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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. Seite 157

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
Jüdisch-statistische Anregungen
Date
1906-10-01
Page
Seite 157 (sequence 3)
Language
German
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— 157 — tung wohl keine Rede mehr sein kann. Ferner würde aber, wollte man trotz alledem obiges Verhältnis durch private Umfrage ermitteln, der Vergleich der privat geimpften Kinder mit den meist den untern Schichten entstammenden öffentlich geimpften ein hinkender sein bei einer Erscheinung, die, wie Stillen und Xichtstiilen, von sozialen Ursachen wesentlich mitbeeinflußt wird. Ich möchte aber hiermit Kollegen, die entweder selbst Impfärzte oder mit solchen befreundet sind, und zwar hauptsächlich in solchen Städten und Gegenden, wo auch eine größere Zahl jüdischer Kinder zur öffentlichen Impfung gebracht werden, auf die damit gegebene vorzügliche Gelegenheit aufmerksam machen, bevölkerungsstatistisches Material sowohl in Bezug auf die körperliche Entwicklung der jüdischen und der andern Kinder als auch in Bezug auf andere Fragen und speziell die oben gestellte zu erheben. Eine weitere Anregung betrifft die Institution der Schulärzte. Bei den Statistiken, welche die letzteren alljährlich bezüglich der Schulkinder in den verschiedensten Hinsichten, z. B. in Bezug auf Körpergröße und Gewicht, Krankheiten, geistige Entwicklung, aufstellen müssen, würde es sich für denjenigen, der sich dafür interessiert, ohne besondere Mühe durch Anfügung einer Rubrik ..Religionsbekenntnis u ermöglichen lassen, Vergleichsmaterial zwischen jüdischen und nichtjüdischen Kindern zu erhalten. Dieses Material wäre aber einmal in praktisch-hygienischer Beziehung — denn nach der Entwicklung müssen sich die Ansprüche des Lehrplans an die Kinder richten —, sodann aber auch wissenschaftlich für die Anthropologie und die Rassenbiologie außerordentlich wertvoll. Denn so wie hier ist es sonst nicht möglich, Vergleichsmaterial für ganze große Bevölkerimgsgruppen zu erhalten. Bisher hat es sich um Anregungen gehandelt, die vor Allem den Mediziner interessieren. Ich zweifle aber nicht daran, daß nicht weniger der Vertreter jedes anderen wissenschaftlichen und praktischen Faches in derLage ist, ähnliche Gelegenheiten anzugeben. Zum Schluß möchte ich sodann noch auf eine Gelegenheit, der jüdischen Statistik Dienste zu erweise]i, aufmerksam machen, welche Jeder hat, der wissenschaftliche statistische Arbeiten liest. AVie oft linden sich in solchen, manchmal nur ganz kurz und nebenher, zahlenmäßige Angabe] 1 über jüdische Verhältnisse. Was in solchen Arbeiten nebensächlich ist, kann für unsre Zwecke sehr wertvoll sein, und es empfiehlt sich deshalb oft die Zitierung solcher kurzen „Lesefrüchte" in dieser ..Zeitschrift." Vielleicht finden meine anspruchslosen Bemerkungen hie und da ein williges Öhr und Danachachtung. Denn soll unsere jüdische Statistik den möglichen Hochstand erreichen, dann müssen alle vorhandenen Kräfte zusani] nen a rb ei ten. Anmerkung der Redaktion. Den dankenswerten Anregungen des Herrn Dr. Dreyfuß, die, soweit sie an die Adresse des Bureaus für Statistik der Juden gerichtet sind, nach Möglichkeit Berücksichtigung finden sollen, fügt die Redaktion noch einige weitere Vorschläge hinzu in der Hoffnung, daß sie damit den einen und den anderen Leser der Zeitschrift zu wünschenswerten statistischen A rb ei ten ve ran! aßt. I. Die Juden erreichen in West- und Mitteleuropa, durchweg ein höheres Durchschnittsalter als die Christen. Es ist streitig, inwieweit dies auf eine angeborene größere Lebenszähigkeit oder auf günstigere soziale Verhältnisse der Juden zurückzuführen ist. Die Streitfrage könnte exakt beantwortet werden, wenn nur solche Christen und Juden miteinander verglichen würden, die in solchen Verhältnissen leben, daß eine Verkürzung der Lebensdauer durch wirtschaftliche Not ausgeschlossen erscheint. Das beste Material für einen solche]"! Vergleich würden unseres Erachtens die höheren Beamten und Rechtsanwälte (daneben vielleicht auch Ärzte, Theologen, Oberlehrer) abgeben. Es würde also darauf ankommen festzustellen, in welchem Lebensalter die christlichen und die jüdischen Berufsgenossen verstorben sind, was entweder aus den Akten der Lebensver-

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