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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. Seite 171

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
Die Juden in Serbien
Date
1906-11-01
Page
Seite 171 (sequence 4)
Language
German
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— 171 — Vorausgeschickt sei hier die flüchtige Skizze einer Erscheinung, die nicht bloß allgemein . interessant ist, sondern auch zur Beurteilung der dargestellten Verhältnisse unbedingt nötig ist.; Während Deutschland. Österreich, Ungarn, Italien, Spanien, Portugal, die Schweiz, Belgien,; die Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, England und Gibralter1) mehr Frauen als Männer anfweisen, überwiegen in Rußland, (europäisch Kußland, Kgr. Polen, Kaukasien, Sibirien, Mittelasien) Bosnien und der Her- , zegovina, Serbien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland die Männer. Wir sehen also, daß Zentral- und Westeuropa einen Überschuß an Frauen, die Balkanländer und Osteuropa einen Überschuß an Männern besitzen. Woher das kommt, das zu untersuchen, ist; liier nicht der Ort. Jedenfalls ist diese eigenj tümliche Erscheinung in den Balkanländern : nicht bloß durch soziale Momente hervor- ' gerufen, sondern es haben historische Entwicklung und Stammeseigentümlichkeiten; sicherlich mitgewirkt, um diese Verhältnisse : zu erzeugen. Man denke nur an das Haremwesen und die damit zusammenhängende kolossale Prostitution. Denn daß diese Um-; stände hieb ei kausal gewirkt haben, dafür gibt; es zahlenmäßige Belege. Mangels einer tür-; kischen Statistik lässt sich das Verhältnis der ] Geschlechter in diesem Lande nicht zum Vergleich heranziehen. Dagegen zeigt die serbische Nationalitäts- und Konfessionsstatistik in dieser Hinsicht Resultate, die zu denken geben. Die größte Differenz in den Beteiligungsziffern der Geschlechter, somit den größten Mangel an Frauen, haben die Arnauten und die Türken aufzuweisen.2) In einem Überj gangsstadium stehen die Serben (Slaven) und j Griechen, bei denen, namentlich auf dem j x) Vgl. hierzu das Stat. Jahrb. f. d. Deutsche R. 1905 iX. 3*. Für Frankreich waren mir die entsprechenden Zahlen nicht zugänglich. Luxemburg zeigt ein entgegengesetztes Verhalten wie das übrige Westeuropa. Die Türkei besitzt bekanntlich keine Statistik. Für Rumänien (die entsprechenden Zahlen fehlen im Jahrb.) vgl. Colesco a. a. O. p. 13 14. 2) cf. St. Kgr. Serb. Bd. XIII. p. CXVIII. flachen Lande, der Gegensatz der beiden Geschlechter nicht mehr so scharf ist. Die Deutschen und Ungarn — von den übrigen Europäern abgesehen — zeigen jedoch den auch in ihrer Heimat herrschenden Überschub an Frauen. Jovanovic sieht hierin nur eine Folge der Zuwanderung. ,?Das kommt daher, weil die Dienstmädchen meist Frauen dieser Nationalitäten sind."1) Das ist ein etwas summarisches Urteil, dem wir aber auch in der rumänischen Statistik begegnen,2) Denn die Zuwanderung mag sicherlich als Ursache einer ungleichen Verteilung der Geschlechter wirken (man denke nur an die Vereinigten Staaten!) sie wird jedoch mitunter, wie auch in unserem Falle, nur eine sekundäre Bedeutung haben. Denn in erster Linie stehen physiologische, ethnische Momente, wo solche wirksam sind. Und daß dies hier zutrifft, beweisen nicht bloß die oben gestreiften Gegensätze zwischen Ost und West, sondern das geht auch insbesondere aus den entsprechenden Verhältnissen bei den serbischen Juden hervor. Hier ist, wie wir gesehen haben, von einer Zuwanderung nicht die Rede. Und doch zeigen die Juden dasselbe Bild im kleinen, wie es die Gesamtbevölkerung aufweist. Bei den Spaniolen (den „türkischen" Juden) ist nämlich die Zahl der Frauen kleiner als die der Männer, bei den Deutschen und Ungarn hingegen, (den Aschkenasim) ist das Verhältnis ein umgekehrtes. Was die „slavischen" Juden anlangt, so ergänzen sie sich, wie gesagt, aus assimilierten Spaniolen und „Deutschen", kommen also hier nicht in Betracht, Dagegen ist es wichtig, daß in der Konfessionsstatistik die Stufenleiter genau dieselbe ist, wie bei der Gliederung nach der Nationalität. Das größte Defizit an Frauen zeigen die Mohammedaner, weniger groß ist dieses bei den Orthodoxen; nur die Juden, Katholiken und Protestanten haben einen Überschuß an Frauen auf zuweisen. Natürlich bezieht sich dieser letztere Satz nur auf die „deutschen"!) cf. St. Kgr. Serb. a. a. O. 2) cf. Colesco, a. a. O. p. 14.

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