Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Zur Biologie und Pathologie der jüdischen Rasse
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
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— 91 - greifbare äußerliche Schädlichkeiten (Vergiftung endo- oder exogenen Ursprungs, Infektionskrankheiten, cerebrale Herde usw.) eine sehr beträchtliche Eolle spielen, macht sich ein Unterschied zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Rasse nicht bemerkbar. Die jugendlichen Verblödung sprozesse und Demens nach akuten Psychosen kommen bei jüdischen Geisteskranken häufiger vor. Zu jener Geisteskrankheit, bei welcher neben der Lues das Moment der mit gemütlichen Aufregungen einhergehenden intellektuellen Überanstrengung einen beträchtlichen Faktor bildet, stellen die Juden ein prozentual hohes Kontingent. Zu Psychosen auf hereditär-degenerativer Basis, wobei als wichtigstes, oft vielleicht einziges ursächliches Moment die erbliche Belastung wirksam ist, erscheinen die Juden unverhältnismäßig stark disponiert. Bezüglich der letzterwähnten drei Formen von Psychosen scheinen gerade die besseren Stände in noch erheblicherem Maße gefährdet, als die unteren Schichten der Juden. Rajasanski hebt hervor, daß auch bei den russischen Juden eine Praedisposition für Geisteskrankheiten herrsche. (Aerztl. Zeit. 1902.) Nur wisse man nichts Sicheres über die Ursachen. Manche Beobachter glaubten an einen unmittelbaren Einfluß der Rassenorganisation. Von anderen werden soziale Einflüsse geltend gemacht, so im vorliegenden Falle für die Verhältnisse in Rußland 1. Armut, ungünstige Ernährungsverhältnisse , schlechte Wohnungen; 2. zu früher Schulbesuch; 3. die rituelle Beschneidung durch unerfahrene Operateure; starke Blutungen mit schädlicher Beeinflussung des Gehirnwachstums sollen sehr häufig sein. (?) (Andererseits weisen mehrere Autoren darauf hin, daß durch die Beschneidung die Haut der Glans ihre Zartheit verliere, und dadurch die Infektionsgefahr für venerische Erkrankungen verringert werde. Anm. d. Aut.) Dr. Geßner untersucht in der „Münch, med. Woch. 1903" das Vorkommen von amaurotischer Idiotie (Blödsinn verbunden mit Erblindung) bei den Juden. Es handelt sich in allen diesen Fällen um gesund geborene Kinder, welche in den ersten Lebensmonaten körperlich und geistig sich regelmäßig entwickeln. Die Zeit der normalen Entwickelung dauert einige Monate, dann tritt Schwäche der Muskulatur ein, die Kinder werden vollständig teilnahmslos, können sich nicht mehr aufrecht halten, der Kopf sinkt zurück. Um diese Zeit setzt auch die Abnahme des Sehvermögens ein, die mit einem Schwund der Sehnerven endet. Im allgemeinen bleibt das Gehör gut, Die Krankheit befällt entweder nur ein Kind einer Familie oder auch zwei und mehrere Geschwister, und zwar sowohl der Reihe nach, als auch das eine oder das andere überspringend. Eine besondere Bevorzugung des männlichen oder weiblichen Geschlechts ist nicht zu konstatieren. Hinreichende Anhaltspunkte, um Lues, Alkoholismus, Tuberkulose, nervöse Belastung in der Familie anschuldigen zu können^ sind nicht vorhanden. Höchst auffallend ist es, daß es sich nahezu stets um Kinder jüdischer Abstammung handelt, und daß unter diesen ein großer Prozentsatz polnisch - jüdischer Familien vertreten ist. Ob und inwiefern soziale Verhältnisse dabei eine Rolle spielen, ist vollständig dunkel. Die pathologisch - anatomischen Veränderungen bestehen in einem degenerativen Prozeß, welche das Zentral - Nervensystem bei anfangs normaler Entwickelung ergreift. Schaff er fand „ein höchstgradiges Ergriffensein des Großhirns, die Rinde total entmarkt. Es handelt sich also um eine auf das ganze Großhirn sich erstreckende äußerst intensive Erkrankung bei normaler äußerer Configuration derselben." Die Degeneration kann in den einzelnen FäUen verschieden sein, und während das Großhirn mehr verschont ist, zeigt dann das Rückenmark tiefgehende Degenerationserscheinungen Dr. M. Loeb (Frankfurt a/M.) beschreibt im Zentralblatt f. innere Medicin, No. 32, 1905 die hereditäre Form des Diabetes bei den Juden. Die Zuckerkrankheit oder wenigstens die Veranlagung dazu ist erblich; sie ist in einer besonderen Reizbarkeit des Nervensystems begründet. Gerade diese vererbliche Form hat ihre charakteristischen Eigenschaften. Sie pflegt erst im späteren Mannesalter aufzutreten und macht nur geringe Beschwerden. Schon im früheren Alter, aber nicht vor dem 20. Jahre,