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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. Seite 170

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
Die Juden in Serbien
Date
1906-11-01
Page
Seite 170 (sequence 3)
Language
German
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— 170 — scharfem nationalem Gegensatz zur Hauptmasse cle r serbischen G esamtbevölkerung. Die eingetretene Assimilation ist v e r s c Ii w i n cl e n d g e r i n g; i s t d o c Ii nie h t s so g e e i g n et. wie ei n e f remde Sprache, um nat iona 1 e Unte rschiede stark zu betonen. — In der nach 1895 folgenden Periode trat jedoch ein mächtiger Umschwung ein. Wodurch er hervorgerufen wurde, ob durch wirtschaftliche oder nationalpolitische Umstände, konnte ich nicht feststellen. Wahrscheinlich waren beide Momente im Spiele, um eine Slavisierung der serbischen Juden zu bewirken. Es beginnt die Periode der Assimilation!-j Während in der vergangenen Periode nur die wenigsten Juden sich der serbischen 'Umgangssprache bedienten, beträgt die Zahl derjenigen, die serbisch sprechen, 11)00 bereits über 40 %, also beinahe die Hälfte der Juden. Auf wessen Kosten diese Slavisierung vor sich gegangen ist, das zeigen ganz deutlich die Zahlen. Wohl ist auch das Deutsche und das Ungarische in seiner Bedeutung als Verkehrssprache relativ stark gesunken; allein hier handelte es sich überhaupt nur um kleine Zahlen. Dagegen hatte das Spaniolische, das vor 1895 von mehr als 4 5 sämtlicher Juden im Verkehr benützt wurde, im Jahre 1000 nur noch einen Bestand von 2(5,05 % aufzuweisen. Kaum mehr als ein Viertel der Judenschaft hat also jetzt das Spaniolische als Umgangssprache deklariert.1) Abgesehen von dem ersten Schritt zur Assimilation, den diese Aufgabe des «Jargons" bedeutet, fällt diese Erscheinung demographisch nicht allzusehr ins Gewicht. Aus den Ergebnissen der früheren Perioden wissen wir ja, wie die feinere Struktur der jüdischen Bevölkerung beschaffen ist, aus *) rtatürüch ist hier nur von einer kulturellen Assimilation die Rede. Die Zahl der Mischehen — in Betracht Kommen wohl nur solche von Getauften mit Christen — ist nach kombinatorischer Berechnung minimal. - An Bedeutung stark zugenommen haben neben dem Serbischen die ,,sonstigen Sprachen4', zu denen hauptsächlich die ,,Kultursprachen'4 zu rechnen sind. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen für die zunehmende Bildung unter den Juden in Serbien. welchen Elementen sich dieselbe zusammensetzt. Darin hat sich auch nach der Übernahme der Landessprache nichts oder nicht viel geändert, "Wir haben ja oben gesehen, daß eine Zuwanderung nicht stattfindet. Und die Zahl der Juden taufen — in Betrachtkommen hauptsächlich Übertritte zur griechisch-orthodoxen Kirche — ist ebenfalls nicht allzu bedeutend. Wie aus der hier gegebenen Übersicht zu entnehmen ist, erreichte die Zahl der Bekehrungen von Juden zur Orthodoxie. Eparchic 189 { 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 Belgrad 1 4 5 2 ö 5;11 -) ~) 4 Nis 1 1 1 — 1 — 2 — - 2 Sabas — — — — — — I — — — Thnok 1 — — — — 1 — — — — Ziza 1 — — — 1 — _ — — — Zusammen 4 5 0 2 7 G 14 O ö fi Taufen ihren Höhepunkt (mit 14) im Jahr 1900. Im Durchschnitt betrug sie im Jahrzehnt IS04. in sämtlichen Eparchieen jährlich 0,7. Erwägt man jedoch, daß in der Periode 189Ö—1900 die absolute Zunahme der Juden in Serbien 017 betrug und stellt man dieser Zahl die Summe der in der gleichen Periode an Juden vollzogenen Taufen gegenüber — die Ziffer beträgt 40 — so gewinnt die Erscheinung immerhin einen ernsteren Charakter. Daß in den beiden Eparchieen Belgrad und Nis die Summe der Judentaufen weitaus überwiegt, ist bei der Verteilung der Juden auf Stadt und Land nicht im geringsten verwunderlich. Die Schwankungen in der Bewegung der Taufen erklären sich größtenteils durch die kleinen Ziffern. Nur das Jahr 1000 verrät in dieser Beziehung eine kritische Natur. Wir haben nunmehr gesehen, daß in dem letzten Jahrzehnt eine kulturelle Assimilation der Juden in Serbien sich vollzieht. Daß auch eine gewisse — an Bedeutung viel stärkere — physiologische Anpassung sich vollzogen hat — und dies sicherlich schon vor sehr langer Zeit — darüber wird uns die folgende Betrachtung belehren, welche das Verhältnis der beiden Geschlechter untersuchen soll.

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