Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Kritische und ergänzende Bemerkungen zur Literatur über die Kriminalität der Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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— 75 — Buch die Juden möglichst zu entlasten sucht, | einen peinlichen und nicht reinlichen Rest nicht j aus der Welt zu schaffen: die unnötig hohe Erj werbskriminälität der Juden." Das ist nicht ganz \ richtig.Abgesehen davon, daß Aschalfenburg nicht j „die Juden zu entlasten sucht," ist Aschaffenburg! gerade in bezug auf die Erwerbskriminalität j äußerst vorsichtig vorgegangen. Mittels einer I von mir gefundenen exakten Methode werde ich j noch in einer größeren Studie den Nachweis führen, daß nicht nur bei allen Delikten, wo Aschaifenburg den Beruf als Erklärung heranzieht, sondern sogar noch bei einer Reihe weiterer Delikte diese Zurückführung auf die beruflichen Verhältnisse zulässig ist. Übrigens möchte ich noch folgende Bemerkung Hellpachs als geistreiche Hypothese registrieren, da dieselbe teilweise allerdings auch schon von andern geäußerte Gedanken in origineller Form vorträgt. „Wo der Trieb zum Gelderwerb alles beherrscht, wird auch das seelische Leben der am Erwerb nicht unmittelbar Beteiligten, besonders also auch der Kinder einseitig in diese Richtung gedrängt: und die Zurücksetzung in der Gesellschaft, die Ausschließung von vielen Lebensmöglichkeiten, das erzwungene Sektenhafte der Lebensführung bewirkt nach und nach eine nicht mehr gewöhnliche, mindestens abnorme und im Hinblick auf pathologische Vorgänge labile Seelenverfassung. Dann entwickeln sich mehr Berufsdefekte als Berufspsychosen. Berufsdefekte, wie sie der Händler schlechthin uns zeigt, nur durch die von Kindesbeinen an verschärfte Situation ungleich deutlicher herausgearbeitet: Die Unfähigkeit, sich in bestimmte Seelenrichtungen einzufühlen, gewisse Gefühlsfaktoren zu werten. Dies nicht leicht mit Worten Faßbare, was selbst vorurteilslose Geister immer wieder zur Reserve gegen das Judentum als etwas seelisch ihrem Wesen Fremdes drängt. Und wie wenig hier die Mystik der Rasse, wie vorwiegend die Summe berufsständischer Einflüsse auf die Seelengestaltung im Spiele ist, beweisen die Ausnahmejuden (deren Ziffer immerhin so erheblich ist, daß von den notgedrungen Reservierten jeder im Durchschnitt wenigstens Einen zu nennen weiß)". Eine wirkliche Bereicherung der Litteratur über die Kriminalität der Juden ist der kürzlich im Verein zur Abwehr des Antisemitismus gehaltene Vortrag des Berliner Straf rech tslehrers von Liszt: „Die Kriminalität der Juden in Deutschland." Die von Liszt dort eingeschlagene Methode auf Grund der Resultate Lindenaus („Beruf und Kriminalität" in Bd. 23 von Liszt's Z. d. ges. Strafrechtswissensch.) die Kriminalität der Juden als „Berufskriminalität" zu erklären, habe ich in meiner bereits oben erwähnten Studie weiter ausgebaut, sodaß ich auf die dort gegebene Erörterung das pro und contra verweisen kann. Unter dem Titel „Die Kriminalität der deutschen Juden" hat Bruno Blau eine Brochüre erscheinen lassen, auf die ich bereits an anderer Stelle (Jüdische Rundschau 1906 KTo. 14/15 S. 202 ff) eingegangen bin. Blau hat dann in einer Entgegnung die von mir gemachten Aussetzungen zu widerlegen versucht. Ich will darauf an dieser Stelle nur insoweit zurückkommen, als es sich um seine Ausführungen über die Berechnung der strafmündigen jüdischen Bevölkerung handelt. Ruppin hatte in seinem Buche „Die Juden der Gegenwart" ebenso wie in Heft 1 des 1. Jahrgangs dieser Zeitschrift darauf hingewiesen, daß die Juden in der amtlichen deutschen Statistik durch einen Fehler in der Berechnung der strafmündigen Bevölkerung zu schlecht wegkämen, indem daselbst angenommen werde, der Prozentsatz der Strafmündigen (über 12 Jahre alten Personen) sei unter Juden und Christen gleich groß; da die Juden aber in Wirklichkeit erheblich mehr Erwachsene, d. h. Straf mündige unter sich zählten als die Christen, so ergebe es für die Juden ein zu ungünstiges Resultat, wenn man die Zahl der jüdischen Verbrecher zu der nach der unrichtigen Berechnung der Reichsstatistik gefundenen Zahl der strafmündigen Juden in Beziehung setzt. Blau meint dazu: „Ich halte die Behauptungen Ruppins, die Wassermann wiedergibt und die mir natürlich sehr wohl bekannt waren, für vollkommen unbewiesen. Für Bd. 45 der Reichsstatistik treffen sie zu. Wenn sich aber jetzt in der Reichsstatistik die Angabe findet, daß die Zahl der Verurteilten zu je 100000 straf mündigen Zivilpersonen in