Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Soziales und biostatisches Verhalten der livländischen Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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— 71 — Von hundert Erwachsenen sind ledig verheiratet verwitwet geschieden ohne Angabe M. W. M. W. M. W. M. | W. M. W. Deutsche 52,76 48,37 42,2-2 28,83 4.56 22,36 0,40 0,20 0,06 0.24 Russen 54,57 35,88 41,47 40,74 3,63 23,55 0,22 — 0,11 0,33 Esten 35,45 34.21 60,54 45,21 3,53 19,90 0,34 0,47 0,14 0,21 Juden 51,24 34,84 46,71 53,40 1,85 9,96 0,20 1,80 — — (43 °/o) vertreten sind, bei den Russen (31 %) j am geringsten, während Esten und Deutsche mit | 38 % in dieser Beziehung eine mittlere Stellung i einnehmen.! Ein Teil der Gegensätze, die sich hinsichtlich des Familienstandes der Erwachsenen zufolge obenstehender Tabelle zu ergeben scheinen, sind auf die Anwesenheit einer großen Zahl Studierender in der Stadt zurückzuführen sowie auf den Umstand, daß die Universität auf die angeführten Nationalitäten eine sehr ungleiche Anziehungskraft ausübt. Es sei aber bemerkt, daß unter den Witwern die Deutschen (4,6 %) augenscheinlich dominieren, demnächst folgen Russen und Esten mit 3,5 %, während Juden, Polen und Letten mit 1—1,1% an letzter Stelle sich finden. Bei den erwachsenen Frauen sind in Beziehung auf den Familienstand keine so großen Gegensätze zu bemerken. Die Verhältniszahl der ledigen Frauen beträgt bei den Juden (sowie Esten und Russen) gegen 34 %, bei Deutschen und Letten allerdings 48 °/o. Die Verhältniszahl der verheirateten Frauen ist unter den Juden am größten (53 %), bei den Deutschen am kleinsten (29 %). Die Juden haben am wenigsten Witwen (10 %), aber am meisten geschiedene Frauen. Frühzeitige und sehr zahlreiche Ehen scheinen für beide Geschlechter charakteristisch zu sein. In der Altersgruppe von 35—40 Jahren gibt es bei den Juden überhaupt keinen unverheirateten Mann, ebenso in der Altersgruppe von 70—75 Jahren. In der für die Gründung eines Hausstandes günstigsten Altersperiode finden wir, wie nebenstehende Tabelle andeutet, 43 °/o Juden und 48 % Jüdinnen verheiratet, und auch in dieser Hinsicht scheinen Unterschiede gegenüber den herrschenden Bevölkerungen vorhanden zu sein. Aus dem Verhalten der Ledi genquote erkennt man, daß die Juden, und zwar in beiden Geschlechtern, am seltensten von allen anderen Nationalitäten ledig bleiben, eine Tatsache, die auch schon aus dem vorliegenden geringen Beobachtungsmaterial zur Genüge hervorleuchtet. Recht auffallend erscheint dem gegenüber, sowie im Gegensatze zu den Zuständen in Preußen und im übrigen Westeuropa, der hohe Prozentsatz der Ledigen unter den deutschsprachigen Dorpatensern. Günstiges Heiratsalter. Es waren Männer Frauen verheiratet 25—40 J. 30-45 J.D 20-35 J. 25-40 J. Deutsche Russen Esten Juden 33.3 % 46,0 „ 56.4 „ 43,0 „ 56,2 % 63.7 „ 70.8 „ 87,4 „ 27,3 % 21,5 „ 42.7 „ 48.8 „ 40,5 % 58,7 „ 57,1 „ 77,9 „ Ledigenquote in °/0 der Bevölkerung über 40 Jahr über 50 Jahr Männer "Weiber Männer Weiber Deutsche. Russen . Esten . . Juden. . 17.9 10 9,4 3,» 29,5 16,7 13,1 0,0 14,9 9,9 5,7 4,3 27,2 16.2 11,7 0,0 Da die Juden relativ frühzeitig in die Ehe treten, erscheint ihr Durchschnittsalter für beide Geschlechter in sämtlichen 3 Familienstandsformen (vergi. Tabelle) wesentlich niedriger, als in dem Durchschnitt der nichtjüdischen Umgebung: Durchschnittsalter nach dem Familienstände ledig verheiratet verwitwet M.! W. M. W. M. W. Deutsche 28,5 34 49.5 43,5 62 60 Russen 27 31 42 37 56 56 Esten . 29 29 45 42 60 59,5 Juden 24 21 45 39 58 56 1) Die Berechnungen für diese spätere Alterstufe sind hierhergesetzt, weil in Livland die Gründung eines Hausstandes später erfolgt als in Westeuropa.