Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Soziales und biostatisches Verhalten der livländischen Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 73 (sequence 5)
- Language
- German
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— 73 gewerbetreibenden Frauen Näherinnen, Dienstboten, Hebeammen weitaus prävalieren. Ebenso kann liier die Frage der Gebrechen umgangen werden, da in dieser Beziehung, wie es scheint, sich für Livland keine besonderen Gesichtspunkte ergeben dürften. Wohl aber sind hier zum Schluß einige Verhältnisse der Bevölkerungsbewegung, die die amtliche Volkszählung nicht behandelt, in den allgemeinsten Zügen zu berühren, Zunächst die Zahl der Geburten und Todesfälle. Während des ganzen 30jährigen Zeitraumes, für welchen Beobachtungen vorliegen, findet sich bei den Juden ein starker natürlicher Zuwachs, der 1867 fast 30 betrug, in den letzten 15 Jahren aber sich um 13 pro mille bewegt hat. Auf 100 Einwohner jährlich (1897): Geboren Gestorben Differenz Deutsche. 12,0 17,3 - 5,3 Russen . 26,2 23,5 + 2,7 Esten . . | 30,9 25.3 + 5,6 Juden . . 1 27,2 13,6 +13,6 DerKnabenüberschuß beträgt inIDorpat bei den Juden 1065 gegen 1061 für Esten, 1039 für Deutsche, 1152 für Russen. Leider konnten hinsichtlich der ehelichen und außerehelichen Geburten, Totgeburten und Mehrgeburten für die Dorpater Juden keine verläßlichen Daten ermittelt werden. Aber schon aus den vorhandenen Befunden dürfte zu erkennen sein, daß die sozialen und demographischen Zustände der livländischen Juden in mehreren Hinsichten zur Vtrgieichung mit den in anderen Gebieten bestehenden Verhältnissen herausfordern und daß sie in erster Linie auf die vorherrschenden besonderen Milieubedingungen im Balticum zurückzuführen sein möchten. Eine allgemeine Darstellung der Biostatik der baltischen Juden bleibt übrigens einer späteren Bearbeitung vorbehalten, die auch auf die Entwicklung des Volkes im Lande Rücksicht nehmen wird. Die Juden der russischen Ostseeprovinzen nehmen ja schon in ihrer körperlichen Erscheinungsweise eine gewisse Sonderstellung ein. Unter ihnen hat der rein blonde Typus (lichte Haar- und Jrisfärbung) mit durchschnittlich 18 % seine größte Verbreitung, l) falls man die ganze jüdische Bevölkerung des übrigen europäischen Kontinents zum Vergleiche heranzieht; insbesondere sind sie durch eine geringere Pigmentierung des Haarkleides (68 % rein Brünette gegen 74—96 % auf dem ganzen Kontinent) aasgezeichnet, und ebenso weist das Auge in etwa 45 % eine helle Färbung auf. Da direkte Kreuzungen mit den hellpigmentierten baltischen sog „Germanen" und Letto-Littauern vielleicht — bestimmte Daten fehlen — in größerem Umfang nicht vorgekommen sind, wäre es keine übertriebene Vermutung, daß hier eine Art Konvergenz des äußeren Habitus vorliegen möchte, was aber schließlich auch nur bedeutet, daß wir für die Erscheinung keine hinreichende Erklärung haben.!) B. Blechmann, Ein" Beitrag zur Anthropologie der Juden. r>orpat 1882. Zur Vergleichung mit den Verhältnissen in anderen Gebieten verweise ich auf die mit einer erstaunlichen Sorgfalt und Hingahe durchgeführte Schrift von A. Elkizid. Die Juden. Moskau 190-5, sowie auf die Publikation von S. Weißenberg, Die südrussischen Juden, Archiv f. A&thropoi. XX1I1, Kritische und ergänzende Bemerkungen zur Literatur über die Kriminalität der luden. Von Rudolf Wassermann, München. Aschaffenburg Das Verbrechen und seine Bekämpfung, 2. Aufl., Heidelberg 1906. — Willy Helpaeh Berufspsychosen, Zukunft 14. Jahrgang, No. 18. — F. v. Liszt Die Kriminalität der Juden in Deutschland. Vortrag, abgedruckt in den Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin 1906. — Bruno Blau Die Kriminalität der deutschen Juden. Berlin 1906. — Hugo Hoppe Alkohol und Kriminalität. Wiesbaden 1906 In seinem glänzenden Buche: „Das Versolche scheint zwar an und für sich in der brechen und seine Bekämpfung" leitet Aschaöen- Kriminalstatistik ganz ohne Bedeutung zu sein, bürg das den Juden gewidmete Kapitel (S. 45 fi.); Denn wir stellen ja nur fest, welcher der bemit der Bemerkung ein: „Die Konfession als; stehenden Religionsgemeinschaften ein Individuum