Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Juden und Armenier
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187651-3187663-3189096--0872-3189122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Baku 1× ep/1000527
- Kars 1× ep/2506332
OCR text
— 173 — sehen und armenischen Volkes hingewiesen j worden. „Die Armenier sind", heißt es in der j Grande Encyclopedie, «wie die Juden ein hej merkenswertes Beispiel eines Volkes, das trotz I wiederholten Verlustes seiner Unabhängigkeit j und trotz seiner Zerstreuung über einen großen | Teil Europas und Asiens seinen National-! eharakter zu bewahren gewußt hat und zwar \ dank der gemeinschaftlichen Sprache und der j gemeinschaftlichen Religion. Gleich den Juden \ haben die Armenier sich, nachdem sie Beweise von Tapferkeit und hoher kriegerischer Gesinnung an den Tag gelegt haben, zu einem \ großen Teil dem Handel zugewandt und sind; im ganzen Orient die unvermeidlichen Verj mittler jeder geschäftlichen Transaktion." j Die Geschichte Armeniens kann hier nur mit wenigen Worten berührt werden. Seine Existenz als selbstständiger Staat läßt sich bis zum Jahre 8000 v. Chr. zurückverfolgen. Im 7. vorchristlichen Jahrhundert wurde es von den Medern, im (>. Jahrhundert von den Persern unterworfen, geriet mit dem ganzen persischen Reiche im Jahre 330 unter die Herrschaft Alexanders d. Gr. und unterstand dann mit Unterbrechungen, in denen es seine politische Selbständigkeit zurückgewann, den verschiedensten fremden Staaten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde es, nach einer längeren Periode der Unabhängigkeit vom 10. bis 12. Jahrhundert, persische Provinz, um im Anfang des 10. Jahrhunderts — mit Ausnahme eines bei Persien verbleibenden Teils — an die Türkei zu fallen. Das Gebiet, das jetzt das russische Armenien bildet, ist durch die Russen erst im Jahre 1828 von Persien und im Jahre 1878 von der Türkei erobert worden. Die armenische Geschichte gleicht also bis ins 12. Jahrhundert, d. h. bis zum definitiven Verluste der Selbständigkeit, darin der Geschichte des jüdischen Reiches, daß sie das fortgesetzte — meist vergebliche Ringen — um die Erhaltung der Unabhängig- ~ ~ O ö keit darstellt. Allerdings trat bei den Armeniern der definitive Verlust der Unabhängig, keit erst ein Jahrtausend später als bei den Juden ein, und dieser Unistand im Verein damit, daß die Armenier nicht wie die Juden nach Verlust der Selbständigkeit gewaltsam in andere Länder entführt wurden, sondern in ihrem ursprünglichen Gebiete verblieben, wenn sie auch dieses Gebiet mit den Eroberern zu teilen hatten, erklärt zur Genüge, daß sich clas Xationalgefühl bei den Armeniern bis zum heutigen Tage in weit höherem Maße als bei den Juden erhalten hat. Die Hoffnungen auf Wiederherstellung eines selbständigen Armenien sind bei den Armeniern auch durchaus noch lebendig; gelegentlich des Berliner Kongresses von 1878 hatte der armenische Patriarch — allerdings vergeblich — bei den Großmächten dafür zu wirken gesucht. Heut ist das ehemalige Armenien politisch also teils zu Rußland, teils zur Türkei, teils zu Persien gehörig. Genaue Angaben über die Zahl der Armenier auf dem Gebiete des ehemaligen Armenien sind nur für das rus si s ch e Armem"en vorhanden, in welchem * bei der russischen Volkszählung von 1807 1 173 000 Armenier (d. h. Armenisch als Muttersprache sprechende Personen) gezählt wurden. Am dichtesten wohnen sie in den 4 Gouvernements Elisabethpol, Tifiis, Eriwan und Kars und zwar machten sie in ElLsabethpol 292 188-=^3,3 % d.fies.-Bev. v. 878415Seel. Tifiis 100180= 18,7 „ „ 1051032 „ Eriwan 441000---53,1 „ „ 820550 „ Kars 73100 25,2 „ „ 200700 „ aus. Außer diesen Gouvernements sind sie noch zahlreich im Gouvernement Baku, wo sie ca. 50 000 Seelen zählen, während die übn'gen ca. 125 000 Armenier zerstreut im russischen Reiche leben und überall nur kleine Minderheiten bilden. Das türkische Armenien ist in 9 Vilayets (Erzerum, Van, Bitlis, Kharput, Diarbekr, Sivas, Aleppo, Adana und Trebizond) geteilt, in denen sich nach einer Schätzung, die Generalleutnant Selenoy für die Geographische Gesellschaft des Kaukasus machte1), unter b Abgedruckt in deutscher Uebersetzung in Petermann's Mitteilungen,. Bd. 42, S. 1. Gotha 1S96.