Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Soziales und biostatisches Verhalten der livländischen Juden
Date
1906-05-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-3187651-3187657-3188790--0650-3188815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 72 — Die Untersuchung der Gebürtigkeit ergibt für die Dorpater Juden 37 % Eingeborene (17,9 °/o M. und 19,6 % W.), von den 63 % Eingewanderten sind 35 % Frauen und 28 °/o Männer. Auf die geringe Sesshaftigkeit der Juden weist u. a. die Beobachtung hin, daß in der Kurve die Linie der Eingeborenen mit dem 40. bezw. 50. Lebensjahre aufhört. Nur wenige lassen sich hier dauernd nieder, die meisten ziehen nach kurzem Verweilen weiter. Bei dem Zuzug handelt es sich in 73 % um Fernwanderung mit Prävalenz der Männer. Bildungsgrad. Von 100 Kindern beiderlei Geschlechts hatten bereits zu lernen angefangen bei den Bussen Juden Deutschen Esten im 6. Jahr 32 15 12 10 „ 7. n 62 27 54 30 „ 8. 77 87 50 84 54 Die Knaben treten ein Jahr früher zum Unterricht an; mit 7 Jahren hat (mit Becht!) kein einziges jüdisches Mädchen zu lernen bebegonnen. Von den im schulpflichtigen Alter stehenden Juden genießen 57 % Knaben und 44 % Mädchen Unterricht in öffentlichen Schulen gegen 98 bezw. 66 % bei Deutschen, 82 bezw. 80 %bei Bussen, 66 bezw. 54 % bei Esten. Diese Zahlen zeigen, daß die Juden weit weniger als die übrigen Nationen die öffentlichen Schulen besuchen. Vor allem steigern nachweisbar die aus dem lithauischen Gebiet Eingewanderten die Zahl der Analphabeten. Doch ist zu bemerken, daß auf das Lesen des Hebräischen in dieser Statistik keine Bücksicht genommen ist, ebensowenig wie in der Schul Statistik auf den Chederbesuch, der wahrscheinlich auch in Dorpat blüht. Daß Stadteingeborene häufig Analphabeten für längere Zeit bleiben,, erklärt sich durch das Vorhandensein nur einer einzigen jüdischen Elementarschule in der Stadt. Was die Schreibkundigen betrifft, so finden sich ihrer bei Bussen und Esten dreimal soviel, als bei den Juden. Mit der Dreisprachigkeit der Juden fs. Tabelle am Ende der Seite) wird es nicht weit her sein, die Angaben hierüber sind cum grano salis zu nehmen» Wahrscheinlicher klingt der Befund, daß mehr als die Hälfte der Juden die Beichssprache beherrschen, und es fällt ferner auf, daß um das Erlernen des Deutschen sich am meisten (42,9 %) die Juden, nächstdem die Bussen (21 %) bemühen. Becht lehrreich ist ein Blick auf die Anziehungskraft, die die verschiedenen Unterrichtsanstalten auf Juden und Nichtjuden in der Stadt ausüben. Von 100 Personen beiderlei Geschlechts jenseits des 9. Lebensjahres besuchen Juden \ Deutsche Russen Esten Keine Schule 20,5 i 0,5 21,3 3,7 Niedere „ 35,9 i 22,5 21,9 75,5 Höhere „ 26.8 j 63,3 42,9 9,9 Privatunterricht 16,8! 13,7 13,6 10,5 Selbstunterricht 0,0! 0,0 0,3 0,4 Man wird finden, daß die Zahl der keine Schule besuchenden unter den Dorpater Juden 6 mal so groß ist, als unter den Esten. Der Privatunter rieht im Hause hat für die Juden die größte Bedeutung. Ich übergehe Beschäftigung, Gewerbe, Beruf mit der Bemerkung, daß unter den Dorpater Juden Produzenten und Konsumenten sich nahezu die Wagschale halten, die Gewerbe bei ihnen relativ am stärksten (74 °/o), vor allem der Handel, vertreten sind, wobei unter den keine größere physische Kraft beanspruchenden Tätigkeiten die Schneiderzunft blüht, nächstdem Klempnerarbeiten, Hut- und Schindelfabrikation, und daß unter den lf;j Analphabeten! (vom 9. Jahre) i Lesen u. Schreiben (in einer Sprache) Kenntnis von 3 Sprachen Kenntnis der Reichssprache || M. j W. M. -f W. M.! W. M.+W. M. j W. |M.+W. M. j W. M. +W. Deutsche . j 0,7%! 0,4 % 0.6 °/0 Russen . . 6,0 „ 20,1 „ j 12,8 „ Esten . . . i 5,1 „ 5,3 1 5.2 „ Juden . . . i 15,1 „ 29,9 „ j 21,9 „ 19,2 o/o 70,6 „ 58,6 „ 14,6 „ 38,3 °. o 57,8 „ 67,6 ., 20,1 „ 30,3 0 o 64,6 „ 63,5 „ 17,2 „ 21,3% 4,2 11,9 „ 41,8 „ 14,1 0;0 5.4 „ 8.5 „ 26,9 „ 34,9 °.0 4,7 „ 10,0 „ 31,9 „ 77,0% 100 „ 31,4,. 67,0,, 52,9 % 62,9% 100 „ |100 „ 17,2 „ | 23,5 36,7 „! 52,9 „

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.