Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- Jüdisch-statistische Anregungen
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 156 — mit begnügen, seine Gedanken zu äußern und damit vielleicht andere, in günstigerer Lage Befindlichie zu Arbeiten anzuregen. Von diesem Gesichtspunkte aus mögen mir die nachfolgenden Bemerkungen über einige Möglichkeiten, unser statistisches Material zu bereichern und unsere. Arbeitsgelegenheiten zu vennehren, gestattet sein. Zunächst einige Worte an das ..Bureau für Statistik der Juden". "Wäre es nicht vielleicht möglich, für diejenigen, die fem von Bibliotheken wohnen und deshalb nicht in der Lage sind, für statistische Arbeiten sich das Material selbst zusammenzustellen, aus den früheren .Jahrgängen der Veröffentlichungen der verschiedenen offiziellen (staatlichen und städtischen) statistischen Bureaux alles, was sich auf die Bevölkerungsvorgänge der Juden bezieht, nach der Reihenfolge der Jahre zu sammeln? Auf diese Weise wäre sodann z. B. derjenige, der über die Sterblichkeit der Juden in den letzten Jahrzehnten arbeiten will, imstande, das Zahlenmaterial vereinigt zu finden. Wenn aber etwa eine solche Veröffentlichung, welche die Mortalität der Kinder und Er wach senen, Eheziffe r, G ebu rt en z iffer im Allgemeinen, sowie speziell der Unehelich- und Totgeborenen, Wanderungen und alles andere dergl. zu umfassen hätte, für die Zeitschrift zu umfangreich wäre, dann würde sich eine spezielle Herausgabe derselben empfehlen. Eine weitere Frage geht dahin, ob es nicht möglich wär<\ in im serin Sinne auf andere Organisationen und deren Publikationsorgane anregend zu wirken. Ich nenne z. B. die „Tabellarischen Übersichten, betreffend den Zivilstand der Stadt Frankfurt a. M.i; Diese vorzügliche, seit vielen Jahrzehnten erscheinende Veröffentliclnmg des dortigen statistischen Amtes enthält dankenswerter Weise Tabellen über die Zahl der Eheschließungen, der Geburten und der Sterbefälle der verschiedenen Religionsbekenntnisse. Dagegen fehlt leider eine Ausscheidung nach dem Religionsbekenntnis bei der Angabe der Todesursachen, eine Auscheidung, die, lange fortgesetzt, unsere ' immerhin noch lückenhafte Kenntnis unserer von der unserer nicht jüdischen Mitbürger verschiedenen Krankheitsdisposition erheblich fördern würde. Wäre es nicht möglich, im Sinne der Einführung einer solchen Taljelle an der entsprechenden Stelle vorstellig zu werden? Und nunmehr zu einigen spezielleren i Dingen: Vor kurzem haben in der ..Münch. Mediz. Wochenschr." Prof. Dr. M. Hahn und Dr.; G roth die Anregung gegeben, die öffentlichen; Impf Lemmie durch Befragen der die Kinder \ begleitenden Erwachsenen zu statistischen; Zwecken auszunützen. Demnächst erscheint! in der nämlichen ..Wochenschrift'* eine ent- I sprechende Arbeit des Verfassers dieser Zeilen i und des hiesigen Landgerichtsarztes Dr. Zahn, | in welcher auf Grund von bei der hiesigen; öffentlichen Impfung erhobenem Material die \ Ausbreitung der natürlichen und der küiist-! liehen Ernährung der Säuglinge hierzulande | untersucht wird. Es war nun. zuerst meine | Absicht, bei dieser Arbeit spezieil auf die | jüdischen Kinder zu achten und dann die; Häufigkeit des Stillens bei Juden und Nicht- \ Juden miteinander zu vergleichen. Auf Grund | der täglichen Erfahrung geht meine Ansicht i dahin, daß die jüdischen Mütter viel häufiger als die andern ihren Kindern die Brustnahrimg versagen, und daß in dieser Beziehung im! Interesse der Gesundheit unsrer Rasse in! unsern Kreisen eine energische Belehrung einj setzen muß. Meine Absicht, bei obiger Ge- | legenheit dies Verhältnis zahlenmäßig zu er_ \ mittein, scheiterte aber nicht nur daran, daß \ hierzulande fast alle jüdischen Kinder privat ■ geimpft werden und deshalb bei der öffent-; liehen Impfung nicht erscheinen, sondern vor '■■ allem daran, daß, wie überall in den städtischen jüdischen Gemeinden Westeuropas, so! auch hier trotz beständigen Zuzugs vom Lande her und trotz dadurch erfolgter Vergrößerung der Gemeinde die Geburtenziffer rapid gefallen ist. Sie beträgt bei einer Familienzahl von 247 in den letzten Jahren 10—15 pro Jahr, eine Zahl, bei der von statistischer Bearbei-