren Formeldienst als „Aufgeklärte" oder direkt feindselig

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