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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-07-01 · Heft 7 (Juli 1906) · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 7 (Juli 1906)
Article
Der Selbstmord bei den Juden mit besonderer Berücksichtigung Bayerns
Date
1906-07-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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- 104 — traste in der Selbstmordfrequenz der Juden in den einzelnen Ländern auch noch aus anderen Gründen entspringen als aus der größeren oder geringeren Religiosität der betr. Gruppe. Bei den Fällen, in denen geisteskranke Juden Selbstmord begehen, fällt die Bedeutung der Religion von selbst weg, und nur bei den in zurechnungsfähigem Zustand begangenen Selbstmorden ist es möglich und notwendig, zu untersuchen, inwieweit neben dem religiösen noch andere Momente in Betracht kommen die zur Erklärung der auffallenden Zahlen dienen können. Wenn sich nachweisen läßt, daß einer der den Selbstmord bestimmenden Faktoren bei den deutschen Juden in besonders hohem Grade gegeben ist, so ist damit abermals dargetan, daß Selbstmordfrequenz und Religiosität nicht einfach identifiziert werden dürfen; nur von den für die Erklärung der jüdischen Selbstmordfrequenz wichtigen Faktoren soll im Folgenden die Rede sein. Tabelle VI1). Staat Auf 100000 Einwohner treffen Geisteskranke Auf 100 bayrische Geisteskranke treffen Deutsches Reich (1870—1879) . 227,7 91 Preußen ......... 223,7 90 Sachsen .... ..... 208,3 83 Württemberg....... 41233 165 Baden.......... 271,9 109 Bayern......... 249,1 100 fOberbayern (1873-1877) . . 239,0 — Niederbayern „ . . 247,0 — Pfalz , . . 257,0 — 1 Oberfranken „ . . 250,0 — ] Mittelfranken „ . . 232,0 — Unterfranken „ . . 308.0 — Oberpfalz „ . . 230,0 — ^Schwaben „ . . 249,0 — Oestereich (1881—1885) . . . 145,1 5S Ungarn........ . 'Niederösterreich (1880) . . . 205,1 82 246,0 98 Oberösterreich...... 395,0 158 Triest.....• . . . 192,0 77 Böhmen........ 205,0 82 Mähren......... 205,0 82 J Schlesien ........ 207,0 82 ] Bukowina........ 103,0 41 Dalmatien........ 127,0 51 Galizien........ 90,0 36 Istrien......... 111,0 45 Krain......... 157,0 63 ^Steiermark ....... 486,0 195 1. Berufliche Gliederung. Die Neigung zum Selbstmord ist in den einzelnen Berufen sehr verschieden; wenn man dabei von der großen Selbstmordneigung der Soldaten (deren Gründe bekannt sind), absieht, so findet man die größte relative Zahl von Selbstmordfällen gerade bei den Berufen, an denen die Juden in Deutschland in ganz überwiegender Weise beteiligt sind. Von besonderer Bedeutung ist hier die Tätigkeit im Handelsgewerbe, das mit seinen zahlreichen Konkursen und Börsenverlusten eine ungewöhnlich große Zahl von Selbstmorden aufweist. Betrachtet man die Tabelle VII, so zeigen deren letzte zwei Zahlen- Tabelle VII1). Italien (1866-1876) Angehörige dos Berufs bilden °/0 der Bevölkerung. Auf 100 öelbstm. treffen An gehör, des Berufs. Selbstmörder auf lOGOOOO Angeh. des botr Berufs. Von 100 Angeh. des betr. Berufs sind in Deutschi. Juden Uiproduktion . . . 32,6 26,0 25,0 0,01 Industrie..... 12,3 22,3 56,7 0,55 0,75 5,9 j 246,5 5,71 Transportwesen. . . 0,1 3,1 1 154,7 — Landesverteidigung . 0,5 7,1 i 404,1 — Wissenschaft, Literat. 0,05 0,8 1 618,3 1,03 Rechtspflege .... 0,1 0,5! 217,8 1,03 Dienstboten .... 1,8 3,9 J 113,5 0,47 Uebr. Berufe, Berufs- 51,8 30,4 i _ — 100,00 100,0 i reihen einen geradezu auffallenden Parallelismus; wenn somit die deutschen Juden gerade an den zum Selbstmord neigenden Berufen am stärksten beteiligt sind, so ist damit abermals ein Faktor gefunden, der ihre hohe Frequenz erklärlich macht, ohne zu Rückschlüssen auf Religiosität und moralische Festigkeit zu nötigen. Wenn man die Beteiligung der Christen und Juden (in Tabelle VIII2). *) Nach Krose, S. 40, 42 (kombiniert). Es waren erwerbstätig in in absoluten Zahlen Personen I _ , überhaupt | J*den Unter erwert Personen überhpt. je 100 >stätig. Jaden Landwirtschaft Industrie. . . Handel u. Verkehr . . . 8 292 700 8 281 200 2 338 500 3 370 46 000 133 450 34,19 34,15 9,64 1,38 18,80 54,56 *) Nach Morselli S. 228. 2} Statist. Jahrbuch deutscher Juden 1905 S. 201.

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